Weniger Ärger, mehr Gewinn


Die Deutsche Bank hat im Sommer trotz erwartungsgemäß rückläufiger Erträge vor allem im Investmentbanking und eines mauen Handelsgeschäfts deutlich mehr verdient. Wie das größte deutsche Finanzinstitut am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, stieg das Vorsteuerergebnis im dritten Quartal im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 933 Millionen Euro. Damit übertraf die Bank die Erwartungen des Kapitalmarktes deutlich.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 586 Millionen Euro gerechnet. Unter dem Strich stand ein Nettoergebnis von 649 Millionen Euro – mehr als doppelt so viel wie im dritten Quartal des Vorjahres. Die Prognosen hatten hier im Schnitt bei 281 Millionen Euro gelegen. Der Umsatz im dritten Quartal ging auf 6,776 Milliarden Euro zurück.

Grund für das verbesserte Ergebnis waren geringere Kosten. Auch musste die Bank nach eigenen Angaben deutlich weniger für Restrukturierung und Abfindungen sowie die Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten zahlen. Eine Reihe weiterer Rechtsfälle konnte weitgehend im Rahmen der vorhandenen Rückstellungen abgeschlossen werden. „Von den 20 Fällen, auf die noch Anfang des vergangenen Jahres rund 90 Prozent unserer finanziellen Rechtsrisiken entfielen, haben wir inzwischen 13 ganz oder teilweise beigelegt - bei nur geringen zusätzlichen Kosten in diesem Jahr“, erklärte Konzernchef John Cryan in einer Nachricht an die Mitarbeiter des Dax-Konzerns am Donnerstag.


Im vierten Quartal dürften nach Erwartung des Vorstands noch einige Rechtsstreitigkeiten aus der Welt geschafft werden: Die Bank rechnet dafür mit höheren Aufwendungen als im bisherigen Jahr. Ende September hatte das Institut für Rechtsstreitigkeiten noch 2,3 Milliarden Euro zurückgelegt.

Bei den Erträgen machte sich hingegen das weiterhin ungünstige Markt- und Zinsumfeld bemerkbar, gab Deutschlands größtes Geldhaus bekannt. Sie gingen im Vergleich zum Vorjahresquartal um zehn Prozent auf 6,8 Milliarden Euro zurück. Berücksichtigt man allerdings Währungseffekte, belief sich der Rückgang nur auf sieben Prozent. Die Kunden handelten deutlich weniger rege als im starken Vorjahresquartal, während die Volatilität an den Märkten und die Zinsen weiterhin niedrig waren. Für variable Vergütungen des laufenden Jahres hat die Bank mehr Geld zurücklegt. Die Anzahl der Mitarbeiter sank gegenüber dem Vorjahr um rund 4.000 (in Vollzeitstellen gerechnet).

Im Frankfurter Frühhandel gaben die Papiere der Deutschen Bank mit einem Minus von mehr als zwei Prozent deutlich nach. Vorbörslich hatten sie noch bis noch bis zu zwei Prozent fester notiert. Den gestrigen Mittwoch hatten die Scheine mit einem Abschlag von 0,9 Prozent beendet.


In einer Pressemitteilung kommentierte John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank: „Während das Umfeld für unsere Erträge eine Herausforderung bleibt, sind wir bei unseren wichtigen Initiativen deutlich vorangekommen – das gilt für die geplante Integration der Deutschen Bank und der Postbank in Deutschland ebenso wie für die Vorbereitung des Börsengangs der Deutschen Asset Management. Wir sind überzeugt, dass die Früchte unserer Arbeit in den kommenden Quartalen und Jahren Schritt für Schritt sichtbarer werden.“

Die Deutsche Bank leidet wie andere Institute auch unter den niedrigen Zinsen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft weniger profitabel machen, sowie unter den anhaltend ruhigen Kapitalmärkten, was die Gebühreneinnahmen schmälert. Bei den Frankfurtern kommen erschwerend Fehler der Vergangenheit hinzu - so hatten Skandale und Rechtsstreitigkeiten der Bank zwei Verlustjahre in Folge eingebrockt. Bankchef John Cryan baut den Konzern deshalb momentan um. So integriert er die Tochter Postbank.


Börsengang der Asset-Tochter kommt voran


In der Unternehmens- und Investmentsparte gingen die Erträge um 23 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zurück. Währungsbereinigt betrug der Rückgang 21 Prozent. Im Handel mit Anleihen und Währungen sanken die Erträge um 36 Prozent - ebenso wie im Aktienhandel und im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft mit Unternehmen gingen die Erträge zurück. Nach Angaben der Bank blieb im Vergleich zum Vorjahresquartal, das von regen Kundengeschäften nach der Brexit-Entscheidung geprägt war, in diesem Quartal die Kundenaktivität verhalten und die Volatilität gering. „Die Unternehmens- und Investmentbank kam mit ihrer im Frühjahr 2017 angekündigten Neuausrichtung deutlich voran“, heißt es in der Presseinformation.

Der Teil-Börsengang der Vermögensverwaltungs-Tochter Deutsche Asset Management läuft wie geplant und wird wie angekündigt innerhalb eines 24-Monats-Zeitraums erwartet. Derzeit laufen die Vorbereitungen zur Abtrennung des Geschäfts. Das verwaltete Vermögen stieg stieg seit Jahresanfang um fünf Milliarden Euro auf 711 Milliarden Euro – den günstigeren Marktbedingungen und den Zuflüssen standen negative Währungseffekte gegenüber. Allein im dritten Quartal verzeichnete der Geschäftsbereich Netto-Neugeldzuflüsse von vier Milliarden Euro.


Außerdem verkündete Deutschlands Marktführer, Sal. Oppenheim als eigenständige Marke aufzugeben. Es ist der Schlusspunkt einer fast 230 Jahre alten Geschichte und das Ende eines der traditionsreichsten Häuser der Bundesrepublik. Die verbliebenen Kunden und Geschäfte werden bis zum kommenden Jahr auf andere Bereiche der Großbank aufgeteilt.

„Dieser Schritt ist uns schwer gefallen“, erklärte Deutsche-Bank-Chef John Cryan am Freitag in Frankfurt. „Leider ist es jedoch nie gelungen, die Marke Sal. Oppenheim wieder zu alter Stärke zurückzuführen, nachdem sie noch vor dem Kauf 2009 schweren Schaden erlitten hatte.“

Die Deutsche Bank hatte die 1789 Kölner Privatbank im Jahr 2009 übernommen, nachdem Fehlspekulationen beim schließlich pleitegegangenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor das Traditionshaus in Schieflage gebracht hatten. Es folgte eine Schrumpfkur, in deren Zuge Sal. Oppenheim bereits Teile an den Mutterkonzern abgeben musste.

So landeten die meisten Publikumsfonds bei der Fondsgesellschaft DWS, die mit ihrem starken Privatkunden-Geschäft in Deutschland ein wichtiger Teil der Deutsche Asset Management ist. Auch die Vermögensverwaltung von Sal. Oppenheim wird dort eingegliedert. Vermögenden Privatkunden von Sal. Oppenheim betreut künftig das Wealth Management der Deutschen Bank bedient. Diese Schritte hatten sich seit Frühjahr angedeutet.

Für das Gesamtjahr 2017 hatte die Deutsche Bank nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten schwarze Zahlen in Aussicht gestellt. Allerdings machte der Vorstand wenig Hoffnung, dass das Tagesgeschäft zum Jahresende noch anspringen wird: Die Aktivität an den Kapitalmärkten sei auch im Oktober verhalten gewesen.