„Wenn Scheuer den Raum verließ, haben wir nicht geklagt“: SPD-Lauterbach lästert bei „Markus Lanz“ über Koalitionspartner

Zu Gast bei „Markus Lanz“: Alberto Tomba, Marcel Reif, Kevin Kühnert, Karl Lauterbach und Ferdos Forudastan (v. l.). (Bild: Screenshot ZDF)

Wenig schmeichelhafte Worte für die Koalitionspartner CDU/CSU gab es bei „Markus Lanz“ von SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach.

Auch wenn nach der SPD-Mitgliederbefragung nun feststeht, dass die Sozialdemokraten erneut in eine Große Koalition mit der CDU/CSU gehen, scheint die Begeisterung innerhalb der Befürworter der Partei enden wollend. Bei „Markus Lanz“ nahm SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach kein Blatt vor den Mund und verriet unter anderem, mit wem es sich nicht ganz so gut verhandeln ließ.

Nachdem zu Beginn der Sendung über Fußball diskutiert wurde, erklärte Lauterbach seine Leidenschaft zum Kampfsport. In Wing Tsun gehe es vor allem um die Überwältigung des Gegners, so der Politiker. Auf die Frage von Lanz, ob er dies gerne am ebenfalls anwesenden Juso-Chef und GroKo-Gegner Kevin Kühnert praktiziert hätte, verneinte Lauterbach: „Er ist nett. Aber das eine oder andere Mal in der Politik denkt man, also, jetzt wären noch andere Formen der Auseinandersetzung angemessen”. Daraufhin gab Lauterbach einige launige Impressionen aus den Koalitionsverhandlungen preis:

„In den Koalitionsverhandlungen, in der Tat, gab es Momente – bei den eigenen wie bei den anderen – in denen man sich überlegen könnte: ‚Wenn jetzt einer ausfiele, es wäre auch okay’“. Obwohl er eigentlich zu Beginn keine Namen nennen wollte, konnte sich Lauterbach bei der Nennung vom künftigen CSU-Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Scheuerle [sic] war sicher für viele von uns… Also wenn der den Raum verließ, dann haben wir auch nicht geklagt.“ „Der wird jetzt Minister, das wissen sie schon?“, fragte daraufhin Moderator Lanz. Lauterbachs sarkastische Antwort: „Das habe ich wahrgenommen und wir freuen uns alle”. „Wer ist denn schlimmer für Sie – Scheuer oder Spahn?“, hakte Lanz nach. Der SPD-Fraktionsvize trocken: „Ich sag mal so: Mit Spahn habe ich schon lange zu tun gehabt. Ihn weiß ich besser zu nehmen.“

Während der GroKo-Verhandlungen waren sie Gegner, mittlerweile hat sich das Verhältnis zwischen Kevin Kühnert und Karl Lauterbach (v. l.) offensichtlich entspannt. (Bild: Screenshot ZDF)

Die Frage, ob Sigmar Gabriel Außenminister bleibe, wollte Lauterbach nicht klar beantworten und gab sich auch bei anderen Ministernamen eher „orakelhaft”, wie es Lanz formulierte. „Süddeutsche Zeitung“-Journalistin Ferdos Forudastan ist indes überzeugt: „Ich bin ziemlich sicher, wenn nicht ganz sicher […], dass Sigmar Gabriel nicht Außenminister bleibt.“ „Ich wollte die ja alle davor bewahren, diese Entscheidung überhaupt treffen zu müssen”, scherzte Juso-Chef Kevin Kühnert und setzte fort: „Wenn wir jetzt sagen ‚Wir erneuern uns und das soll auch sichtbar werde an dem Personal, das wir anbieten’, dann müssen neue Gesichter dazu und da muss auch ein neuer Stil einziehen. Und da brauchen wir auch nicht drum rum reden, jemand der in einer harten politischen Auseinandersetzung vor wenigen Wochen seine siebenjährige Tochter reingezogen hat, um einen Konkurrenten zu diskreditieren […], das steht jetzt glaube ich nicht mehr für den Stil, mit dem wir gerne in den nächsten vier Jahren wahrgenommen werden wollen.”

Eine Liebesehe sei die GroKo definitiv keine, so Kühnert: „Auch wenn jetzt 66 Prozent der Mitglieder ‚Ja’ gesagt haben, braucht sich niemand die Illusion zu machen, dass da jemand vor Freude auf dem Tisch getanzt hat, als er sein Kreuzchen gemacht hat. Die meisten haben das mit wenig Begeisterung getan und sind halt zu der Einschätzung gekommen, es muss halt jetzt so sein. […] Es gibt keine Freude an der SPD-Basis und auch nicht, habe ich das Gefühl, bei den Leuten, die bei uns an der Verantwortung sind, bei dem Gedanken, jetzt noch mal vier Jahre in diese Koalition reinzugehen.“

„Dem würde ich zustimmen, aber ich sage mal so: Wir hätten nicht gemusst, aber wir hätten gesollt. So würde ich das sehen”, kommentierte Lauterbach. Forudastan attestierte, dass etwas mehr Begeisterung gut täte: „Ein bisschen Frohsinn wäre auch nicht schlecht. Ein bisschen mehr Lust, die man ausstrahlt oder Stolz darauf, was man erreicht hat.”

Für Lauterbach gab es schlussendlich laut eigenen Angaben keine andere Option als eine Neuauflage der Großen Koalition: „Minderheitsregierung wäre eine Alternative gewesen, [dann] hätten wir nichts durchgesetzt bekommen. Bei den Mehrheitsverhältnissen im Bundestag wären wir die Bittsteller bei der AfD noch gewesen, das wollte keiner. Das kann man auch Merkel nicht gönnen. […] Wir wollen, dass keine Partei bei der AfD um irgendetwas bitten muss, auch nicht Merkel. Keine Partei hat es verdient, bei der AfD um irgendetwas bitten zu müssen.“