Warum die Wettervorhersage während Corona unzuverlässiger ist – und was die Luftfahrt damit zu tun hat

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Der Sommer ist in Deutschland angekommen – eine gute Gelegenheit, wieder öfter mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Wer weise plant, prüft am Vorabend den Wetterbericht. Droht am nächsten Tag ein Regenschauer zur Feierabendzeit, tauschen viele Menschen das Rad doch wieder spontan gegen die Bahn.

Ärgerlich, wenn es entgegen der Vorhersage am nächsten Tag doch nicht regnet. Solche oder ähnliche Situationen kommen in letzter Zeit immer häufiger vor. Dabei ist der Wetterbericht an sich keine Hellseherei, sondern eine kluge Analyse einer Vielzahl von historischen und aktuellen Wetterdaten. Es gibt einen interessanten Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und dem hier und da unzuverlässigen Wetterbericht.

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Flugzeuge sind eine wichtige Datenquelle für Wetterdienste

Schon im April vergangenen Jahres gab es erste Medienberichte, dass die Pandemie den Wetterbericht unzuverlässiger mache. Auch Business Insider hatte darüber berichtet. Zeitgleich kam der Passagier-Flugverkehr fast vollständig zum Erliegen. Die Lufthansa beispielsweise hatte zeitweise 90 Prozent ihrer Flotte am Boden. Im gesamten Jahr 2020 sind laut Statistischem Bundesamt gut 75 Prozent weniger Fluggäste von den 24 größten deutschen Flughäfen abgeflogen als vor Corona. Zuletzt war die Passagierzahl 1991 so niedrig.

Aber was hat das mit dem Wetterbericht zu tun?

Die World Meteorological Organization (WMO) sammelt Wetterdaten aus vielen verschiedenen Quellen. Von Schiffen beispielsweise, Satelliten und Wetterballons, aber eben auch von Flugzeugen. Deren Sensoren können unter anderem Daten über die Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit und die Temperatur erfassen und an die Wetterstationen schicken. Bei der Lufthansa sind sogar neun Flugzeuge des Typs Airbus A321 mit speziellen Sensoren für das deutsche Pendant der WMO, also den Deutschen Wetterdienst (DWD), ausgestattet – und allesamt standen sie vergangenes Jahr am Boden. Insgesamt bekam der DWD nur noch rund 20 Prozent der Daten, verglichen mit der Datenfülle vor Corona, geliefert. Das hat Auswirkungen auf die mittelfristige Wettervorhersage, die laut Ying Chen von der Lancaster University bis zu 1,5 Grad von der Realität abweichen kann.

Deutscher Wetterdienst versucht, mit Ballons gegenzusteuern

Der DWD stand also zu Beginn der Pandemie vor der Herausforderung, die pandemiebedingt reduzierte Menge an Daten anderweitig zu kompensieren. Die Experten haben zum Beispiel die Menge der Radiosonden erhöht – kleine Messgerät, die mit einem Wetterballon in hohe Schichten aufsteigen und von dort aus Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Windrichtung und Windgeschwindigkeit aufzeichnen.

Ein anderes Beispiel: Ein Satellit der Europäischen Weltraumorganisation ESA stellt seit Mai 2020 höhenaufgelöste Windmessungen zur Verfügung. Das hat der DWD dankend angenommen und bezieht die Daten seitdem in die tägliche Wettervorhersage ein.

Wie ein Wetterbericht im Detail entsteht, ist schon ziemliches Liebhaberwissen – wichtig ist zu wissen: Mit diesen und weiteren Maßnahmen, sagt ein DWD-Sprecher zu Business Insider, konnte der DWD den Verlust der Daten durch die Luftfahrt „zu einem großen Teil kompensieren und eine merkliche Verschlechterung der Modellvorhersage“ verhindern.

Lufthansa rüstet Airbus A350 für die Klimaforschung um

Ein anderes Beispiel zeigt, wie die Luftfahrt dabei helfen kann, das Wetter noch präziser vorherzusagen: Vor wenigen Wochen wurde eine Kooperation zwischen der Lufthansa und mehreren Forschungsinstituten bekannt gegeben. Ein Airbus A350 aus der Kranich-Flotte wird gerade in einem Flugzeug-Hangar auf Malta zum „Klimaforschungsflieger“ umgebaut.

Das Flugzeug soll ab Ende 2021 in rund neun bis zwölf Kilometern Flughöhe Gase, Aerosol- und Wolkenparameter messen. Mit diesen Daten können Forschende prüfen, wie leistungsfähig die heutigen Atmosphären- und Klimamodelle sind und – noch wichtiger – deren Aussagekraft für das Klima auf der Erde bewerten. Laut Lufthansa könne der umgerüstete Airbus A350 deutlich genauer messen als das mit Satelliten möglich wäre.

Am Flugzeugrumpf befinden sich die Messgeräte des A350, der jetzt für die Klimaforschung eingesetzt wird.
Am Flugzeugrumpf befinden sich die Messgeräte des A350, der jetzt für die Klimaforschung eingesetzt wird.
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