Netanjahu lobt Trumps Iran-Linie

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos diskutieren Staatslenker und CEOs über globale Herausforderungen. Donald Trump hat am Donnerstag Israels Premier Benjamin Netanjahu getroffen. Dieser lobte den US-Präsidenten.


Bis zum Freitag diskutieren etwa 3000 Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse und Wissenschaftler in dem Schweizer Wintersportort über Antworten auf politische, soziale und wirtschaftliche Probleme. Die Ereignisse des dritten Tags können Sie hier im Newsblog nachlesen.

  • Israels Ministerpräsident Netanjahu hat Trumps Iran-Linie gelobt
  • Der US-Präsident lobt Großbritannien
  • Premierministerin May: „Das Vereinigte Königreich ist der Anwalt des freien Welthandels“
  • US-Finanzminister Mnuchin äußert sich erneut zum Dollar – doch der Markt bestimme den Kurs

+++ Trump wird am Freitag eine Stunde sprechen +++
Eine einstündige Rede wird US-Präsident Donald Trump am Freitag zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums in Davos halten. Trump hatte im Vorfeld bereits einen Teil der Agenda vorgegeben, in dem er etwa Strafzölle, vor allem mit Zielrichtung China verhängte.

Mit Spannung wird erwartet, mit welcher Vehemenz Trump im globalisierungsfreundlichen Davos seine wirtschaftsnationalistische „America-First“-Politik verteidigt. Einige Experten erwarten eine kämpferische Rede, andere eine eher moderate. Trump hatte unterschiedliche Signale ausgesendet.

Das Weiße Haus hatte zuvor angekündigt, Trump wolle in Davos vor allem um Investoren werben und den Wirtschaftsstandort USA anpreisen. Mit Spannung wird auch erwartet, ob der Präsident zum internationalen Streit um Stahl-Überkapazitäten am Weltmarkt Stellung nimmt. Handelsminister Ross hatte ihm vor kurzem seinen Abschlussbericht zu der Frage vorgelegt.

+++ Netanyahu lobt Trumps harte Iran-Linie+++
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat US-Präsident Donald Trump die volle Unterstützung seines Landes bei der strikten Anti-Iran-Politik Washingtons zugesagt. Beim Treffen in Davos sagte Netanjahu zu Trump: „Wir unterstützen Sie komplett in Ihrer unerschütterlichen Position zum Atomdeal mit dem Iran.“ Wenn die USA sich dazu entscheiden sollten, das Abkommen zu verlassen, werde Israel volle Unterstützung leisten. Trump habe eine starke Anti-Iran-Allianz in der Region geschmiedet. „Ich habe die ganzheitliche Allianz zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Ihren anderen Verbündeten in der Region noch sie stark und einheitlich gesehen, wie sie unter Ihrer Führung ist“, sagte Netanjahu an Trump gewandt.


+++ May: Trump besucht Großbritannien 2018 +++
US-Präsident Donald Trump wird nach Angaben der britischen Regierung in diesem Jahr das Vereinigte Königreich besuchen. Das teilte ihr Büro teilte mit, nachdem sich die beiden in Davos getroffen hatten. Beide Politiker hätten ihre Mitarbeiter gebeten, die Einzelheiten von Trumps Besuch in Großbritannien auszuarbeiten.
May lud Trump schon vor einem Jahr zu einem Staatsbesuch in Großbritannien ein, bei dem er auch Königin Elizabeth II. treffen soll. Kritiker kündigten umgehend Proteste an, sollte es wirklich dazu kommen. Ein Datum für den Besuch steht noch nicht fest. Trump sagte erst kürzlich eine geplante Reise nach London zur Einweihung der neuen US-Botschaft dort ab. Zur Begründung nannte er den Ort und die Kosten für den Bau.


+++ Trump verstärkt Druck auf Palästinenser +++
US-Präsident Donald Trump verstärkt massiv den Druck auf die Palästinenser, um sie zur Rückkehr zu Verhandlungen mit Israel zu bewegen. Sollten die Palästinenser die USA weiter „missachten“ und sich Friedensverhandlungen widersetzen, werde die enorme US-Finanzhilfe an sie eingestellt, drohte Trump am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Er sei überzeugt davon, dass Israel Frieden wolle. „Und sie (die Palästinenser) müssen auch Frieden wollen, sonst haben wir nichts mehr mit ihnen zu tun“, sagte Trump mit Blick auf die Weigerung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, an US-vermittelten Friedensgesprächen teilzunehmen.

Die Palästinenser reagierten scharf auf Trumps Vorwürfe. Die USA seien solange kein Partner für Friedensverhandlungen, bis sie ihre Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt zurücknähmen, sagte ein Abbas-Sprecher.

