Ist ein Weltmeister nicht gut genug für RB?

Justin Werner

Der Mann, der ohne Stollenschuhe nach Leipzig kam, geht vielleicht schon wieder.

Als Ademola Lookman im Winter der Saison 2017/18 leihweise zu RB Leipzig wechselte, wollte ihn der damalige Trainer Ralph Hasenhüttl nicht aufstellen. Denn der 1,74-Meter große Flügelflitzer weigerte sich, mit Stollen unter seinen Schuhen zu spielen. Es folgte das goldene Tor zum 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Fast zwei Jahre und einige Millionen Euro später scheint sich der Kreis zu schließen. Lookman steht vor dem Absprung aus der Bundesliga.


Ein Blick zurück: Während der Rückserie der Saison 2017/18 trumpfte Lookman auf. Der frisch gekürte U20-Weltmeister war voller Selbstvertrauen vom FC Everton per Leihe nach Leipzig gekommen, erzielte bis zum Saisonende fünf Tore und bereitete weitere vier Treffer vor. Nur ungern ließ RB den Linksaußen im Sommer 2018 zu den "Toffees" nach England zurückkehren und begann sofort mit dem Kampf um eine dauerhafte Verpflichtung.

Drei Einsätze in der gesamten Hinrunde

Ein Transfer kam zunächst nicht zustande, sollte dann aber mit Verspätung doch noch gelingen. Im Sommer 2019 - über ein Jahr nach dem Leihende - setzte sich Leipzig in den Verhandlungen durch und holt Lookman zurück in die Bundesliga – für satte 18 Millionen Euro. 

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Heute – eine Hinrunde später – haben sich diese 18 Millionen für RB nicht wirklich rentiert. Der 20-Jährige fand schwer in die Saison, musste Trainingsrückstände aufholen. Bis zum achten Spieltag sammelte der Engländer lediglich 41 Einsatzminuten. Die Begründung von Trainer Julian Nagelsmann: "Andere machen es einfach besser als er." Nach der Hinrunde steht Lookman bei drei Bundesliga-Einsätzen.


Im Nagelsmann-System fehlt dem wendigen Flitzer vor allem eines: Defensivarbeit. Mit Timo Werner ist für Schnelligkeit im Spiel nach vorne gesorgt. Marcel Sabitzer, Emil Forsberg und Sommer-Neuzugang Christopher Nkunku (Paris Saint-Germain, 13 Millionen Euro) funktionieren als kreative Elemente des Angriffsspiels der Sachsen, stehen für Konstanz und Arbeit in beide Richtungen. Lookman bleibt eine Baustelle in zweiter Reihe, ein unvollendeter Spieler, der nicht wirklich in das reife Spiel von RB zu passen scheint.

Leipzig denkt wohl über Verkauf nach

Nach seinem ersten und bisher einzigen Bundesliga-Einsatz über 90 Minuten (1:2-Niederlage beim SC Freiburg) fand Nagelsmann, sein junger Schützling habe "gut die Bälle gehalten mit seinen Dribblings und seinen flinken Aktionen". Aber reicht das, um 18 Millionen Euro zu rechtfertigen? 

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Leipzig steht nun vor der Wahl. Warten und darauf hoffen, dass der junge Angreifer doch noch in die Puschen kommt. Oder zusehen, die Investition rückgängig zu machen, so lange Lookmans Marktwert nicht nachhaltig Schaden genommen hat. Interesse an Lookman soll es jedenfalls aus England geben.


Laut Sky Sports sei Newcastle United an einer Leihe interessiert, Leipzig wolle aber lieber verkaufen. Vor Lookmans Wechsel nach Deutschland hatte es auch Interesse seines ehemaligen RB-Trainers Hasenhüttl gegeben. Der Österreicher trainiert den FC Southampton. Die "Saints" sind im vergangenen Sommer aber von einer Verpflichtung abgerückt.

Lookman lobt Nagelsmann in höchsten Tönen

Die Perspektive in Leipzig ist nicht völlig aussichtslos, aber auch nicht sehr rosig. RB ist noch in allen drei Wettbewerben vertreten und wird für die Rückrunde einen ausgewogenen Kader brauchen. Entgegen vieler Erwartungen schwärmt Lookman außerdem von seinem Trainer. In einem Interview mit OneFootball beschrieb der Engländer Nagelsmann als einen "jungen Manager, der voller Energie steckt. Es ist ein Vergnügen unter ihm zu spielen und jeden Tag etwas zu lernen."

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Wie viel Zeit Lookman noch hat, um unter Nagelsmann zu lernen, bleibt offen. Beendet er das Kapitel Leipzig, lässt sich festhalten, dass es dann nicht an seinen Schuhen gelegen hat.