Eindringliche Terrorwarnungen vor letzten Evakuierungsflügen aus Kabul

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Menschenmenge vor dem Airport

Kurz vor dem Ende der Rettungsflüge aus Kabul erreicht die Bedrohungslage vor dem Flughafen neue Ausmaße: Mehrere Länder, darunter Großbritannien, warnten am Donnerstag vor der "unmittelbaren und ernsthaften" Gefahr eines Terroranschlags in der Menschenmenge vor dem Flughafen. Auch die USA forderten ihre Staatsbürger auf, das Gelände um den Airport "sofort" zu verlassen. Die Bundeswehr könnte ihre Luftbrücke Medienberichten zufolge schon am Donnerstag beenden. Die Niederlande kündigten ein Ende ihrer Rettungsflüge noch am Donnerstag an und Frankreich fliegt spätestens am Freitagfrüh zum letzten Mal schutzbedürftige Afghanen aus.

Die britische Regierung konkretisierte am Donnerstagmorgen ihre Warnungen vor einem Terroranschlag in Kabul: Die Bedrohungslage sei "sehr ernst", sagte der britische Staatssekretär für die Streitkräfte, James Heappey, bei Times Radio. Im Laufe der Woche hätten sich die Hinweise auf mögliche Anschläge zunehmend verdichtet. Bereits in den vergangenen Tagen hatten die USA, Großbritannien und auch Deutschland vor Anschlägen auch durch Selbstmordattentäter in Kabul gewarnt.

Auch Australien und die Niederlande richteten sich am Donnrestag erneut mit dringenden Warnungen an ihre Staatsbürger: "Die Sicherheitslage ermöglicht es Ihnen nicht, sich zum Flughafen zu begeben", schrieb das niederländische Außenministerium bei Twitter.

Das US-Außenministerium forderte die Menschen vor den Flughafentoren auf, das Gebiet "sofort" zu verlassen. Grund für die Warnung seien "Sicherheitsrisiken". US-Präsident Joe Biden hatte sein Festhalten an der Frist für den vollständigen US-Abzug am 31. August auch mit der Bedrohungslage begründet: "Jeder weitere Tag im Einsatz bringt zusätzliches Risiko für unsere Soldaten."

Obwohl seit dem 14. August bereits fast 90.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen wurden, harren noch immer tausende verzweifelte Menschen vor dem Flughafen aus - und riskieren dabei ihr Leben. Die Chance, einen der letzten Plätze in einem Evakuierungsflugzeug zu erreichen, wird immer geringer.

Die letzten vier Evakuierungsflüge der Bundeswehr könnten Medienberichten zufolge bereits am Donnerstag erfolgen. Mit den letzten Maschinen müssten dann die noch verbliebenen Soldaten und das Botschaftspersonal am Flughafen Kabul ausgeflogen werden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP wollen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), die deutschen Soldaten nach dem letzten Flug in Taschkent in Empfang nehmen.

Eine A400M-Maschine aus Kabul war laut Bundeswehr am Donnerstagvormittag mit 154 Schutzbedürftigen in Usbekistan gelandet. Nach Regierungsangaben vom Mittwoch dürften sich immer noch gut 200 deutsche Staatsbürger in Kabul befinden.

Belgien, Polen und die Türkei hatten ihre Luftbrücke bereits am Mittwoch eingestellt. Die Niederlande kündigten die Beendigung ihrer Flüge für Donnerstag an - auf Anordnung der US-Truppen, wie das niederländische Außen- und Verteidigungsministerium mitteilten. Frankreich kündigte seinen letzten Flug ebenfalls auf Anweisung der USA bis Freitagabend an - am Donnerstagabend oder Freitagmorgen sollen die letzten Afghanen ausgeflogen werden, wie es aus Regierungskreisen hieß. Regierungschef Jean Castex sagte im Radiosender RTL, die französische Armee werde den Einsatz "bis morgen Abend fortführen".

Bereits am Mittwoch hatte es konkrete Anschlagswarnungen für Gebiete vor allen Toren des militärischen Teils des Flughafens Kabul gegeben. Daher mussten internationale Soldaten, darunter auch die der Bundeswehr, von den Toren abgezogen werden. Transporte von Ausreisewilligen mit Bussen aus der Stadt sind Medienberichten zufolge kaum noch möglich, weil die Sammelpunkte inzwischen bekannt seien und dort wütende Menschen demonstrierten.

Die Taliban sagten derweil nach Angaben des deutschen Afghanistan-Botschafters Markus Potzel zu, auch nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen weiter Afghanen aus dem Land ausreisen zu lassen. Voraussetzung seien allerdings "gültige Dokumente".

gap/cp

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