Weltuntergang durch Pandemie: Die unsichtbare Bedrohung

Die Bedrohung der Pandemie lauert überall und könnte jederzeit Realität werden. (Bild: ddp)

Ebola, HIV, SARS und Grippe – in regelmäßigen Abständen breiten sich Infektionskrankheiten aus und vermitteln uns einen kleinen Eindruck davon, wie verheerend eine Pandemie verlaufen könnte. Unter Experten gilt eine solche als einer der wahrscheinlicheren Gründe, wie die Menschheit ihr Ende finden könnte.

Ok, zugegeben: Wenn es um die Zukunft des Menschen auf der Erde geht, ist Stephen Hawking nicht gerade ein Optimist. Immer wieder mahnt das Mastermind an, welch unterschiedliche Szenarien dem Leben auf der Erde den endgültigen Todesstoß versetzen würden. Darunter Aliens, künstliche Intelligenz, der Einschlag eines Asteroiden, die Folgen des Klimawandels oder eine Pandemie. Eine Infektionskrankheit also, die sich durch das globale Flugroutennetz über die gesamte Welt verteilen würde und nur wenige Überlebende zurückließe. Bei allem Zukunfts-Pessimismus ist der britische Astrophysiker keineswegs allein mit seiner Befürchtung einer Pandemie. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Global Challenges Foundation oder das Robert-Koch-Institut halten sich durch ihre Experten immer auf dem aktuellen Stand darüber, in welchem Winkel der Erde es infektionsmäßig gerade abgeht.

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Als größte Gefahr einer sich weltweit ausbreitenden und tödlich verlaufenden Krankheit gilt den Wissenschaftlern dabei die Grippe. Von trauriger Berühmtheit ist die Spanische Grippe zwischen 1918 und 1920, deren Todesopfer die WHO auf unglaubliche 20 bis 50 Millionen schätzt. Richtig gefährlich sind die Grippeviren dadurch, dass sie rund um den Globus zirkulieren und ihr Erbgut kontinuierlich verändern. Die Viren sind genetisch variabel, wodurch sie in der Lage sind, auch die Artengrenze zu überschreiten, wie dies bei der Vogel- oder Schweinegrippe geschehen ist. Der renommierte niederländische Wissenschaftler Ron Fouchier erklärte das in einem Interview mit der „European Food Safety Authority“ so: „Eine Pandemie beginnt, wenn Tierviren die Fähigkeit erlangen, sich über beim Husten, Niesen und Sprechen abgegebene Atemtröpfchen oder Schwebeteilchen in der Luft unter Menschen auszubreiten.“

Beim Laborversuch bekommen es die Forscher mit der Angst zu tun

Das einzig Gute bislang: Das für den Menschen sehr gefährliche Vogelgrippevirus, das in den meisten Fällen tödlich ist, kann nur sehr schwer von einem Menschen auf den anderen übertragen werden. Das Schweinegrippevirus dagegen ist zwar leicht übertragbar, hat aber einen viel weniger dramatischen Krankheitsverlauf.

Was aber, wenn ein Virus, das so gefährlich ist wie die Vogelgrippe mit dem H5N1-Erreger sich so verändern würde, dass es sich über Niesen und Husten genauso rasant verbreitet  wie das der Schweinegrippe? Das wäre ein Horrorszenario. Und genau deshalb hat sich Ron Fouchier mit seinem Team und anderen Wissenschaftlern der University of Wisconsin-Madison zusammengetan, um diesen Ernstfall einer tödlichen Pandemie im Labor nachzustellen.

