Weshalb ein weiblicher James Bond oder Indiana Jones eine schlechte Idee ist

Hanna Flint
Contributor
Weshalb wir keinen weiblichen Bond oder Indiana Jones brauchen.

Gefühlt jede Woche werden wir mit neuen Vermutungen bombardiert, wer den nächsten James Bond spielen soll, von James Norton über Tom Hardy und Idris Elba bis hin zu Aidan Turner.

In der neuesten Nachricht geht es allerdings um die Möglichkeit, dass der britische Spion von einer Frau gespielt wird, was laut den Wettbüros sehr wahrscheinlich ist. Laut des britischen Wettanbieters Oddschecker gab es einen großen Anstieg von Einsätzen zugunsten eines weiblichen James Bond, wobei die Wetten von 33:1 auf 12:1 stiegen. Für viele erscheint diese Entwicklung wie ein Schritt in Richtung Geschlechtergleichheit im Film.

In meinen Augen zeigt das eine sehr niedrige Erwartung an die Rollen, die Schauspielerinnen verdienen.

Ian Flemings James Bond ist eine Figur, die so tief in Maskulinität und Misogynie verwurzelt ist, dass diese Eigenschaften mittlerweile zu seinen prägnantesten zählen. Sogar beim Sprung vom Buch auf die Leinwand wurden Bonds offen gezeigten männlichen Persönlichkeitszüge das Markenzeichen des Agenten.

Es ist keine Überraschung, dass die beliebtesten Bondfilme jene sind, in denen Schauspieler wie Daniel Craig oder Sean Connery mitspielten, die diese raue Maskulinität perfekt verkörpern, während George Lazenbys und Timothy Daltons sensiblere Verkörperung des Spions nicht so gut ankam.

Jodie Whittakers Verwandlung in einen weiblichen Doktor ist leicht, weil er asexuell ist und sich nicht durch typisch männliche Züge auszeichnet. (BBC)

Es ist nicht so, dass Frauen keine männlichen Rollen übernehmen können: Der Doktor aus Doctor Who ist beispielsweise auf gewisse Art ein asexuelles Alien, das sich in eine Frau verwandeln kann, ohne rückblickend die Hintergrundgeschichte des Charakters oder die Kontinuität der Serie zu verändern. Doch während Jodie Whittakers Verwandlung in den Time Lord nicht durch ausgeprägte maskuline Persönlichkeitszüge oder das Geschlecht beeinträchtigt wurde, würde das bei einem weiblichen James Bond ganz anders aussehen.

Wie Judi Dench aka M in GoldenEye es so treffend ausdrückt, ist Bond ein „sexistischer, frauenfeindlicher Dinosaurier, ein Relikt aus dem Kalten Krieg“, dessen Anziehungskraft gerade darin besteht. Würde eine Frau versuchen, in diese Art von Rolle zu schlüpfen, würde das nicht authentisch erscheinen.

Rachel Weisz, deren Ehemann Daniel Craig aktuell James Bond verkörpert, brachte Anfang des Jahres in einem Gespräch mit dem Telegraph ein gutes Argument. „Fleming verwendete unglaublich viel Zeit darauf, diesen bestimmten Charakter zu entwickeln, der überaus männlich ist und auf bestimmte Weise mit Frauen umgeht“, sagte sie.

„Warum nicht eine eigene Geschichte schaffen, anstatt im Kielwasser mitzufahren und mit all diesen männlichen Vorgängern verglichen zu werden? Frauen sind so faszinierend und interssant, sie sollten ihre eigene Geschichte bekommen.“

Laut Steven Spielberg könnte der nächste Indiana Jones eine Frau sein.

Steven Spielberg sollte über diese These nachdenken, denn kürzlich deutete er an, dass der nächste Indiana Jones eine Frau sein könnte. „Wir müssten den Namen von Jones auf Joan ändern“, sagte er The Sun. „Und es wäre nichts verkehrt daran.“

Zunächst mal, Steven, so funktionieren Namen nicht. Zweitens: Es ist nichts verkehrt daran, Actionfilme mit weiblichen Hautfiguren zu entwickeln, anstatt Frauen einfach nur die Rollen männlicher Helden zu geben, die viel nostalgischen Ballast mit sich tragen müssen.

Harrison Fords Alter Ego wird ebenso durch seine Männlichkeit definiert wie Bond. Eine Indiana Joan (seufz) würde im Vergleich somit blass aussehen. Es gibt jede Menge Drehbücher für Actionfilme, in denen die Hauptfigur von Anfang an weiblich ist und noch viel mehr Bücher, die man auf die Leinwand bringen könnte – es wäre also produktiver, wenn Spielberg sagen würde, dass er an einem dieser Filme arbeitet, anstatt etwas anzudeuten, das er wahrscheinlich nie in die Tat umsetzt.

Das Actionfilmgenre ist seit Jahren stark beeinflusst von einer Branche, die besonders gerne die Geschichten von Männern erzählt, die sehr oft das Macho-Ego des männlichen Publikums ansprechen. Das ist wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Mitarbeitern im Film bei 5:1 liegt.

Während das Geschlechtergleichgewicht hinter der Kamera sich hoffentlich verbessert (mit Hilfe von Initiativen wie „Time’s Up“), sollten wir also nicht nach einem weiblichen Bond oder Indiana Jones verlangen. Verlangen wir stattdessen doch nach einer neuen weiblichen Actionheldin, die ihnen Konkurrenz macht.

Oder gebt zumindest Moneypenny ein Spin-off, das auf die toxische Männlichkeit verzichtet und die Fähigkeiten und das Talent in den Fokus rückt, die offensichtlich wurden, als Naomie Harris sie verkörperte. Sie verdient auf jeden Fall mehr als nur ein kurzes Solo in einer Kamerawerbung (siehe Video oben).

Lassen Sie uns Schauspielerinnen mehr Möglichkeiten geben, ihre eigene Kult-Actionheldin zu spielen, anstatt männliche Charaktere zu kopieren.

Vergangenes Jahr hatten die drei – gewertet nach ihrem Einspielergebnis – besten Filme weibliche Hauptdarsteller, und zwar zum ersten Mal seit 59 Jahren.

Frauen füllen Kinosäle. Hollywood sollte das endlich anerkennen und auch bei Actionfilmen verstärkt auf weibliche Heldinnen setzen.