+++ Lagarde in Davos optimistisch für Griechenland +++
Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat sich nach einem Gespräch mit Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras optimistisch zur Zukunft des wirtschaftlich angeschlagenen Euro-Landes geäußert. Nach dem Treffen beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte Lagarde, jetzt müsse die griechische Reformagenda zügig umgesetzt werden. Die europäischen Geldgeber Griechenlands müssten zu Erleichterungen bereit sein – nur so könne nachhaltiges Wachstum erzielt werden. Ziel sei es weiter, dass sich Griechenland noch in diesem Jahr wieder alleine an den Märkten finanzieren könne.

+++ Trump sieht Chance für Frieden im Nahen Osten +++
US-Präsident Donald Trump bekräftigt seine Absicht, einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern erreichen zu wollen. „Wir haben einen großartigen Plan, der fantastisch für die Palästinenser und für Israel ist“, sagt Trump in Davos. Mit der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt habe er eine neue Grundlage geschaffen. „Es wird etwas passieren“, sagte Trump. Der US-Präsident versicherte Israels Ministerpräsidentem Benjamin Netanjahu, die Pläne zu einer Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem seien weit vor dem Zeitplan.


+++ Trump sieht gutes Verhältnis zu Großbritannien +++
Trotz jüngster Spannungen sieht US-Präsident Donald Trump das Verhältnis seines Landes zu Großbritannien als vollkommen intakt an. „Wir sind in so gut wie jeder Beziehung auf einer Wellenlänge“, sagte Trump am Donnerstag in Davos vor einer Begegnung mit der britischen Premierministerin Theresa May. Man möge einander sehr, sagte Trump. „Wir lieben Ihr Land“, sagte er an May gewandt. Wenn es um militärische Fragen gehe, passe kein Blatt zwischen May und ihn. May bestätigte die besondere Beziehung Großbritanniens zu den USA.


Trump war am Vormittag in Davos eingetroffen. Das Gespräch mit May war sein erstes offizielles bilaterales Treffen. Die „special relationship“, die besondere Beziehung beider Länder, war zuletzt mehrfach erschüttert worden. Angeblich aus Ärger über den neuen Standort der US-Botschaft in London hatte Trump eine Reise dorthin abgesagt. Dort sollte er die diplomatische Vertretung im Februar offiziell eröffnen. Seine Absage führte zu einem Eklat unter britischen Politikern. Downing Street bemühte sich um Schadensbegrenzung. Zuvor hatte es Streit um islamfeindliche Videos einer rechtsradikalen britischen Gruppe gegeben, die Trump per Twitter weiterverbreitet hatte. May hatte sich davon offen distanziert. Trump sagte nun in Davos, es ein „falsches Gerücht“, dass es Spannungen im bilateralen Verhältnis gebe. Es könne nichts geschehen, bei dem die USA nicht an Großbritanniens Seite seien. May sagte, ein Staatsbesuch in Großbritannien sei in der Diskussion.


+++ Freier Handel und technologischer Wandel als Chance +++
Man dürfe aber nicht nur das Negative sehen, so die britische Premierministerin. Die Kräfte des freien Handels und des technologischen Wandels könnten das Leben unserer Kinder und Enkel deutlich verbessern, sagt May. Das Vereinigte Königreich habe eine lange Geschichte des Ergreifens neuer Chancen. Das sollte auch jetzt im Interesse künftiger Generationen die Maxime sein.

+++ Offenheit des Internets +++
Für bedeutend hält May den Schutz von persönlichen Daten im Internet. Sieben von zehn Briten misstrauten den sozialen Netzwerken laut Umfragen, das müsse sich ändern. Dennoch solle das Vereinigte Königreich ein weltweiter Anführer bei innovationsfreundlicher Gesetzgebung sein, die Technologiekonzerne anziehe. Letztere beschäftigten die brillantesten Köpfe unserer Zeit – diese sollten sich auch dem Kampf gegen Terrorismus, Kinderpornographie und Kriminalität im Internet verschreiben. Neben den Unternehmen seien auch die Investoren in der Pflicht, betont May. Shareholder sollten die sozialen Folgen des Unternehmertums, in das sie investieren, beachten. „Investoren können einen deutlichen Unterschied machen, um Vertrauens- und Verantwortungsthemen nach vorne zu stellen“, erklärt May. „Und ich fördere sie dazu auf, das zu tun.“

+++ Bedeutung der technischen Umbrüche +++
May referiert über die künftigen Umbrüche, die der technologische Wandel mit sich bringt. Diese werden demnach tiefgreifend sein und viele Gesellschaftsbereiche transformieren. Zuletzt seien in Australien zwei Jungen, die fast im Meer ertrunken wären, mithilfe einer Flugdrohne gerettet worden. Das ist laut May ein gutes Beispiel für die Chancen neuer Technologie.