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„Killervirus“ oder „potenzielle Biowaffe“ wurde das daraufhin erschaffene Virus genannt, das so gefährlich war, dass die Forscher ihre Tests einmal auf Eis legten, weil sie sich nicht sicher waren, ob die Sicherheitsstandards weltweit hoch genug sind, um damit zu experimentieren. Auch aus Angst, Terroristen könnten sich davon inspirieren lassen, wurden einige Forschungsergebnisse teilweise nur gekürzt in wissenschaftlichen Fachmagazinen abgedruckt. In der „Zeit“ sagte Fouchier zu den Experimenten, die an infizierten Frettchen durchgeführt wurden: „Unser Virus war zwar nicht tödlich, doch es zeigte, dass sich das H5N1 mit nur wenigen Mutationen in eine leicht übertragbare Variante verwandeln könnte.“

Eine Pandemie beginnt, wenn Tierviren die Fähigkeit erlangen, sich unter Menschen auszubreiten. (Bild: ddp)

Gerade diese Mutationen machen den Forschern noch auf einem anderen Gebiet Probleme – man kann sich nicht im Vorfeld gegen sie schützen. So heißt es auf der Website des Robert-Koch-Instituts: „Die Eigenschaften eines neuartigen pandemischen Virus sind zu Beginn einer Pandemie weitgehend unbekannt, die Impfung als wichtigste Präventionsmaßnahme steht voraussichtlich (noch) nicht zur Verfügung.“ Experten gehen davon aus, dass es nach einem Ausbruch um die sechs Monate dauern könnte, bis ein wirksamer Impfstoff entwickelt ist. Bis dahin müssten sich Mediziner mit antiviralen Arzneimitteln behelfen, die die Sterblichkeit in der Bevölkerung reduzieren könnte – wenn es gut läuft und die Pandemie erst am Anfang steht. Um Neuansteckungen zu vermeiden, müssten Kranke schnellstmöglich isoliert werden und allgemein hohe Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

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Abseits der gefürchteten Grippe gibt es aber auch noch andere Krankheiten, die dem Menschen ähnlich gefährlich werden können. Der amerikanische Biologe Nathan Wolfe nennt in seinem Buch „Virus – Die Wiederkehr der Seuchen“ als Beispiel das Nipah-Virus, dessen Wirt eigentlich asiatische Flughunde sind. Indem die Tiere beim Flug über Schweine pinkelten und infizierte Mangoreste fallen ließen, übertrugen sie das Virus auf die Schweine. Und die wiederum auf die Menschen, als sie auf deren Tellern landeten. Auch in Pocken sieht Wolfe eine potenzielle Bedrohung. Zwar gilt das humane Pockenvirus seit 1979 als ausgerottet – bei Affen und Kamelen gibt es aber nach wie vor Pockenviren. Und auch die könnten den Sprung über die Artengrenze eines Tages schaffen.

Die Bedrohung lauert also überall und könnte jederzeit Realität werden. Gegenüber der „Welt“ sagte Wolfe: „Wir werden eine Welle von neuen Epidemien erleben, die katastrophale Folgen haben werden, wenn wir nicht lernen, sie besser vorherzusagen und zu kontrollieren.“ Er gründete also seine Organisation „Global Viral“, um Krankheitserreger so früh wie möglich zu identifizieren und abzufangen. Erste Hinweise findet sein Team oft durch Blutproben von erlegten Tieren, die Jäger in Risikogebieten zu Testzwecken zur Verfügung stellen. Wolfe beschreibt das so: „Wir errichten und betreiben Lauschposten an mikrobiellen Brennpunkten in aller Welt, um neue Mikroorganismen vor Ort zu entdecken, bevor sie globale Pandemien auslösen.“ Ein Viren-Screening also, das, hätte es ein solches schon früher gegeben, vielleicht die Ausbreitung des HIV-Virus hätte verhindern können. 1920 war es nur in einem begrenzten Gebiet im Kongo endemisch und trat seine tödliche Reise um die Welt erst in den Achtzigerjahren an.

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Dass ein Virus tatsächlich alle Menschen dahinraffen würde, ist übrigens unwahrscheinlich. Denn ein paar sind immer dabei, die sich als resistent erweisen. Ob man da zufällig dazugehört oder nicht, gehört aber wohl zu den Fragen, die man zu Lebzeiten lieber nicht beantwortet haben möchte.