"Im Westen nichts Neues"-Star über seinen allerersten Drehtag: "Da kommt der Zirkus in die Stadt!"

Felix Kammerer spielt in "Im Westen nichts Neues" den jungen Rekruten Paul Bäumer. (Bild: Netflix / Reiner Bajo)
Felix Kammerer spielt in "Im Westen nichts Neues" den jungen Rekruten Paul Bäumer. (Bild: Netflix / Reiner Bajo)

Normalerweise spielt Felix Kammerer im renommierten Wiener Burgtheater, Erfahrungen vor der Kamera hatte der Österreicher bislang nicht gesammelt, als er für die Hauptrolle im Kriegsdrama "Im Westen nichts Neues" gecastet wurde. Im Interview berichtete er nun von seinen Erfahrungen am Set.

Für den Theaterschauspieler war es der erste Einsatz vor der Kamera überhaupt - und dann handelte es sich gleich um eine Produktion, die als deutsche Oscar-Hoffnung gilt: In "Im Westen nichts Neues" (seit Freitag bei Netflix) übernahm der Österreicher Felix Kammerer die Rolle des jungen Soldaten Paul, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs im Schützengraben durchlebt. Das Ensemble-Mitglied des Wiener Burgtheaters hat mit der Nachrichtenagentur teleschau unter anderem über die überwältigenden Eindrücke seines allerersten Drehtags gesprochen: "Da kommt der Zirkus in die Stadt!", berichtete der 27-Jährige.

Denn am Set erwarteten ihn 400 Komparsen und 150 Crew-Leute auf 120.000 Quadratmetern nachgebautem Schlachtfeld, "inklusive Panzern, Flammenwerfern und riesigen Explosionen." Da wisse man: "Okay, jetzt zählt es."

Im Interview sprach Kammerer auch über die explizite Gewaltdarstellung des Kriegsfilms. Den eigenen Konflikt zwischen der eher technischen Herangehensweise, etwa Blutschläuche und Plastik-Körperteile, und einer echten Auseinandersetzung mit der Gewalt bezeichnet er als "absurd". Man müsse sich selbst immer wieder daran erinnern, "dass so etwas wirklich passiert ist und tragischerweise noch passieren wird".

Felix Kammerer, der am Wiener Burgtheater spielt, wagte sich für "Im Westen nichts Neues" erstmals vor die Kamera. (Bild: Thomas Lohnes / Getty Images for ZFF)
Felix Kammerer, der am Wiener Burgtheater spielt, wagte sich für "Im Westen nichts Neues" erstmals vor die Kamera. (Bild: Thomas Lohnes / Getty Images for ZFF)

Bei vier Grad druch den knietiefen Matsch

Für den Wiener war der Dreh ein Kraftakt, eine mentale wie körperliche Herausforderung. Die psychische Belastung sei omnipräsent, da man sich täglich über Monate hinweg mit "Tod, Horror und absoluter Vernichtung" auseinandersetze. "Das kriecht in einen rein", beschrieb Kammerer. "Ordentliche Rituale" seien wichtig, um sich zu distanzieren und professionell dem Schauspielberuf nachgehen zu können.

Auch die physische Belastung sei immens gewesen. Die historischen Kostüme saugten sich mit Wasser voll, "mit dem Equipment hatten wir jeden Tag über 40 Kilo auf dem Buckel". Dann sei er damit zwölf, 13 Stunden täglich bei vier Grad durch den knietiefen Matsch gerannt. Dieses Pensum schaffte Kammerer nur dank hartem Training. "Zur Vorbereitung bin ich mit meiner Zehn-Kilo-Weste dreimal die Woche über vier Monate laufen gegangen, durch den Wiener Schnee", erinnerte sich der Schauspieler. "Wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich nach der ersten Woche raus gewesen."