Technologie verändert heute schon die Arbeitswelt. Die Frage sei, wie dennoch die bisherigen Standards und Schutzvorschriften für Arbeitnehmer gewahrt bleiben können. Ein Beispiel sei der Fahrdienstleister Uber, der die Art des öffentlichen Transports verändert habe, was aber gleichzeitig die Situation der Arbeitnehmer verschlechtert habe. Die Lösung sei nicht, Uber und Co. zu verbieten, sondern eher, die vorhandenen Regeln auf die Praktiken der Technologiekonzerne zu übertragen.

+++ Großbritannien wird sich für freien Welthandel einsetzen +++
Großbritanniens Premierministerin Theresa May spricht sich für einen offenen Welthandel aus. „Jedes Land muss die Regeln für einen freien und fairen Handel sowie Investitionen unterstützen und mitgestalten“, sagt sie. „Wir dürfen nicht in verschiedene Richtungen gehen.“ Großbritannien werde sich dem auch nach einem Austritt aus der EU verpflichtet fühlen. May betont die Bedeutung des freien Welthandels für die globale Wirtschaft. Nun, da Großbritannien die Europäische Union verlasse, werde es neue Handelsabkommen mit zahlreichen Ländern abschließen. „Das Vereinigte Königreich ist der Anwalt des freien Welthandels“, sagt May. Jedoch müssten dessen Regeln global stärker durchgesetzt werden, auch im Handel mit Entwicklungsländern.

+++ Theresa May spricht +++


Mit Spannung wartet Davos auf die Rede der britischen Premierministerin Theresa May. Insbesondere werden von ihr Erläuterungen zu den laufenden Brexitverhandlungen mit der Europäischen Union erwartet. Den Livestream finden Sie hier.

+++ Italienischer Wirtschaftsminister warnt erneut vor Handelskrieg +++
Der italienische Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan äußert die Befürchtung, dass ein Handelskrieg drohen könnte. Es wäre insbesondere ein Grund zur Sorge, sollten die USA den Dollar zu sehr herunterreden. Er habe deswegen allerdings keine allzu großen Bedenken, sagt Padoan.

+++ Französischer Finanzminister lehnt Dollar-Schwächung ab +++
Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire äußert sich unterdessen kritisch zur jüngsten Dollar-Schwäche. Währungen sollten die Wirtschaftskraft eines Landes widerspiegeln, sagte er. Dies sei die Position der G7 und er hoffe, das gelte weiterhin.


+++ Amerikaner flüchten vor Trump +++
Während europäische Topmanager gespannt auf die Rede des mittlerweile in Davos angekommenen US-Präsidenten Donald Trump am Freitagnachmittag warten, versuchen viele amerikanische Führungskräfte schon davor aus den Schweizer Bergen zu fliehen. Einige erinnern sich noch an das Chaos vor 18 Jahren, als mit Bill Clinton das letzte Mal ein US-Präsident auf dem Gipfel auftauchte. Besonders am Freitag wird damit gerechnet, dass es wegen der enorm erhöhten Sicherheitsvorkehrungen sehr schwierig wird abzureisen. Viele US-Manager wollen sich daher schon am Donnerstagnachmittag oder -abend wieder auf den Rückweg machen.

Einige Top-CEOs müssen vorher allerdings noch zu einem exklusiven Empfang von Trump im „goldenen Ei“. So wird das Davoser Hotel Intercontinental, in dem der Präsident residiert, genannt. Manche hoffen, dass sie es dennoch schaffen, mit dem spätesten Helikopterflug um 19 Uhr aus Davos herauszujetten. Der Trump-Empfang startet angeblich um 18 Uhr, eingeladen sind unter anderem Blackrock-Chef Larry Fink und UBS-Boss Sergio Ermotti, der auch Präsident der Swiss-American Chamber of Commerce ist.


+++ Britische Regierungschefin will Bitcoin „sehr ernsthaft“ beobachten +++
Die britische Premierministerin Theresa May sieht in der Kryptowährung Bitcoin ein beachtenswertes Problem. Großbritannien und andere Länder sollten die Risiken „sehr ernsthaft“ beobachten, sagte May am Rande des Weltwirtschaftsforums. Kryptowährungen könnten von Kriminellen genutzt werden. Gerade angesichts von Terrorismus und Kinderpornographie müssten sich Technologiefirmen auf ihre soziale Verantwortung besinnen.

