Weltgrößter Ölkonzern Aramco geht erst 2019 an die Börse


Der mit Spannung erwartete Börsengang des staatlichen saudi-arabischen Ölkonzerns Aramco verzögert sich einem Zeitungsbericht zufolge auf das kommende Jahr. Eine Platzierung von Aktien des weltgrößten Ölkonzerns in diesem Jahr an einer Börse außerhalb Saudi-Arabiens sei nicht wahrscheinlich, berichtete die „Financial Times“ (Montag) unter Berufung auf britische Beamte. Damit gerate der gesamte Zeitplan ins Wanken.

Saudi-Arabien will nach bisherigen Plänen in diesem Jahr rund fünf Prozent des Unternehmens an die Börse bringen. Der Börsengang soll Berichten zufolge ein Volumen von rund 100 Milliarden Dollar (81 Milliarden Euro) haben. Er wäre damit der größte der Welt. Zum Vergleich: Der bislang größte Börsengang gelang dem chinesischen Handels- und Kommunikationskonzern Alibaba im Jahr 2014 – mit 25 Milliarden Dollar.

Gleich vier Nummern größer soll Saudi-Aramcos Fünf-Prozent-Anteil sein. Mit dem Geld will Mohammed bin Salman, der Kronprinz des Königreichs, seine Vision 2030 maßgeblich finanzieren und den Umbau der vom Öl abhängigen Wirtschaft vorantreiben. Bereits in der vergangenen Woche deutete Khalid Al-Falih, der Energieminister Saudi-Arabiens an, dass sich der Börsengang verschiebt. „Zwischen dem 31. Dezember und dem 1. Januar bleibt kein Wert für das Königreich auf der Strecke“, sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN.

Der Börsengang ist schon länger geplant, doch zuletzt häuften sich die Probleme. Espen Erlingsen, Partner der Energieanalysefirma Rystad Energy überrascht es nicht, dass der IPO, wie Börsengänge im Fachjargon genannt werden, verschoben wird. „Saudi Aramco müht sich damit, die nötigen Prozesse vor einem Börsengang abzuarbeiten“, sagt Erlingsen.


So haben die Berater und Banken Probleme, die Preisvorstellung des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zu realisieren. Dieser wolle, dass das Unternehmen eine Bewertung von zwei Billionen Dollar erreicht. Dieses Ziel zu erreichen erweist sich als kompliziert, auch weil noch immer nicht klar ist, welche Teile von Saudi Aramco an die Börse kommen.

Das Unternehmen ist tief in der saudischen Wirtschaft verzweigt, übernimmt teils gesellschaftliche Funktionen wie den Bau von Krankenhäusern oder Universitäten. Sollte nur die Ölproduktion, das sogenannte „Upstream“-Geschäft, an die Börse gebracht werden, dürften bin Salmans Preisvorstellungen eine Illusion bleiben: „Wir schätzen den Wert des Upstream-Portfolios auf 1,2 bis 1,3 Billionen Dollar“, sagt Erlingsen von Rystad. Nur wenn man den Raffineriebetrieb und den Produktvertrieb hinzurechne, „nähere man sich“ zwei Billionen US-Dollar.

Zudem gilt die Struktur des Konzerns als intransparent. Bislang liegen auch keine belastbaren Finanzkennzahlen vor. Aramco erarbeitet nach eigenem Bekunden im Moment zwar eine Bilanz nach internationalem Standard, doch auch diese lässt auf sich warten.


Internationaler Börsenplatz gesucht


Weiter unklar bleibt, an welchen Börsen der Konzern platziert werden soll. Klar ist nur, dass Aramco im saudischen Leitindex Tadawul notiert sein soll, als „Ankerhandelsplatz“, wie es Energieminister Al-Falih vergangene Woche im CNN-Interview erklärte. Als Energieminister ist er zugleich Chairman von Aramco. Laut Al-Falih seien zumindest für diese Index-Notierung alle nötigen Schritte getan, um einen IPO in diesem Jahr hinzulegen.

Dass Aramco allein an der Tadawul notiert sein wird, gilt in der Finanzwelt als nahezu ausgeschlossen. Selbst wenn Saudi Aramco auf einen Marktwert von „nur“ 1,5 Billionen Dollar kommen würde, dann wäre der Konzern allein doppelt so teuer wie die übrigen mehr als 170 Unternehmen im gesamten Tadawul-Index.

Um die Platzierung der Anteile außerhalb Saudi-Arabiens buhlen mehrere ausländische Börsenbetreiber. Dem „FT“-Bericht zufolge hat London weiter gute Chancen auf diese prestige- und einkommensträchtige Platzierung. Eine Emission bei einem großen Handelsplatz wie London, Hongkong oder New York außerhalb Saudi-Arabiens gilt als wichtiger Baustein für einen erfolgreichen Börsengang in dieser Größenordnung.


Während sich im vergangenen Jahr große deutsche Fondshäuser wie Union Investment noch skeptisch gegenüber einem möglichen Investment zeigten, gibt es anderswo offenbar Interessenten. Der Russische Fonds für Direktinvestitionen, ein zehn Milliarden Dollar großer Staatsfonds, glaubt zumindest, ein Konsortium gemeinsam mit russischen Banken und Investoren zusammenstellen zu können – auch wenn dieses nur einen kleinen Teil der verfügbaren Aktien erwerben würde, erklärt Kirill Dmitriev, Chef des Fonds, Mitte Februar.

Unterdessen ist auch ein privater Anteilsverkauf nicht auszuschließen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hatten im Herbst vergangenen Jahres die Staatskonzerne Petrochina und Sinopec einen Kauf des Fünf-Prozent-Anteils angeboten. Offiziell bestätigt wurden diese Avancen jedoch nicht.