Wer fährt mit nach Russland? Der Yahoo-Kader 100 Tage vor WM-Start

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 kommt mit großen Schritten näher. 100 Tage vor dem Eröffnungsspiel hat Bundestrainer Joachim Löw noch keinen Kader benannt. Die Yahoo-Redaktion stellt ihre derzeitige 23-Mann-Auswahl vor.

Joachim Löw hat als Bundestrainer die Qual der Wahl. (Bild: Getty Images)

Tor: Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona), Bernd Leno (Bayer Leverkusen), Kevin Trapp (Paris Saint-Germain)

Die Torhüter-Position war in Deutschland in den letzten Jahren eigentlich immer schnell besetzt. Manuel Neuer ist nun allerdings seit bereits mehr als einem halben Jahr verletzt, die Fortschritte in seiner Reha scheinen minimal.

Die ständigen Aussagen aus München, dass Neuer bald wieder trainiert, er am Ende aber doch nicht auf dem Platz steht, machen ebenso wenig Hoffnung. Auch für den potentiell weltbesten Torhüter ist der Sprung aus dem Krankenbett mitten in eine Weltmeisterschaft zu groß.

Immerhin stehen vorzügliche Alternativen bereit. Marc-Andre ter Stegen spielt eine herausragende Saison und dürfte nicht mehr weit vom Niveau Neuers entfernt sein. Dazu kommen Kevin Trapp und Bernd Leno. Beide kennt und schätzt Joachim Löw schon seit längerem. Das haben sie dem zuletzt formstarken Sven Ulreich noch deutlich voraus.

Innenverteidigung: Jerome Boateng (FC Bayern München), Mats Hummels (FC Bayern München), Shkodran Mustafi (FC Arsenal), Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach)

Ähnlich wie auf der Position der Torhüters hat Bundestrainer Löw auch für die Innenverteidigung eine große Auswahl bereitstehen. Entscheiden wird er sich mit Sicherheit für das bekannte, erfahrene und eingespielte Duo aus Jerome Boateng und und Mats Hummels.

Dahinter sind viele Optionen möglich, letztlich wird er sich aber wohl für Shkodran Mustafi und Antonio Rüdiger entscheiden, die beide in der Premier League starke Leistungen gezeigt haben und bei ihren jeweiligen Teams zu den Leistungsträgern gehören.

Matthias Ginter ist ebenfalls Leistungsträger. Das allerdings in Deutschland bei Borussia Mönchengladbach. Dort ist er nochmals gereift und ist eine verlässliche Wahl als Ersatz. Er kann – ebenso wie die anderen Spieler – auch in einer Dreierkette agieren.

Außenverteidigung: Joshua Kimmich (FC Bayern München), Marvin Plattenhardt (Hertha BSC), Jonas Hector (1. FC Köln)

Die Dreierkette ist ein gutes Stichwort, könnte sie doch das Mittel der Wahl für Löw sein, um die Probleme auf den Außen zu kaschieren. Mit Joshua Kimmich steht rechts zwar einer der aktuell besten Außenverteidiger der Welt zur Verfügung, links klafft aber eine enorme Leistungslücke.

Zuletzt zeigten Jonas Hector und Marvin Plattenhardt dort solide Leistungen. Sie sind das Beste, was Deutschland auf der linken Defensivseite aufzubieten hat. Allerdings scheint es auch gut möglich, dass Löw erneut einen positionsfremden Spieler dort einsetzt.

Bei der WM 2014 ließ er immerhin Benedikt Höwedes links agieren. Dieser ist nach einem Jahr zum Vergessen aber keine Option. Gleiches gilt für Marcel Halstenberg, der mit einem Kreuzbandriss nicht mehr rechtzeitig fit wird.

Zentrales Mittelfeld: Toni Kroos (Real Madrid), Emre Can (FC Liverpool), Ilkay Gündogan (Manchester City), Mario Götze (Borussia Dortmund), Mesut Özil (FC Arsenal), Sami Khedira (Juventus Turin)

Das Angebot im zentralen Mittelfeld hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Durch die Abschiede von Bastian Schweinsteiger und auch Phillip Lahm sind zwei Schwergewicht herausgefallen.

Somit wird Löw froh sein, dass sich Sami Khedira bei Juventus Turin wieder zu alter Form gespielt hat. Daneben dürfte Toni Kroos gesetzt sein, der mit seinen Fähigkeiten unverzichtbar für ein gutes und strukturiertes Ballbesitzspiel ist.

Mit Emre Can und Ilkay Gündogan stehen zwei flexiblere Spieler zur Verfügung, die in mehreren Rollen aufgeboten werden können. Mario Götze und Mesut Özil sind eher offensiver einzuordnen, sind mit ihrer Kreativität aber entscheidend für das Spiel des DFB-Teams.

Für Leon Goretzka kommt die WM nach einem turbulenten Jahr wohl noch etwas zu früh. Sebastian Rudy, beim Confed Cup ein wichtiger Mann, hat beim FC Bayern München Spielanteile eingebüßt und ist somit verzichtbar für Löw.

Offensive Außen: Leroy Sane (Manchester City), Thomas Müller (FC Bayern München), Julian Draxler (Paris Saint-Germain), Marco Reus (Borussia Dortmund)

Das Angebot an offensiven Außenspielern ist enorm groß. Allerdings verkörpern nur wenige davon echte internationale Klasse. Somit dürfte die Wahl von Löw doch relativ klar ausfallen. Leroy Sane hat sich bei Manchester City herausragend entwickelt und ist über links gesetzt.

Marco Reus konnte nach überstandener Verletzung wieder überzeugen und meldete sich direkt in guter Form zurück. Für ihn könnte endlich der Traum eines großen Turniers in Erfüllung gehen, nachdem er die WM 2014 und die EM 2016 verletzt verpasste.

Mit Julian Draxler steht ein junger, aber schon sehr erfahrener Spieler bei Paris Saint-Germain zwar nicht immer auf dem Platz, in der Nationalmannschaft durfte er zuletzt aber sogar für kurze Zeit das Kapitänsamt übernehmen.

An Thomas Müller führt ohnehin kein Weg vorbei. Als Alternativen stehen für Löw noch der sorglose und kreative Julian Brandt von Bayer Leverkusen oder der etwas flexiblere Serge Gnabry noch zur Debatte. Beide wären aber Experimente – diese geht Löw bekanntlich bei großen Turnieren nicht gerne ein.

Stürmer: Timo Werner (RB Leipzig), Sandro Wagner (FC Bayern München)

Ein lediges Thema der deutschen Nationalmannschaft: Braucht das DFB-Team einen echten Mittelstürmer? Schaden kann es zumindest nicht. Somit wird Sandro Wagner wohl mit nach Russland fahren.

Er hat nach seinem Wechsel zum FC Bayern München unter Beweis gestellt, dass er auch als Joker Torgefahr ausstrahlt und sich mit einer Nebenrolle zufrieden geben kann. Damit ist er der Faktor X im Kader von Joachim Löw.

Timo Werner ist nicht der klassische Mittelstürmer, hat sich aber mit guten Quoten und seiner Abgeklärtheit vor dem Tor auch für den Bundestrainer interessant gemacht. Gelegentlich wird er aber vielleicht von einer etwas spielstärkeren Alternative ersetzt – etwa Mario Götze oder Mesut Özil.

Mario Gomez machte sich zuletzt noch Hoffnungen auf eine Teilnahme. Diese sind gerade aufgrund der klaren Aufwärtstendenz beim VfB Stuttgart unter Tayfun Korkut auch berechtigt. Zwischen ihm und Wagner wird es ein enges Rennen.