Auch die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, kritisiert in Davos die Krypto-Branche. So verbrauche die Produktion von Bitcoin und Co. viel zu viel Energie, inzwischen so viel wie ein durchschnittliches G-20-Mitgliedsland. 2018 könne der Stromverbrauch dem Argentiniens gleichen. 2017 hatte er sich einer Bloomberg-Schätzung zufolge verdreifacht auf mehr als 37 Gigawattstunden pro Tag. „In Zeiten des Klimawandels, wenn wir darauf schauen, wie viel Kohle in manchen chinesischen Provinzen verbraucht wird, um das Bitcoin-Mining anzutreiben, müssen wir uns Sorgen machen“, so Lagarde.

+++ Notenbankchef spricht von Milliardenschaden durch Brexit +++
Der britische Notenbankchef Mark Carney hat die Kosten des Brexit-Votums für die Wirtschaft auf rund zehn Milliarden Pfund pro Jahr beziffert. Die Zeitung „Times“ berichtet, der Währungshüter habe sich am Rande des Weltwirtschaftsforums entsprechend geäußert. Ein Sprecher der Notenbank wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Dieser basiert auf Äußerungen von Teilnehmern, die in Davos an einem Treffen mit Carney hinter verschlossenen Türen teilnahmen. Brexit-Befürworter haben den Kanadier an der Spitze der britischen Notenbank mehrfach vorgeworfen, er versteife sich zu sehr auf negative konjunkturelle Auswirkungen des EU-Austritts. Die Wirtschaft auf der Insel ist nach dem Anti-EU-Votum vom Sommer 2016 zwar besser als erwartet gelaufen. Dennoch hinkte das Wachstum in den ersten drei Quartalen des vorigen Jahres der Entwicklung in anderen großen Industriestaaten hinterher.


Diskutiert wurden in Davos auch Äußerungen des JPMorgan-Chefs Jamie Dimon, die US-Bank könnte wegen des Brexit mehr als 4.000 Jobs aus Großbritannien abziehen. Dies wäre bei einem „harten“ Brexit der Fall, bei dem das Vereinigte Königreich den Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert, sagte Dimon am Rand des Weltwirtschaftsforums der BBC. Das wäre der größte Wegzug von Mitarbeitern eines einzelnen Unternehmens im Zusammenhang mit dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Einer Umfrage von Thomson Reuters zufolge könnten bei einem harten Brexit rund 10.000 Arbeitsplätze der britischen Finanzindustrie in andere Staaten verlagert werden.



Debatte um Dollar-Stärke dauert an


+++ Hammond zeigt sich „sehr glücklich“ über Pfund-Stärke +++

Das Pfund Sterling hat am Donnerstag sein hohes Kursniveau von über 1,42 Dollar behauptet. Die britische Währung notiert damit auf dem höchsten Niveau seit der Brexit-Abstimmung im Juni 2016. Der britische Schatzkanzler Philip Hammond äußerte sich am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos zufrieden mit der Kursentwicklung. „In den letzten paar Tagen hat das Pfund recht schnell aufgewertet, aber es ist zum Euro relativ stabil. Daher sind wir mit dem Kurs im Moment sehr glücklich.“ Wie der Euro profitiert auch das Pfund seit Tagen von der Dollar-Schwäche.

+++ „Der Markt entscheidet sich jeden Tag aufs Neue für den Dollar“ +++

Keyu Jin, Professorin der London School of Economics, verweist darauf, dass erstmals ein Land mit mittleren Einkommen die Weltbühne betreten werde: China. Da die Finanzindustrie schwach entwickelt sei und viele Anleger spekulativ agierten, werde sich mit dem Eintritt Chinas in den internationalen Finanzmarkt die Volatilität erhöhen. Die Welt sei dafür nicht bereit, das sei die größte Herausforderung der Zukunft. Da der Anteil des US-Bruttoinlandsprodukts am Welteinkommen zurückgehen werde, werde es zu einer Abnahme der Dollar-Dominanz kommen. Noch fehle es an Alternativen zum Dollar, doch diese würden sich entwickeln.

