Wenig Mittel, viel Inhalt: Warum im Internet die bessere Bundesliga-Sendung läuft

Die Bundesliga ist Thema auf vielen Kanälen. Der Youtube-Sender RocketBeans liefert mit seinem Format Bohndesliga ein Beispiel dafür, wie ein guter Bundesliga-Talk funktionieren kann.

Die Bundesliga hat sich in der laufenden Saison auf viele Kanäle verteilt. (Bild: Getty Images)

“Wir haben uns gedacht, jedes Mal wenn der HSV den Trainer entlässt, bauen wir ein neues Studio”, scherzt Moderator Nils Bomhoff von Bohndesliga zum Start seiner Sendung am Montag. Drei Plätze weiter lacht Tobias Escher: “Das wäre das Ende von RocketBeans.”

Die Mittel sind knapp beim Youtube-Sender RocketBeans, die Inhalte dafür umso besser. Das bewies nicht zuletzt die 26. Ausgabe der Bundesliga-Talkshow Bohndesliga, in der Woche für Woche die Spiele des Wochenendes ebenso diskutiert werden wie aktuelle Themen aus dem Fußball.

In jener 26. Folge wurde gut ein Drittel der Sendezeit von etwa 90 Minuten für eine Diskussion rund um die aufsehenerregenden Aussagen von Per Mertesacker aufgewendet. Emotional, persönlich und mit klaren Worten – so kennt man das Format.

Der Yahoo Sport-Kommentar: Wer Mertesacker kritisiert, hat nichts verstanden

Geständnisse vor der Kamera

Fünf Männer drängen sich um einen Tisch. Vor ihnen sind Laptops aufgeklappt, im Hintergrund stehen Bierflaschen und Wimpel, zwei Leuchtreklamen hängen an der steinernen Wand. Es wirkt ein wenig, als wäre das Studio im Keller eines Mehrfamilienhauses aufgebaut worden.

Wer sich daran nicht stört, wird in den nächsten Minuten Zeuge einer facettenreichen Diskussion. Ralph Gunesch, ehemaliger Bundesliga-Profi und heutiger Kommentator des Streaming-Dienstes DAZN , spricht über seine aktive Zeit als Fußballer.

Er gibt offen zu, ähnliche Probleme wie Mertesacker gehabt zu haben. Der Druck wirkte auf seinen Körper, Gunesch kämpfte mit Erbrechen, nur ein paar Schluck Wasser bekam er vor den Spielen herunter.



“Hatte auch schon Ängste in meinem Leben”

Gespannt lauschen seine Partner dem Monolog. Hier und da werfen sie einen Satz ein. Etienne Garde, neben Bomhoff einer der Macher hinter den RocketBeans, merkt an, dass er beim Youtube-Sender gefragt ist bei Mitarbeitern, die mit Hass-Kommentaren überfordert sind.

Niko Hüls, eigentlich tätig in der Musikbranche, nickt zustimmend, während Escher, tätig als freier Journalist, anführt: “Ich habe auch schon mit Ängsten in meinem Leben zu kämpfen gehabt.”

Die RocketBeans schaffen in diesen Momenten etwas, was Sender mit größerem Budget und deutlich professionellerem Ansatz nicht vollbringen. Sie diskutieren, nicht nur in diesem Fall, unterhaltsam und zugleich auf einem angenehmen Niveau.

Das gilt nicht nur für das Thema Mertesacker. Bohndesliga liefert taktische Analysen ebenso wie emotionale Diskussionen rund um Spieler und Trainer. Es entfernt sich von Floskeln oder inhaltslosen Aussagen und bricht dabei auch gerne mal ein Tabu.

Zeitdruck und teure Experten im TV

Damit heben sie sich ab von den Größen der Branche. Dort regiert der Zeitdruck, wichtige Themen werden nur oberflächlich angeschnitten. Das Thema Mertesacker wurde nur auf Sky, und das sehr bieder, angesprochen.

Die teuren Experten der Sender, ehemalige Fußballer und Funktionäre, haben sich daran gewöhnt, dass ihre Statements nicht der Weisheit letzter Schluss sein müssen.

Dabei ist Tiefgang doch wahrlich nicht schlecht. Eurosport macht derzeit vor, wie kurzweilig in der Halbzeit oder nach Abpfiff über Taktik gesprochen werden kann. Matthias Sammer überzeugt dort mit überlegten Aussagen und interessanten Analysen.

Das soll nun bei weitem nicht heißen, dass Bohndesliga immer fachlich saubere Analysen liefert. Gerne wird auch emotional und offen gesprochen – noch so ein Faktor, der bei den übertragenden Sendern gerne zu kurz kommt.


Etablierte Größen müssen aufmerksam sein

Die Frage ist letztlich, wie die 90 Minuten auf dem Rasen begleitet werden sollen. Würden die RocketBeans den Anforderungen eines großen TV-Senders gerecht? Nein. Dafür wird die Sendung zu spät ausgestrahlt, der Tiefgang bei manchen Inhalten bedeutet, dass andere gar nicht erst angesprochen werden.

Und natürlich haben es die RocketBeans einfacher, über persönliche Erlebnisse zu sprechen, wenn nur eine fünfstellige Anzahl an Personen ihre Videos verfolgen als Lothar Matthäus oder Christoph Metzelder vor Millionen von Zuschauern.

Gleichwohl dürfen Sender wie Sky , Eurosport oder Sport1 die Neuankömmlinge aus dem Internet nicht ignorieren. Denn Bohndesliga liefert vieles, was die Zuschauer vor den Fernseher locken könnte, bzw. davon abhält, mit Abpfiff die Power-Taste des Geräts zu betätigen.