G20 sendet mit Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel Signal an Weltklimakonferenz

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Mit einem Signal an die UN-Klimakonferenz in Glasgow ist in Rom der G20-Gipfel zu Ende gegangen. In ihrer Abschlusserklärung stellten sich die stärksten Wirtschaftsnationen der Welt am Sonntag hinter das 1,5-Grad-Ziel. Doch während sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Italiens Ministerpräsident Mario Draghi zufrieden mit den Gipfelergebnissen zeigten, äußerten sich Klimaschützer enttäuscht. Auch UN-Generalsekretär António Guterres sprach von "nicht erfüllten Hoffnungen".

Laut der Abschlusserklärung wollen die G20-Staaten das 1,5-Grad-Ziel "in Reichweite halten". Einig wurden sich die Staaten zudem darin, die Finanzierung "schmutziger" Kohlekraftwerke im Ausland ab dem kommenden Jahr zu beenden.

Eine ebenso klare Zielsetzung fehlt mit Blick auf die Klimaneutralität. Gegen den Vorschlag der italienischen G20-Präsidentschaft, als Zielmarke für CO2-Neutralität das Jahr 2050 festzulegen, gab es in Rom massive Widerstände. In der Abschlusserklärung ist als Ziel nun nur vage von der "Mitte des Jahrhunderts" die Rede.

Gegen eine Festlegung auf das Jahr 2050 für die Klimaneutralität wandten sich vor allem Schwellenländer und Staaten mit großer Produktion fossiler Energien. Weil die G20-Staaten gemeinsam für rund 80 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind, geht von ihren klimapolitischen Zielen eine große Signalwirkung aus.

Während Gastgeber Draghi sich in seiner Abschlussrede "stolz" über die Einigung zum Klimaschutz äußerte und Bundeskanzlerin Merkel von einem "sehr, sehr" guten Ergebnis sprach, kritisierten Umweltschutzorganisationen die Vereinbarungen als völlig unzureichend. Greenpeace bemängelte das Fehlen von "Ehrgeiz und Vision" in der Abschlusserklärung. Friederike Roder von der Organisation Global Citizen sagte der Nachrichtenagentur AFP, die G20 hätten sich auf "halbe Sachen statt auf konkretes Handeln" geeinigt.

Optimistischer äußerte sich die Klimaschutzorganisation Germanwatch, die von einem "ermutigenden" Signal der G20 an die Weltklimakonferenz sprach. Ein zwiespältiges Urteil fällte UN-Generalsekretär Guterres: Die Hoffnungen, die in den G20-Gipfel gesetzt worden seien, hätten sich weder erfüllt, noch seien sie "begraben" worden, erklärte er.

Die Klimakonferenz oder COP26 hatte am Sonntag im schottischen Glasgow mit eindringlichen Appellen begonnen. Die Konferenz sei die "letzte" Hoffnung, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, sagte ihr Präsident Alok Sharma. UN-Klimachefin Patricia Espinosa warnte vor einer Fortsetzung der derzeitigen Politik, mit der "wir in unsere eigene Ausrottung investieren".

Auch Großbritanniens Premierminister Boris Johnson mahnte die Konferenzteilnehmer zu ehrgeizigen Selbstverpflichtungen. "Wenn Glasgow scheitert, scheitert die ganze Sache", sagte er in Rom.

Zur COP26 werden mehr als 120 Staats- und Regierungschefs erwartet. Auch Bundeskanzlerin Merkel nimmt am Montag an der Konferenz teil. Mit Chinas Präsident Xi Jinping und Russlands Staatschef Wladimir Putin fehlen aber die Staatsoberhäupter zweier großer Treibhausgas-Emittenten.

Zentrales Thema der COP26 ist die weitere Umsetzung des Pariser Klimaaabkommens von 2015. Darin hatten sich die Staaten auf eine Reduzierung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise aber auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter geeinigt.

Allerdings steuert die Erde nach UN-Angaben derzeit auf eine gefährlich Erwärmung von 2,7 Grad zu. Experten betonen, dass das 1,5-Grad-Ziel nur erreicht werden kann, wenn die weltweiten Emissionen bis zum Ende dieses Jahrzehnts halbiert und bis spätestens 2050 Klimaneutralität erreicht wird. Während eine Reihe von Staaten, darunter auch Deutschland, das Jahr 2050 offiziell als Zielmarke für Klimaneutralität ausgegeben hat, streben die großen Emittenten China und Russland dieses Ziel erst für spätestens 2060 an.

Wie schnell die Erderwärmung voranschreitet, verdeutlichte ein am Sonntag von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) vorgelegter vorläufiger Bericht. Demnach waren die vergangenen sieben Jahre die bislang wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Begleitet wird die COP26 von Protesten von Klimaschützern. Am Samstag gingen in Glasgow hunderte Menschen auf die Straße, auch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg traf dort ein. Unterstützung erfuhren die Demonstranten am Sonntag von Papst Franziskus, der die Gläubigen zu Gebeten für den Glasgower Gipfel aufrief. "Betet, dass der Schrei der Erde und der Schrei der Armen gehört wird", sagte er in Rom.

isd/mid

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