Wenn kleine Jungs Kleider tragen wollen

Auch wenn es so gut wie keine Statistiken darüber gibt, wie viele heranwachsende Jungs manchmal Kleider tragen, schätzen Studien, dass zwei bis sieben Prozent ein Cross-Gender-Verhalten an den Tag legen. Und diese Woche stellten zwei Söhne von Prominenten die traditionellen Geschlechterrollen auf den Kopf. Beide ernteten dafür in den Medien viel Lob.

Chris Evans’ Sohn Eli, fünf, erweckte viel Aufsehen bei den Medienvertretern, als er in einem schimmernden grünen Kleid in London ins Kino ging. (Bild: Getty Images)

„Das Süßeste, das Sie je gesehen haben!“, verkündete Klatsch-Blogger Perez Hilton, als Megan Fox ein Foto ihres vierjährigen Sohnes Noah in einem Elsa-Kleid auf Instagram teilte – es war nicht das erste Mal, dass sie die Vorliebe ihres Sohnes öffentlich teilte. Einmal sagte sie zu Jimmy Kimmel: „Jungs dürfen Kleider tragen. Noah trägt Kleider und es gibt dafür keine Regeln – in meinem Haus darf jeder das sein, was er möchte!“

Geteilte Meinungen in sozialen Medien

Viele Medien fanden, dass das Kleid Noah super stand und er damit wirklich süß aussieht. Die Social Media User waren dagegen geteilter Meinung und manche kritisierten die Entscheidung, Noah ein Kleid tragen zu lassen. „Von klein an den kleinen Jungen verwirren, so dass er nicht mehr allein entscheiden kann, was er will. Auf dem Weg zum Transgender. Egoistische Menschen!“, schrieb ein Kritiker auf Instagram.


Während darüber noch diskutiert wurde, posierte der britische TV- und BBC-Radio-Produzent Chris Evans am Dienstag mit seiner Familie für Paparazzi in London. Mit dabei war auch sein fünfjähriger Sohn Eli, der ein schimmerndes grünes Kleid trug. Auch dieser Auftritt löste gemischte Reaktionen aus – ein Medienportal schrieb: Mit seinem „progressivem Sinn für Mode stiehlt er allen die Show“. Andere Medien sahen das jedoch anders. „Was ist bloß mit den Promis los, die ihren kleinen Jungs erlauben, Kleider zu tragen?“, fragte ein Twitter-User.

Die Jungs waren nicht die ersten und werden definitiv auch nicht die letzten sein, die bei Zuschauern mit ihrer Ästhetik, die Gender-Grenzen überschreitet, gemischte Gefühle hervorrufen. Ende Juli kam Liev Schreibers achtjähriger Sohn Kai als Harley Quinn verkleidet zur San Diego Comic-Con, und es wurde heiß diskutiert. Davor löste Charlize Therons Sohn Jackson, vier, eine ähnliche Diskussion aus, als er sich als Prinzessin verkleidete.

Auch normale Mütter haben viel Aufmerksamkeit dafür bekommen, dass sie Bilder ihrer Söhne in Kleidern posteten. Auch Bücher beschäftigen sich mit diesem Thema. Das Buch „Morris Micklewhite and the Tangerine Dress“ löste zum Beispiel Entsetzen in einer Grundschule in Michigan aus.

Was können Eltern tun?

Aber wie kann eine Mutter oder ein Vater am besten darauf reagieren, wenn ihre kleinen Jungs sich nicht ihrem Geschlecht entsprechend verhalten und stattdessen Kleider oder Prinzessinnen-Kostüme oder Nagellack tragen wollen – besonders Eltern, bei denen solche Wünsche Besorgnis oder Angst um ihr Kind auslösen?

„All diese Gefühle, die Eltern haben können – kehren Sie sie nicht unter den Teppich“, erklärt Diane Ehrensaft, Entwicklungs- und klinische Psychologin und Autorin von „The Gender Creative Child“ gegenüber Yahoo Style. „Filtern Sie sie, definieren Sie sie und legen Sie sie auf Eis, selbst wenn das anstrengend ist. Und sagen Sie sich dann: ‚Kleider sind ganz normale Kleidungsstücke und wenn es das ist, was du tragen möchtest, dann ist das toll.‘ Ich kann Ihnen gar nicht oft genug erklären, wie wichtig es für ein Kind ist, positives Feedback zu einem Verhalten zu bekommen, das die traditionellen Geschlechterrollen erweitert.“

Das liegt, wie das Gründungsmitglied des Child and Adolscente Gender Center in San Francisco erklärt, daran, dass „es ein zentraler Bestandteil von dem sein könnte, was ihn ausmacht. Und das Letzte, das Sie tun wollen, ist, statt Stolz ein Schamgefühl auszulösen.“

Wie schützt man vor Mobbing?

Aber wie kann man so einen Jungen auf die möglichen verletzenden Reaktionen von anderen vorbereiten? Ehrensaft erklärt, dass Eltern es von der Verfassung des Kindes abhängtig machen sollten, wie sie solch eine Warnung aussprechen.

„Manche Kinder brauchen mehr Orientierung als andere, manche sagen vielleicht: ,Es ist mir egal, was andere denken’, während andere sehr sensibel auf Hänseleien regieren“, erklärt Ehrensaft. Zu diesen könnten die Eltern Folgendes sagen: „Ich möchte einfach, dass du weißt, dass es da ein paar Kinder gibt, die das nicht verstehen und verwirrt sein werden und sie sagen dann vielleicht ein paar unschöne Sachen. Was möchtest du dagegen tun?“

Eltern können auch Vorschläge machen, wie man die Argumente von Kritikern oder Peinigern widerlegt, inklusive dem Argument, dass Kleider „‚keine Mädchen-Kleidung sind, sondern Kleidung für Menschen.‘ Damit geben Sie Ihnen eine Art Werkzeug, das Sie einsetzen können“, sagt sie. Außerdem sei es extrem wichtig, dass ein verständnisvoller Erwachsener in der Nähe ist, wenn Ihr Junge mit Gender-untypischen Kleidungsstücken experimentiert – man kann zum Beispiel seinen Lehrer oder Campleiter vorab informieren“, betont Ehrensaft.

Und es gibt stets unterstützende Menschen, die das Selbstbewusstsein eines Kindes stärken können. So zum Beispiel ein Instagram-User, der den folgenden Kommentar zum Foto von Fox verfasste: „Wunderschönes Bild einer hübschen Familie. Ich werde nie verstehen, warum Menschen sich wegen eines Kleides so sehr aufregen können. Jungen-Sachen/Mädchen-Sachen… Wie wäre es einfach mit „Kinder-Sachen“ – ohne Einteilung.“

Beth Greenfield