Werberiese WPP gerät in Bedrängnis – Aktie stürzt ab


Dass Firmenchefs unmissverständlich von einem schlechten Jahr sprechen, kommt selten vor. Doch Martin Sorrell, Chef des Werbegiganten WPP ist einer, der Klartext spricht. 2017 sei „kein schönes Jahr“ gewesen, stellte er nun klar, als er die Ergebnisse des Unternehmens vorstellte, das er vor über 30 Jahren gegründet hatte. Und das neue Jahr habe auch schleppend begonnen.

An der Börse reagierte man entsetzt. Das Statement von Sorrell sei „ein regelrechter Schock” gewesen, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg den Medienanalysten Alex DeGroote von Cenkos Securities. „Das ruft einem deutlich in Erinnerung, vor welch bedeutsamen Herausforderungen WPP steht.“

Immer mehr Kunden von WPP – Großkonzerne wie Procter & Gamble oder Unilever – sparen und geben deswegen weniger Geld für Werbung aus. Dazu kommt neue Konkurrenz: Facebook und Google mischen ebenfalls zunehmend im Anzeigenmarkt mit – mit wachsendem Erfolg.


Das ist ein Problem für WPP. In den vergangenen Jahrzehnten war das britische Unternehmen dank zahlreicher Zukäufe von einem kleinen Hersteller von Einkaufskörben namens Wire and Plastic Products zu der Nummer eins in der Werbe- und Kommunikationsbranche aufgestiegen.

15,3 Milliarden Pfund Umsatz erzielte WPP insgesamt im vergangenen Jahr – immerhin sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Doch bereinigt um Zu- und Verkäufe bleibt von dem Plus nichts mehr übrig: Dann ist der Umsatz nicht gestiegen, sondern sogar etwas gesunken. Und 2018 sei auch nicht mit Wachstum zu rechnen, dämpfte Sorrell die Erwartungen.

WPP beschäftigt in über 100 Ländern mehr als 200.000 Mitarbeiter, die ihren Kunden neben Werbung auch Markforschung, Öffentlichkeitsarbeit und Datenanalyse anbieten. Firmen wie Grey, Hering Schuppener oder Ogilvy & Mather gehören zum Konzern.

Die Probleme von WPP treffen auch andere Unternehmen aus der Branche wie Publicis oder Omnicom. Aber das tröstet die WPP-Aktionäre nicht. Sie schickten die Aktie am Donnerstag am Londoner Aktienmarkt um bis zu 15 Prozent ins Minus. Der Handel mit den Papieren wurde wegen des Kurssturzes kurzzeitig unterbrochen.