Werner, Goretzka und Co.: Diese Turnier-Helden müssen mit zur WM

U21-Europameister und Confed Cup-Sieger! Deutschlands Jungspieler haben abgeliefert. Doch wer ist einer für die WM 2018?

Großartige Leistungen, zwei Titel, ein begeistertes Land: Die U21-Europameisterschaft und der Confederations Cup waren für den DFB ein voller Erfolg. Beide Mannschaften zeigten Spielwitz, Leidenschaft und einen starken Teamgeist. Doch welcher Shootingstar kann den etablierten Kräften wirklich gefährlich werden? Yahoo Sport macht den Talente-Check: Diese Spieler muss Joachim Löw auf jeden Fall mit zur Weltmeisterschaft nehmen.

Kurze Anmerkung vorweg: Die etablierten Kräfte, dazu gehören beispielsweise Joshua Kimmich, Julian Draxler, Torhüter Marc-Andre ter Stegen und Jonas Hector, sind absichtlich nicht Teil der folgenden Aufzählung. In deren Fall wäre es keine Überraschung, wenn sie in den WM-Kader aufgenommen werden.

Leon Goretzka (zentrales Mittelfeld): Der Offensichtlichste zuerst. Leon Goretzka spielte einen bärenstarken Confed Cup. Der 22-Jährige etablierte sich sofort als Führungsspieler in Joachim Löws jungem Team, strahlte eine unheimliche Präsenz und Dynamik im Spiel aus. Sein Gespür für die Balance zwischen Defensive und Angriff ist schon jetzt sehr ausgeprägt, zudem entwickelt er weit mehr Torgefahr als seine potentiellen Konkurrenten auf der 6 und der 8. Sami Khedira wird sich warm anziehen müssen, sollte Goretzka im kommenden Jahr den nächsten Entwicklungsschritt nehmen.

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Timo Werner (Sturm): Der nächste aus der Kategorie “offensichtlicher Kandidat”. Timo Werner hat mit seiner Leistung beim Confed Cup einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Er verkörpert einen Stürmertyp, der ansonsten im deutschen Fußball nicht zu finden ist: extrem schnell, wendig – und gleichzeitig kaltschnäuzig vor dem Tor. Das sind Qualitäten, die die DFB-Elf im nächsten Jahr in Russland dringend benötigen wird. Wenn die Entwicklung bei Werner weiter so rasant verläuft, ist ihm sogar der Stammplatz im Zentrum zuzutrauen. Die Herren Gomez und Müller werden sich auf jeden Fall strecken müssen.

Jeremy Toljan (Außenverteidiger): Es war bisweilen traumhaft anzusehen, wie sich Jeremy Toljan ins Spiel der deutschen U21 einbrachte. Im Offensivspiel wurde es mit dem 22-Jährigen immer gefährlich, sein Timing und seine Technik bei Flanken ermöglichten den Stürmern zahlreiche Gelegenheiten – und führten auch zu Toren. Exemplarisch für Toljans große Fähigkeiten steht das 1:0 von Davie Selke gegen England. Davor zeigte Toljan einen perfekten Laufweg und die perfekte Flanke. In dieser Form ist er als Backup für beide Außenverteidiger-Positionen eine sehr gute Option.

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Mitchell Weiser (rechtes Mittelfeld): Zusammen mit Jeremy Toljan der große Gewinner der U21-EM. Machte drei starke Spiele in der Gruppenphase und zeigte im Finale gegen Spanien zum besten Zeitpunkt seine ganze Klasse: umtriebig, dynamisch, technisch versiert – aber auch leidenschaftlich und kampfstark. Bringt Spielwitz und einen Schuss Unberechenbarkeit ins deutsche Spiel. Das sind Fähigkeiten auf der Außenbahn, die Joachim Löw in Russland brauchen wird. Auch er hat gute Chancen auf einen Kaderplatz – sofern seine Entwicklung anhält.

Niklas Süle (Innenverteidiger):  Macht für seine zarten 21 Jahre schon sehr viel richtig als Innenverteidiger. Überzeugte beim Confed Cup mit defensiver Stabilität und wenigen Fehlern. Sein großer Bonus ist jedoch ein anderer: Der Wechsel zu den Bayern im Sommer bedeutet, dass Niklas Süle ab sofort auf allerhöchstem Niveau spielen und trainieren wird und von zwei der weltbesten Verteidiger angeleitet werden wird. Süle wird mit Sicherheit noch mal einen großen Schritt nach vorne machen in der kommenden Saison – und dann ist sogar eine Münchner Dreierkette, bestehend aus Süle, Hummels und Boateng, bei der WM 2018 denkbar. Vor allem Shkodran Mustafi wird dann zittern müssen.

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Julian Pollersbeck (Torwart): Zugegeben – bei dem Torhüter-Material, das Deutschland sein Eigen nennen darf, wirkt es etwas abwegig, dem U21-Keeper große Chancen auf einen Kader-Platz bei der WM 2018 einzuräumen. Aber: Julian Pollersbeck hätte es definitiv verdient – und zwar aus mehreren Gründen. Zuvorderst steht natürlich die Leistung – und die war das ganze Turnier über bärenstark! Hielt Deutschland vor allem gegen England phasenweise alleine im Spiel. Bewies zudem im Elfmeterschießen des Halbfinals, dass er auch die krassen Drucksituationen meistern kann. Und mit seinen 22 Jahren hat er natürlich weiterhin immenses Entwicklungspotential. Es wirkt so, als würde da ein Weltklasse-Torhüter der nächsten Generation gerade seine Karriere beginnen. Eine WM als dritter Torwart im DFB-Kader würde diese Entwicklung nur beschleunigen. Bevor man drei nahezu gleich alte Torhüter mitnimmt, sollte man lieber mit Pollersbeck planen.

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