„Wettbewerb kann dem amerikanischen Markt guttun“

Der deutsche Fernbus-Anbieter will seine grünen Busse ab 2018 quer durch die Vereinigten Staaten schicken. Der Glaube an die eigene Technologie ist groß, noch gibt es aber viele Fragezeichen.


Erster Halt Los Angeles: Mit einem Büro an der US-Westküste und fünf Mitarbeitern hat der deutsche Fernbus-Anbieter Flixbus jetzt den Eintritt auf den amerikanischen Markt begonnen. „Bis in den kommenden Sommer hinein werden wir die ersten Linien starten“, sagte Mitgründer und Technik-Chef Daniel Krauss auf einer Konferenz des Softwareunternehmens Salesforce in San Francisco.

Zu den 26 europäischen Märkten, auf denen das 2013 gegründete Unternehmen mittlerweile unterwegs ist, kommen dann auch Strecken in den USA dazu. Zwischen welchen Städten die grünen Busse zu Beginn verkehren sollen, ist noch nicht klar. „Wir sind gerade dabei zu gucken, wo in den USA sinnvoll Verkehrsströme passieren und wo wir unser Netzwerk aufbauen“, sagt Krauss.

Das amerikanische Team unter der Leitung von Pierre Gourdain, der zuvor das Geschäft von Flixbus in Frankreich aufgebaut hat, will zahlreiche Verkehrsdaten auswerten, bevor eine erste Entscheidung fallen soll. Wahrscheinlich, so Krauss, werde Flixbus dabei in einer der dichtbesiedelten Küstenregionen der Vereinigten Staaten losfahren.




Während das Unternehmen in Deutschland kurz nach der Marktliberalisierung für Fernbusse den Markt mitgestalten konnte, trifft Flixbus in den USA auf etablierte Wettbewerber. Angst vor den landesweiten Anbietern wie Greyhound oder Megabus hat Daniel Krauss nicht: „Wir glauben, dass ein Wettbewerb dem amerikanischen Markt guttun kann.“ Der Fokus liege auf qualitativ hochwertigen Bussen, deren Fahrkarten einfach online gekauft werden können – giftgrüne Lackierung und W-Lan an Bord inklusive.

Unklar ist bislang, wie sich Flixbus in den USA preislich positionieren kann. In Deutschland war das Unternehmen anfangs mit dem Versprechen angetreten, den Preis eines Zugtickets um die Hälfte zu unterbieten. „In den USA fehlt uns dieser Preiskorridor“, sagt Krauss. Neben den Buslinien sind auch Billigfluggesellschaften ein möglicher Konkurrent.

Die längeren Distanzen zwischen vielen amerikanischen Städten und daraus resultierende Strecken von sechs oder mehr Stunden Fahrzeit schrecken Krauss nicht ab: „Wir haben in Europa unterschätzt, dass die Kunden auch die langen Verbindungen wollen.“ Günstigere Preise und direkte Verbindungen seien für viele Kunden die ausschlaggebenden Kriterien.




Wie in den anderen Ländern will Flixbus auch in den USA mit lokalen Busunternehmen kooperieren. Diese stellen Fahrer und Bus in Flixbus-Lackierung und -Ausstattung, das deutsche Unternehmen kümmert sich um Marketing und Vertrieb der Tickets und hält den Kontakt zu den Kunden. „Wir sind halb ein Tech- und halb ein Transportunternehmen“, beschreibt Krauss den Spagat.

Mit der richtigen IT-Unterstützung sollen so die optimalen Verbindungen und Preise berechnet werden. In Deutschland hatte das Unternehmen nach anfänglichen Kampfpreisen zunächst viele Konkurrenten übernommen und sich so auf einen Marktanteil von etwa 90 Prozent hochgearbeitet. Das Preisniveau war parallel gestiegen. Der Umsatz des Unternehmens wird auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag geschätzt, genauer äußern will sich Krauss in San Francisco dazu nicht. Bis Ende des Jahres sollen es jedoch knapp 100 Millionen Fahrgäste werden, die insgesamt mit Flixbus unterwegs waren.

Das Wachstum beschränkt sich nicht nur auf neue Märkte: Für Deutschland kündigt der Fernbus-Anbieter jetzt 140 neue Halte an, die im kommenden Jahr an das Streckennetz angeschlossen werden sollen.

Global hat das Unternehmen das Ziel, in diesem Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen: „Es scheint, dass wir das erreichen werden“, sagt Krauss. Neue Finanzierungsrunden oder gar einen Börsengang schließt der Mitgründer erst einmal aus. Vor knapp einem Jahr hatte das Unternehmen die letzte Kapitalspritze verkündet – neu eingestiegen war zu dem Zeitpunkt die kalifornische Investment-Gesellschaft Silver Lake. Der Markteintritt in die USA habe jedoch nichts damit zu tun, dass die Geldgeber die grünen Busse auch in ihrer eigenen Heimat sehen wollen, unterstreicht Krauss: „Die lassen uns in Ruhe machen.“