Weltmeister Mike Conway: Lieber WM-Titel als Le-Mans-Sieg

Heiko Stritzke
·Lesedauer: 3 Min.

Endlich hat die #7 einmal kein Pech: Mike Conway, Kamui Kobayashi und Jose-Maria Lopez holten auf dem Toyota TS050 Hybrid den Titel in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2019/20 mit einem Sieg bei den 8 Stunden von Bahrain. Nach dem erneut verpassten Le-Mans-Sieg war das genau der richtige Trost.

Natürlich stellt sich nun die Frage: Kompensiert der Titel den Verlust des Sieges in Frankreich vor zwei Monaten? Conway findet: Ja. "Ich würde die Weltmeisterschaft auf jeden Fall dem Le-Mans-Sieg vorziehen. Es ist schön, nach einer harten, aber fantastischen Saison hier als Weltmeister zu stehen", sagt der 37-Jährige.

"Natürlich hoffe ich, dass wir auch den Le-Mans-Sieg endlich bald holen können, aber die Meisterschaft zu gewinnen ist definitiv schwerer als Le Mans. Wir haben 6-Stunden-Rennen und 8-Stunden-Rennen und sie alle zählen letzten Endes. Es ist schön, dass wir endlich einen Schlussstrich unter diese Saison ziehen konnten. Es ist eine Last, die von den Schultern gefallen ist."

Conway, Kobayashi und Lopez waren vor dem Saisonfinale die Favoriten auf den WM-Titel, obwohl sie in der Meisterschaft hinten lagen. Das verschaffte ihnen einen Vorteil beim Erfolgsballast, das führende Schwesterfahrzeug #8 (Buemi/Nakajima/Hartley) wurde 0,54 Sekunden pro Runde eingebremst.

In Anbetracht der Tatsache, dass die #8 dreimal günstigeren Ballast während der Saison hatte und die #7 mit Bahrain nur zweimal, ist die Situation aus Toyota-Sicht fair gewesen. Conway zufolge war der Titel aber keine Spazierfahrt.

Böse Überraschung durch Safety-Car

"Wir mussten noch immer für den Titel arbeiten, selbst wenn wir diese Zehntelsekunden [pro Runde] in der Tasche hatten", sagt er. Ärgerlich war für die #7 vor allem die Safety-Car-Phase kurz nach Rennhälfte. Es war nicht mehr weit bis zur Überrundung der #8, dann war der ganze Vorsprung mit einem Mal dahin.

"Wir konnten nicht entspannen und haben bis zum letzten Stopp Gas gegeben", legt Conway dar. Nach dem letzten Boxenstopp friert Toyota gewöhnlich die Reihenfolge ein. "Man konnte ja sehen, wie schnell eine Minute Vorsprung wieder verschwinden kann", mahnt Conway.

"Man weiß nie. Man könnte einen Plattfuß bekommen, der sie wieder in Schlagdistanz gebracht hätte. Wir haben alles gegeben, um unsere Führung sukzessive auszubauen, weil solche Dinge passieren können."

Das Trio musste dies auf schmerzhafte Weise bei den 24 Stunden von Le Mans 2019 erleben. Klar in Führung liegend, ereilte den Toyota ein Reifenschaden. Das Team wechselte daraufhin den falschen Reifen, weil die Sensoren falsch verkabelt waren. 2020 war es dann ein Loch im Auspuffkrümmer, das Conway/Kobayashi/Lopez um den Le-Mans-Sieg brachte.

Trotzdem hat es letztlich zum Titel gereicht. Das Trio beerbt die Titelträger der Saison 2018/19, Sebastien Buemi, Kazuki Nakajima und Fernando Alonso. Sie werden 2021 mit dem neuen Hypercar die Mission Titelverteidigung in Angriff nehmen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.