Weltbank: Afghanistans Wirtschaft in 'Meer der Unsicherheit'

KABUL (dpa-AFX) - Die afghanische Wirtschaft hat sich von der schweren Dürre 2018 erholt, leidet aber weiter unter zahlreichen Unsicherheiten. Das berichtet die Weltbank in ihrem halbjährlichen Entwicklungsbericht für das kriegszerrissene Land, der am Mittwoch in Kabul vorgestellt wurde. Die weiter fehlenden Endresultate der Präsidentschaftswahlen vom September, der unklare Ausgang der laufenden USA-Taliban-Gespräche über einen Frieden sowie die andauernde Unsicherheit durch den Konflikt mit steigenden Opferzahlen würden Wachstum und Investitionen bremsen.

Zugleich seien die Aussichten dadurch getrübt, dass wichtige internationale Geldgeber signifikante Kürzungen ihrer Hilfen in Aussicht gestellt haben. 75 Prozent der laufenden öffentlichen Ausgaben in Afghanistan werden weiter durch internationale Gelder finanziert. Viele Zusagen laufen dem Bericht zufolge Ende 2020 aus. Insgesamt sehe sich Afghanistan mit einem "Meer an Unsicherheiten" konfrontiert. Als positive Entwicklungen wurden in dem Bericht die mit 2,3 Prozent weiter niedrige Inflation 2019 sowie steigende Staatseinnahmen genannt.

Die Weltbank geht zudem davon aus, dass die Armut im Land 2019 weiter gestiegen ist. Bereits 2018 hieß es, mehr als die Hälfte der Afghanen lebten unter der Armutsgrenze. Das Wirtschaftswachstum für 2019 in Afghanistan schätzt die Weltbank auf 2,9 Prozent, für 2020 prognostiziert sie einen Anstieg auf 3,3 Prozent.

Zwischen 2003 und 2013 hatte die afghanische Wirtschaft durch massive Zuwendungen im militärischen und zivilen Bereich sowie einem starken Wachstum des Agrarsektors jährlich im Schnitt um 9 Prozent zugelegt. Wegen des Abzugs internationaler Truppen, einer sich verschlechternden Sicherheitslage und politischer Instabilität sank das Wachstum aber in den Jahren danach und lag 2018 bei 1,8 Prozent.