Werbeagentur Serviceplan verkündet Umsatzwachstum nach starkem Geschäftsjahr


Neun Löwen-Trophäen beim Werbefestival in Cannes, sieben Prozent Umsatzwachstum, ein eigenes Büro in der Madison Avenue in New York: Der Erfolgskurs, auf dem Florian Haller, Hauptgeschäftsführer der Serviceplan-Gruppe in München, fährt, scheint nicht abzureißen. „Wir haben ein tolles Jahr hingelegt“, sagt der Agenturchef, dessen Unternehmen als größte inhabergeführte Agentur in Europa gilt.

Für das 47. Geschäftsjahr, das Ende Juni 2018 auslief, meldet Haller einen Umsatz von 415 Millionen Euro, das sind 27 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Geschäftszahlen veröffentlicht Serviceplan am Montag, dem Handelsblatt liegen sie vorab vor.

Die Münchener Werber weisen darauf hin: Ihr Umsatzplus sei siebenmal so hoch wie das einer durchschnittlichen Agentur in Deutschland. Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) hat nach einer Mitgliederbefragung im Frühjahr einen Jahreszuwachs von lediglich einem Prozent festgestellt. 44 Prozent der befragten Agenturen hatten Umsatzrückgänge im vergangenen Jahr gemeldet. Die Zeiten sind nicht für alle Unternehmen auf dem deutschen Agenturmarkt rosig.

Serviceplan-Chef Haller ficht das nicht an. Der 50-Jährige, der das Unternehmen 2002 von seinem Vater Peter Haller übernommen hat, baut seine „Häuser der Kommunikation“, wie er seine Büros mit kommunikativen Komplettangeboten nennt, weiter kräftig aus. Seine Karriere hat Haller bei der inzwischen eingestellten Werbeagentur Lintas sowie dem Konsumgüterkonzern Procter & Gamble begonnen. 1996 wechselte er in das Familienunternehmen und übernahm allmählich die Gesamtleitung.

Der Familienvater, dessen Arbeitstag nach eigenen Angaben mit „einer Joggingrunde durch den Englischen Garten um 6:30 Uhr“ beginnt, lässt sich bis heute gerne von seinem Vater beraten. Haller senior verfasst noch immer Studien zu den großen Fragen der Markenführung – und kümmert sich unter anderem um die agentureigene Kunstsammlung.


Für Haller endet ein außerordentliches Jahr. Im Frühjahr hat sich der Agenturchef, dem eine gewisse Ähnlichkeit mit dem britischen Schauspieler Hugh Grant nachgesagt wird, einen Herzenswunsch erfüllt: die Eröffnung eines Büros in New York. Für eine deutsche Agentur, die sich gegen internationale Netzwerke behaupten muss, kein leichter Schritt. Serviceplan kooperiert mit anderen US-Agenturen, hat aber auch eigene Mitarbeiter geschickt. Insgesamt arbeiten in New York 65 Mitarbeiter für Serviceplan.

In drei Jahren, wenn die Geschäfte in den Staaten gut angelaufen seien, sieht Haller die Größenordnung bei 300 Leuten. Für eine Einschätzung, wie die Kundenakquise läuft, sei es „noch zu früh“. Branchenkenner wie Oliver Klein, Chef der Beratung Cherrypicker, die Werbekunden berät, sehen in dem umfassenden US-Angebot von Serviceplan allerdings sehr gute Erfolgsaussichten.

Trotz guter Wachstumszahlen gibt es auch Verluste

Insgesamt arbeiten 4.000 Beschäftigte für Serviceplan, 600 mehr als im Vorjahr. Die neuen Mitarbeiter arbeiten vor allem in den internationalen Standorten der Agentur, neben New York sind dies Städte wie Brüssel, Dubai und Paris. Die Auslandssparte erzielt einen Umsatzanteil von 21,9 Prozent.

Die Agenturgruppe bietet unter anderem ein eigenes Mediageschäft an (Mediaplus), hat Kreativagenturen und Digitaleinheiten (Plan-Net). In China arbeitet Serviceplan unter anderem für Tencent, in Italien für Ferrero, und in Deutschland gehören BMW, Penny und Deutsche Telekom zu den großen Kunden.

Trotz der Wachstumszahlen gab es auch Verluste: Serviceplan musste Werbeetats von Saturn und Lufthansa abgeben. Für das neue Geschäftsjahr will Haller keine Umsatzprognose wagen. „Ich sehe eine gewisse Unsicherheit im Markt“, sagt er. Die münde zwar nicht in reduzierten Werbeausgaben, aber der Agenturchef erlebt viele Werbekunden in diesen Tagen als recht zurückhaltend.

Der Agenturmarkt befindet sich in einer anhaltenden Phase der Konsolidierung. Die Kaufanfragen der internationalen Werbekonzerne bei inhabergeführten Agenturen reißen nicht ab. „Deutschland gilt nach wie vor als attraktiver Markt“, sagt Haller. Seit dem Brexit-Votum und der Schwächung des Werbestandorts London gelte das umso mehr. Serviceplan selbst will sich dieses Jahr nicht an der Expansion beteiligen. „Für uns gilt: Stärker statt breiter“, meint Haller.