Von der Weltall-Seifenoper zum Milliardengeschäft


Der galaktische Kampf zwischen Gut und Böse ist und bleibt ein Kassenschlager: Der neueste Teil der „Star Wars“-Saga mit dem Titel „Die letzten Jedi“ hat am Startwochenende Mitte Dezember in Deutschland und Nordamerika zu einem Ansturm auf die Kinos geführt.

Etwas mehr als 1,6 Millionen Besucher sahen den achten Teil der Filmreihe zwischen Donnerstag und Sonntag in deutschen Kinos. Auch in Nordamerika bleibt das „Star Wars“-Universum unschlagbar: Am Eröffnungswochenende spielte das neue Abenteuer um Luke Skywalker und Generalin Leia an den Kinokassen in den USA und Kanada rund 220 Millionen Dollar (etwa 187 Millionen Euro) ein, wie der „Hollywood Reporter“ berichtete. Das sei der zweitbeste jemals gemessene Kinostart der USA - hinter dem Vorgängerfilm „Star Wars: Das Erwachen der Macht“, der 2015 an seinem Eröffnungswochenende rund 248 Millionen Dollar eingespielt hatte.


Die Marke „Star Wars“ ist auch 40 Jahre nach dem Original-Film noch immer eine massive „Cash Cow“ – Tendenz weiter steigend. Dank einer cleveren Zukunftsstrategie des Disney-Konzerns, der „Star Wars“-Erfinder George Lucas dessen Lebenswerk 2012 für vier Milliarden Dollar abkaufte.

Eine gewaltige Summe – und dennoch ein echtes Schnäppchen. Knapp die Hälfte des Kaufpreises hat Disney bereits wieder eingenommen mit zwei Filmen, 15-prozentigen Anteilen an Merchandise-Rechten sowie durch Lizenzen an Büchern und Videospielen.

In 2015 hat „The Force Awakens“ weltweit mehr als zwei Milliarden Dollar eingespielt. Mehr Geld als jeder andere Film der Sternen-Saga. Bei Disney verbleibt davon rund die Hälfte. „Die letzten Jedi“ könnten diesen Rekord nun erneut knacken. Und den Gesamtumsatz aller „Star Wars“-Filme seit 1977 auf die magische Marke von rund 10 Milliarden Dollar heben.

Disney baut ein Star-Wars-Imperium

Damit der massive Geldstrom auch in Zukunft nicht stoppt, verkündete Disney Anfang November, dass man bereits an einer weiteren Trilogie bastelt. Federführend dabei ist erneut Rian Johnson, der als Drehbuchautor und Regisseur bereits bei „Star Wars: Die letzten Jedi“ das kreative Zepter führte.

Um die Fans auch in der Zeit zwischen den jährlich erscheinenden Filmen bei „Star Wars“-Laune zu halten, baut Disney derzeit in seinen Vergnügungsparks in Los Angeles und Orlando neue gigantische Themenwelten basierend auf der Filmreihe - inklusive einem „Star Wars“-Hotel. „Galaxy’s Edge” nennt man diese rund sechs Hektar großen High-Tech-Illusionen, die in 2019 fertig gestellt sein sollen. Pünktlich zum Kinostart des dritten Teils der aktuellen Trilogie – bei Insidern einfach nur „Star Wars 9“ genannt.


Dass „Star Wars“ nach wie vor eine derartige Anziehungskraft versprüht und immer wieder neue Generationen in seinen Bann zieht, fasziniert selbst Mark Hamill. Der Schauspieler erlebt in „Die letzten Jedi“ sein persönliches „Star Wars“-Revival in der Rolle des legendären Luke Skywalker.

Hamill gehörte zur Original-Besetzung im allerersten „Star Wars“-Film, den George Lucas 1977 in die Kinos brachte. „Wir dachten damals wir würden uns blamieren. Eine Seifenoper im Weltall, in der riesige Menschenaffen Raumschiffe fliegen – das klang ja anfangs auch alles ziemlich verrückt“, erinnert sich Hamill.

Die Seifenoper wurde zum ungeahnten Kinohit – und machte den damals noch unbekannten Hamill reich und berühmt. Er drehte bis Anfang der 1980er-Jahre zwei weitere „Star Wars“-Filme – dann wurde es still um ihn. Während Harrison Ford alias Han Solo als „Blade Runner“ und „Indiana Jones“ eine Weltkarriere startete, schlug sich Hamill als Stimmengeber für Comic-Filme durch. „Man hatte mich in eine Schublade gesteckt, und ich wurde vergessen. Aber ich hatte dennoch ein gutes Leben“, sagt Hamill. Nun schlägt mehr als 30 Jahre später noch mal die große Stunde von Hamill in seiner Paraderolle als Luke Skywalker.


„Der Film ist auch eine Ode an die starken Frauen unserer Zeit“


Der heute 66-jährige Hamill zögerte allerdings zunächst, als man ihm die Rolle erneut anbot. Trotz Millionen-Gage. „Mehr als drei Jahrzehnte lang lebte ich ganz gut damit, dass Luke Skywalker eine der beliebtesten Filmfiguren aller Zeiten ist. Ich hatte Sorge, dass der Mythos zerstört werden könnte“, sagt er.

Nachdem auch die alten Mitstreiter Harrison Ford und Carrie Fisher an Bord kamen, war Hamill unter Zugzwang: „Da kam ich aus der Nummer nicht mehr raus. Sonst hätten mich die Fans bis ans Lebensende gehasst.“

Zu den anderen Hauptakteuren gehörten diesmal auch Oscar-Preisträger Benicio del Toro als mysteriöser Hacker „DJ“ und Laura Dern. Und Luke Skywalker hat die junge Widerstandskämpfern Rey in die Lehren der Jedi eingeweiht, um sie so für den Kampf gegen die dunklen Mächte zu rüsten.


Doch Rey ist nicht die einzige Powerfrau im Sternen-Universum. Autor und Regisseur Rian Johnson baute gleich mehrere starke Frauen in den Erzählstrang ein. Carrie Fisher (General Leia), Daisy Ridley (Rey), Laura Dern (Vice Admiral Amilyn Holdo), Kelly Marie Tran (Rose), Lupita Nyong’o (Maz Kanata) und Gwendoline Christie (Captain Phasma) heizen den Weltraum-Machos ordentlich ein. „Der Film ist auch eine Ode an die starken Frauen unserer Zeit“, sagt Johnson.

Eine besondere Stellung wird „Star Wars: Die letzten Jedi“ in der Geschichte der Filmreihe noch aus einem sehr emotionalen Grund einnehmen. Es ist der letzte Film von Carrie Fisher. Die Schauspielerin ist im Dezember 2016 im Alter von 60 Jahren verstorben. Zwei Monate vor ihrem Tod drehte Fisher noch ihre letzten Szenen als General Leia.

„Sie war mit Leib und Seele dabei. Es wird sehr emotional werden, wenn wir sie in ihrem letzten Film auf der Leinwand sehen. Aber sie hätte nicht gewollt, dass wir traurig sind. Sie stand immer dafür, das Leben zu genießen“, sagt Mark Hamill. Möge die Macht mir ihr sein – in welcher Galaxie sie sich auch befinden mag.