Weniger Neuinfektionen, dafür immer mehr falsche Schnelltests: Wie verlässlich sind Coronatests aktuell wirklich?

·Lesedauer: 3 Min.

Schnell zu einem Testzentrum fahren, einen Antigen-Schnelltest machen und dann zum Flughafen, um in den langersehnten Urlaub zu fahren. Doch dann der Schock: Positives Ergebnis. Der Urlaub wird abgebrochen, man begibt sich in Quarantäne. Das allein dürfte schon schlimm genug sein, richtig ärgerlich wird es aber, wenn sich herausstellt, dass der Test falsch-positiv war und man eigentlich glücklich im Flieger sitzen könnte.

Was nach einem Horror-Szenario klingt, ist auch in Deutschland Realität Schnelltests, die eine Covid19-Infektion anzeigen, obwohl diese nicht vorliegt, kommen inzwischen sogar deutlich häufiger vor. Man nennt diese Tests falsch-positiv, weil sie irrtümlich ein positives Ergebnis angeben.

Nur 44 von 218 Schnelltests lagen richtig

Auf eine Anfrage der CDU-Fraktion in Hamburg gab die Stadt jetzt bekannt, dass die falsch-positiv Rate der positiven Schnelltests bei 80 Prozent liege. Insgesamt wurden in Hamburg in der zweiten Juniwoche ungefähr 700.000 Schnelltests durchgeführt. Davon zeigten 218 Tests ein positives Ergebnis an - aber nur bei 44 Tests lag auch wirklich eine Corona-Infektion vor. Diese wird nachgehend durch einen PCR-Test überprüft.

Wie der Hamburger Senat mitteilt, steigt die Rate der falsch-positiven Tests seit Mai. Im Frühjahr lag die Quote noch bei ungefähr 50 Prozent, stieg aber jede Woche an. Von 52 über 69 und 71 auf 75 Prozent und dem Höchststand der zweiten Juniwoche von 80 Prozent.

Inzwischen lassen sich mehr gesunde als kranke Menschen testen – damit kommt es zu einem Anstieg der falsch-positiv-Rate

Woher kommt der Anstieg? Dass Tests ungenauer werden, darf zurecht bezweifelt werden. Rückschritte in der Technologie sind selten. Vielmehr erklärt sich einen Zusammenhang mit den niedrigen Inzidenzen.

Dazu muss man zunächst wissen: Schnelltests müssen gewissen Standards entsprechen. Die Sensitivität gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit erkrankte Menschen erkannt werden. Sie muss bei mindestens 80 Prozent liegen. Nicht-Infizierte müssen zudem mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent richtig erkannt werden ("Spezifität").

Entscheidend ist jetzt, wie viele Menschen man testet und wie viele davon erkrankt sind.

Beispiel 1: Von 100 Menschen, die getestet werden, sind 50 tatsächlich infiziert und 50 gesund. Berücksichtigt man nun die Spezifität der Tests, bekommen von den 100 Personen 2 einen positiven Befund, obwohl sie gesund sind. Zugleich werden durch die Tests mindestens 80 Prozent der Erkrankten korrekt identifiziert ("Sensitivität"), was in dem Beispiel bedeutet, dass von 50 Personen mindestens 40 einen korrekten positiven Befund erhalten. Zwei falsch-positive Tests in Relation zu 40 korrekten positiven Tests ergibt eine Quote irrtümlich positiver Schnelltests von knapp 5 Prozent.

Beispiel 2: Aufgrund der hohen Impfquote und dem Einhalten von Hygienemaßnahmen sinkt nun die Zahl der Neuinfektionen. Wenn sich jetzt erneut 100 Personen testen lassen und man davon ausgeht, dass 90 von ihnen wirklich gesund und nur 10 tatsächlich erkrankt sind, bekommen nun aufgrund der Spezifität der Tests drei Gesunde einen falsch-positiven Befund. Zugleich erhalten von den zehn mutmaßlich infizierten Personen wegen der Sensitivität der Tests mindestens acht Personen einen korrekten positiven Bescheid über ihre Erkrankung. Setzt man nun die drei falsch-positiven Personen in Relation zu den acht richtig ermittelten Erkrankten, liegt die Quote der falsch-positiven Befunde nun plötzlich bei 27 Prozent.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.