Bei Steinhaus-Debüt: Werder wendet Fehlstart ab

Mathew Leckie (rechts) und Thomas Delaney (links) erzielten die Tore in der Hauptstadt

Torflaute gestoppt, Negativrekord abgewendet: Werder Bremen ist einem Fehlstart in der Bundesliga entgangen und hat das erste Erfolgserlebnis gefeiert, muss aber weiter auf den ersten Saisonsieg warten. (Die Tabelle)

Beim Bundesliga-Debüt von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus kam Werder am 3. Spieltag beim Europa-League-Starter Hertha BSC zu einem 1:1 (0:1) und verhinderte die saisonübergreifend sechste Niederlage nacheinander. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

"Wir haben jetzt gegen Mannschaften gespielt, die alle in der letzten Saison vor uns in der Tabelle waren. Wir sind mit dem Punkt letztendlich angekommen und freuen uns über die Art und Weise", sagte Werder-Coach Alexander Nouri über den fast vergeigten Saisonstart bei Sky.


Thomas Delaney (59.) erlöste die zuvor tor- und punktlosen Bremer mit dem ersten Saisontreffer, bei dem der Däne von einem Patzer des deutschen U21-Europameisters Niklas Stark profitierte. Zuvor hatte der Australier Mathew Leckie (38.) die Berliner vier Tage vor dem Europapokal-Comeback gegen Athletic Bilbao in Führung gebracht.

Die UEFA Europa League am Donnerstag, den 14. September, ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1

"Wir wussten, dass es schwierig wird, nachdem die Spieler bei den Nationalmannschaften waren. Nach 20 Minuten haben wir uns reingebissen, sind in Führung gegangen. Die zweite Hälfte haben wir gut begonnen, danach war Bremen besser. Zum Sieg hat das Quäntchen Glück gefehlt. Wenn wir realistisch und ehrlich sind, ist das 1:1 ok, ich kann damit leben", sagte Hertha-Trainer Pal Dardai nach der Partie bei Sky.

Nouri teilte die Meinung seines Trainer-Pendants: "Nach dem Spielverlauf ist das Ergebnis gerecht. Wir haben es in der ersten Halbzeit gut gemacht und hatten ein Chancenplus. Leider haben wir durch einen eigenen Fehler das Gegentor eingeleitet. Es war schade, dass wir uns für eine gute erste Halbzeit nicht mit einem Tor belohnen konnten. Die zweite Halbzeit war deutlich ausgeglichener mit Chancen auf beiden Seiten. Unterm Strich ist das Ergebnis okay."


Steinhaus gibt Bundesliga-Debüt

Im Mittelpunkt des Interesses stand zu Spielbeginn Schiedsrichterin Steinhaus. Die 38-Jährige schrieb an historischer Stätte ein Kapitel deutsche Fußball-Geschichte - pünktlich um 15.30 Uhr gab sie als erste Frau eine Begegnung in der höchsten deutschen Spielklasse frei.

Die zweitligaerfahrene Steinhaus leitete das Spiel weitgehend abgeklärt. Ihre strittigste Szene hatte Steinhaus, als sie vor dem ersten Tor das Spiel nach einem Gerangel zwischen Berlins Vladimir Darida und Milos Veljkovic weiterlaufen ließ.


Auch die beiden Trainer waren mit der Leitung zufrieden. "Großer Respekt, sie hat viel laufen lassen, obwohl es war ein körperbetontes Spiel war. Ich war sehr zufrieden", sagte Dardai. Nouri sagte: "Ich habe schon im Vorfeld gesagt, dass das Geschlecht egal ist. Bibiana Steinhaus hat das ordentlich gemacht."

Steinhaus selbst zog ebenfalls ein positives Fazit: "Für uns ist es entscheidend, nach 90 Minuten nicht im Fokus zu stehen. Das ist uns geglückt, damit sind wir sehr zufrieden", sagte die 38-Jährige nach der Partie in Berlin. Nach all dem Wirbel der vergangenen Tage sehnt sie sich nun nach "Normalität". Sie freue sich, "dass es vorbei ist", zugleich habe sie ihr Debüt mit ihrem Team "wirklich genießen können".


Beide Teams mit einer Startelf-Änderung

"Wir fahren ambitioniert nach Berlin", hatte Werder-Coach Alexander Nouri vor der Reise in die Hauptstadt gesagt.

Um nach den Niederlagen in Hoffenheim (0:1) und gegen Bayern München (0:2) endlich zu punkten, beorderte Nouri Florian Kainz für Jerome Gondorf in die Startelf. Neuzugang Ishak Belfodil saß zunächst auf der Bank. Hertha-Trainer Pal Dardai gönnte dem zuletzt formschwachen Salomon Kalou nach der Länderspielpause zunächst eine Auszeit.


Werder mit starkem Beginn

Vor 49.118 Zuschauern im Olympiastadion, darunter die Inhaberinnen der eigens angebotenen 500 "Bibiana-Steinhaus-Tickets", ließen die Bremer den Ankündigungen ihres Trainers Taten folgen. Begünstigt von Unkonzentriertheiten der Berliner tauchten die Gäste anfangs mehrfach gefährlich vor dem Berliner Tor auf.

Herthas norwegischer Schlussmann Rune Jarstein, in der WM-Qualifikation gegen Deutschland noch mit sechs Gegentreffern gestraft, rettete gegen Kainz (4.). Beim unplatzierten Abschluss des vom starken Fin Bartels sehenswert freigespielten Delaney war die Hertha im Glück (22.).


Verdienter Ausgleich von Delaney

Bremen kombinierte sicher und brachte den Ball über die Flügel immer wieder gefährlich vor das Tor. Hertha tat sich dagegen im Spielaufbau gegen die dicht stehenden Bremer schwer. Die schnellen Außen Leckie und Alexander Esswein liefen sich mehrfach fest, in der Zentrale reihten sich Fehlpässe aneinander, Kapitän Vedad Ibisevic im Sturmzentrum war lange abgemeldet. Kurz vor der Halbzeit war der Bosnier jedoch hellwach, als er mit einem Ballgewinn die Führung einleitete.

Nach der Pause war Hertha zunächst druckvoller, verfiel jedoch schnell wieder in alte Muster. Im Gegensatz zum ersten Durchgang schlug Bremen aus den individuellen Fehlern der Gastgeber nun aber Kapital: Nach Starks fahrlässigem Kopfball in den eigenen Strafraum erzielte Delaney den hochverdienten Ausgleich. (Ergebnisse und Spielplan)

Damit bleibt Hertha weiter der Lieblingsgegner der Bremer: Seit dem 13. Dezember 2013, dem 16. Spieltag der Bundesliga-Saison 2013/2014, hat Werder nicht mehr gegen die Hertha verloren. In seither acht Partien gab es vier Siege für den SV sowie vier Unentschieden.