Wer profitiert finanziell am meisten von der GroKo?

Der Bund der Steuerzahler hat berechnet, welche Konsequenzen eine Große Koalition für die Finanzen der Wähler hätte. (Bild: ddp)

Nach dem knappen Ja zu Sondierungsgesprächen zwischen SPD und CDU/CSU hält sich die Begeisterung über eine mögliche Fortsetzung der Großen Koalition in Grenzen. Der Bund der Steuerzahler hat nun berechnet, wem die neue Regierung am meisten Geld in die Kassen spülen würde.

Mehr Kindergeld, ein geringerer Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und nur noch zehn Prozent der Bevölkerung, die weiterhin den Soli bezahlen sollen – so steht es im Sondierungspapier von SPD und Union. Für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat der Bund der Steuerzahler jetzt berechnet, welche Konsequenzen das für die Wähler hätte. Und die sind, rein geldtechnisch, für die meisten durchaus positiv!

Lesen Sie auch: SPD-Parteitag stimmt für Koalitionsverhandlungen

Vor allem Familien würden in einer Großen Koalition vom Soli entlastet. Einem Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern, das im Jahr auf 40.000 Euro brutto kommt, blieben laut Berechnungen künftig 860 Euro mehr zur freien Verfügung. Bei einem Einkommen bis 75.000 Euro wären es 1375 Euro, bei 150.000 betrüge das Plus 1645 Euro. Bei kinderlosen Singles fallen die Entlastungen weniger hoch aus. Bei einem Einkommen bis 40.000 Euro lägen sie bei 600 Euro, bis 75.000 bei 473 Euro und bei 150.000 bei 375 Euro. Wer als Single mehr verdient, wird also weniger entlastet.

Spannend: Wird die FDP mit ihrer Verfassungsklage Erfolg haben?

Die Grenze dafür liegt zwischen 65.000 und 70.000 Euro Jahreseinkommen – je nachdem, wo die 90 Prozent der Bevölkerung enden, denen SPD und Union eine vollständige Befreiung vom Soli versprochen haben. Wer da als Single deutlich darüber liegt, gehört finanziell gesehen eher zu den Verlierern der GroKo. Dann nämlich bleibt als Entlastung nur die Reduzierung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung um 0,3 Prozent. Ganz anders kommt es nur, wenn die angekündigte Verfassungsklage der FDP bewirkt, dass die Zusatzsteuer aus Gründen der Gleichbehandlung für alle abgeschafft wird.

Lesen Sie auch: Martin Schulz ruft bei Anne Will seine Leistung ab

Hat die FDP keinen Erfolg, gilt für Eltern mit zwei Kindern wie bisher, dass der Soli für sie erst ab einem Jahresbruttogehalt ab 53.000 Euro fällig wird. Für sie würde außerdem das Kindergeld um 25 Euro pro Monat erhöht.

Die CDU spricht von einem Fallbeil-Effekt

Die geplante Freigrenze findet freilich nicht nur Anhänger. Der Wirtschaftsrat der CDU kritisiert sie etwa als „leistungsfeindlich“ und begründet das mit dem so genannten „Fallbeil-Effekt“. Der nämlich tritt ein, wenn ein Arbeitnehmer nach einer Gehaltserhöhung die Freigrenze überschreitet und auf einmal „ 75 Prozent der Gehaltserhöhung an den Staat“ gehen, wie die CDUler sagen.

Carsten Schneider, Finanzexperte bei der SPD, sieht darin keine Gefahr. Er wies auf eine noch nicht näher definierte aber geplante Gleitzone hin, die den „Fallbeil-Effekt“ außer Kraft setzen soll.

Sehen Sie im Video: Kubicki erteilt der AfD eine klare Abfuhr