Vom Weltraum zurück in die Produktionshölle

Gerade noch hat Elon Musk den erfolgreichen Erstflug der Rakete „Falcon Heavy“ gefeiert. Doch jetzt muss er zurück in die irdische Produktionshölle: Bei den Tesla-Quartalszahlen erwarten viele ein Update zum Model 3.

Die Freude war groß bei Elon Musk. „Irgendwie ist es blöd und witzig, aber ich glaube, dass blöde und witzige Sachen wichtig sind“, sagte der gebürtige Südafrikaner. Kurz zuvor konnte der Multi-Unternehmer mit seiner privaten Raumfahrtfirma SpaceX den ersten Start der „Falcon Heavy“ feiern – die leistungsstärkste Rakete, die derzeit in der Raumfahrtindustrie im Einsatz ist. Also durchaus ein ernsthafter unternehmerischer Erfolg für SpaceX.

Was Musk für „blöd und witzig“ hält: Er ließ seinen eigenen kirschroten Sportwagen seiner Elektroautofirma Tesla an Bord bringen, um dem Testflug dramatisches Flair zu geben. Im Fahrersitz des Cabrios saß „Starman“. Der Dummy im Raumanzug soll innerhalb von sechs Monaten in die Nähe des Mars gelangen. Theoretisch könnte das Auto laut Musk dann Milliarden Jahre zwischen Erde und Mars umherreisen. Eine öffentlichkeitswirksame Spielerei.

Am Mittwoch aber muss sich Musk wieder um ein ernsthaftes Thema kümmern: die Bilanz des vierten Geschäftsquartals von Tesla. Vom Weltraum zurück in die Produktionshölle.

Es würde schließlich sehr verwundern, wenn Tesla für 2017 einen Jahresgewinn ausweisen könnte. Die bekannten Baureihen Model S und X liefen wohl recht konstant, wenn auch kein großes Wachstum zu verzeichnen war. Das große Fragezeichen bleibt aber das wichtige Model 3. Das 35.000 Dollar teure E-Auto, für das es über 400.000 Vorbestellungen gibt, soll den Weg in den Massenmarkt ebnen und Tesla eines Tages profitabel machen.




2017 gelingt das wohl noch nicht. Zu groß waren die Fertigungsprobleme. Musk hatte mit Blick auf den holprigen Start der Massenfertigung des Model 3 bereits im Oktober von einer „Produktionshölle“ gesprochen, zuletzt aber von Fortschritten berichtet. Anfangs hakte vor allem die Fahrzeugfertigung in Kalifornien. Die hochautomatisierte (und damit günstige) Fertigung lief nicht zuverlässig, viele Autos mussten aufwändig von Hand zusammengesetzt werden.

Den Plan für den Produktionshochlauf konnte Musk nicht halten. Ein Update bei der Vorstellung der Quartalszahlen wird Analysten wie Anleger interessieren.

Model 3 wie ein „Kia aus den 90er Jahren“?

Zuletzt gab es allerdings Berichte über weitere Probleme beim Model 3: nicht beim Fahrzeug, sondern den Akkus. Die Batterieproduktion in Teslas Fabrik in Nevada laufe schlechter als das Unternehmen bislang eingeräumt habe, berichtete der US-Sender CNBC Ende Januar. Angeblich mussten Mitte Dezember noch immer Batterien, mit denen das E-Auto betrieben wird, per Hand gefertigt werden. Zudem klagten die zitierten Angestellten über unerfahrene Kollegen in der Qualitätskontrolle. Zwei Quellen sollen sogar behauptet haben, dass defekte Batterien das Werk verließen. Tesla wies dies energisch zurück, räumte gegenüber dem Sender aber einige Schwierigkeiten ein.

Testfahrten von Journalisten im Model 3 sind noch sehr selten, Qualität und Langlebigkeit der Batterien lassen sich dabei auch kaum testen. Auffällig ist jedoch, wie Tesla den Wagen vor neugierigen Blicken abschirmt: Auf der Automesse in LA im vergangenen November war ein Model 3 ausgestellt, die Scheiben jedoch abgedunkelt und die Türen verschlossen. Keiner sollte einen Blick in den Innenraum bekommen.




Wohl aus gutem Grund, wie ein Video nahelegt, dass derzeit im Internet kursiert. In dem YouTube-Video der US-Plattform „AutoLine“ ist ein Model 3 zu sehen, dass von dem Unternehmen Munro gekauft wurde.

Das Geschäftsmodell von Munro ist das „Reverse Engineering“: Ein Produkt wird Stück für Stück auseinandergenommen, um Verarbeitung, Qualität und technische Details zu überprüfen. Munro ist unter anderem in der Autoindustrie und Luftfahrtbranche tätig. Das vernichtende Urteil: Man habe Details entdeckt, die „an einen Kia aus den 90er Jahren“ erinnerten.

Unklar ist, aus welcher Produktionswoche der Wagen stammt. Tesla hat beim Model 3 – anders als etablierte Autobauer – auf eine sogenannte „Nullserie“ verzichtet. Das sind Autos, die zu Übungs- und Optimierungszwecken der Serienproduktion gebaut und anschließend analysiert werden. Tesla hat direkt mit der Serienfertigung losgelegt und wollte im Prozess lernen.




Klar ist: Tesla lernt schnell. Anders als in der Autoindustrie üblich, führen die Kalifornier schnell Änderungen in der Produktion ein. Ein Model 3 aus dem August 2017 kann sich stark von einem aus dem Dezember oder Februar 2018 unterscheiden. Ob also jedes Model 3 in einem solchen Zustand ist, lässt sich nicht belegen. Klar ist aber auch: Positive Nachrichten sehen anders aus.

Angesichts solcher Meldungen übte sich Elon Musk beim Start der „Falcon Heavy“ schon in Galgenhumor: Er habe bereits so viele Raketen auf unterschiedliche Weise in die Luft fliegen sehen, da sei es eine große Erleichterung, wenn etwas funktioniere. „Ich hatte dieses Bild einer riesigen Explosion auf der Plattform, ein Rad, das die Straße hinunterrollt und das Tesla-Logo, das irgendwo landet“, sagte er. „Zum Glück ist das nicht passiert.“

KONTEXT

Tesla und seine Verfolger

Tesla Model 3

Erhältlich in Europa etwa 2019

Reichweite ca. 350 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)

Preis ab ca. 40.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Nissan Leaf 2

Erhältlich ab Januar 2018

Reichweite ca. 300 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)

Preis ab 34.950 Euro (ohne Umweltprämie)

Jaguar i-Pace

Erhältlich ab März 2018

Reichweite ca. 420 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)

Preis ab ca. 75.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Audi e-tron

Erhältlich ab Herbst 2018

Reichweite ca. 420 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung, noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Preis ab ca. 70.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Daimler EQ-C

Erhältlich ab Winter 2019/20

Reichweite ca. 400 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)

Preis ab ca. 50.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Volkswagen ID

Erhältlich ab Ende 2019

Reichweite ca. 380 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung, noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Preis ab ca. 32.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)