Mnuchin widerspricht: Es gebe eine Reihe an Alternativen, aber der Markt votiere jeden Tag aufs Neue für den Dollar als Leitwährung. Der Grund seien die fundamentalen Stärken der USA, die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten eine offene Gesellschaft seien und die Menschen ein großes Vertrauen in die US-Wirtschaft hätten. Das gelte auch in Zukunft. Bei „America First“, Amerika zuerst, dem Regierungsprogramm Donald Trumps, gehe es nicht darum, dass es anderen Ländern schlechter gehe. Ein starkes Amerika sei gut für die Welt und übernehme Verantwortung: „Amerika ist offen für die Welt und offen für Business.“



+++ US-Präsident Trump im „Intercontinental“ untergebracht +++
Der US-Präsident ist in einen gepanzerten Geländewagen umgestiegen, nachdem er den Helikopter „Marine One“ verließ. Der Wagen wird ihn wohl zum Hotel „Intercontinental“ bringen.

+++ „Schattenbanken in den Blick nehmen“ +++
IWF-Chefin Christine Lagarde betont in Davos, das aktuelle Banken- und Finanzsystem sei in einem sehr viel positiveren Zustand als im Jahr 2006, vor der letzten Finanzkrise. Dennoch sei Vorsicht angebracht, insbesondere beim Blick auf die Entwicklungen außerhalb des Bankensektors. Insbesondere die Schattenbanken müssten unter die Lupe genommen werden.

Ins gleiche Horn stößt Larry Fink, Chef des US-Vermögensverwalters Blackrock. Problematisch sei aktuell der große Bargeldüberschuss in Frankreich, Deutschland, China und anderen Ländern. Daher müsse es darum gehen, die Finanzbildung bei den Menschen zu erhöhen. Hohe Sparsummen (im Schnitt über 70 Prozent) lägen auf Bankkonten, wodurch die Sparer die größte Rally der letzten Jahrzehnte verpassten. Das schaffe eine große Disparität bei den Vermögen, selbst wenn die Löhne stiegen. Besonders in Gefahr seien mittelalte Sparer, beim Eintritt in den Ruhestand in Altersarmut zu geraten.


+++ Achleitner: Deutsche Bank hat Vorteil bei Brexit +++
Die Verhandlungen zum Brexit halten an, betont der britische Finanzminister Philip Hammond. Ziel sei weiterhin ein guter Deal – also ein Deal, der den freien Handel von Waren und Dienstleistungen sowie einen freien Zugriff Kontinentaleuropas auf den Finanzplatz London beinhalte. Das Abkommen müsse für beide Seiten fair sein, sonst wäre es für Großbritannien nicht annehmbar. Hammond warnt davor, London als Finanzzentrum abzuschreiben: Es könne nicht einfach in Frankfurt, Paris, Amsterdam oder einer anderen Stadt neu aufgebaut werden. „Das ist eine Fantasie, das wird nicht passieren.“ Wenn man keine gute Einigung erziele, werde sich das Finanzgeschäft stattdessen aus Europa in die USA oder nach Asien verlagern. „Das ist das Risiko für Europa. Wenn es nicht London ist, dann ist es New York oder Singapur“, sagte Hammond beim Panel zum globalen Finanzsystem.

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achtleitner, betonte den Unterschied zwischen einem „Brexident“ und einem „Brexodus“. Ersteres ereigne sich, wenn die Verhandlungen fehlerhaft endeten, letzteres, wenn man den Abschied des Vereinigten Königsreiches aus der EU langfristig durchdenke und auch die Probleme angehe. Die Deutsche Bank habe gegenüber anderen Banken einen Vorteil beim Umgang mit dem Brexit. Grund dafür sei das bereits gestartete Umbauprogramm.


+++ Sorge um Leitzins-Erhöhung +++
Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, bekundet beim Panel mit dem Titel „Remaking of Global Finance“ Freude darüber, sich als Vertreter einer europäischen Bank an der Diskussion beteiligen zu dürfen. Das sei nämlich ein Zeichen, dass europäische Banken an der Konstruktion der künftigen Finanzinfrastruktur beteiligt seien. Achleitner zufolge gibt es Überbewertungen am Bondmarkt. Dennoch sei der deutsche Ruf nach höheren Leitzinsen, etwa an die Adresse der Europäischen Zentralbank (EZB), nicht unproblematisch. Der Einstieg in steigende Leitzinsen müsse durch die Notenbanken vorsichtig orchestriert werden.

+++ Mnuchin lobt Trumps Steuerreform +++
Mnuchin lobt das Trump-Programm: Einfache Arbeitnehmer profitierten mit rund 4000 Dollar pro Jahr von der Steuerreform des US-Präsidenten. Sie sei mit einem historischen Umbau des US-Steuersystems verbunden – von einem internationalen zu einem Territorialsystem. Ziel sei es, Jobs und Unternehmen zurück in die USA zu holen. Ziel sei nicht ein „race to the bottom“ bei internationalen Steuersätzen, wie vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Vortag kritisiert, sondern lediglich eine Absenkung der Steuersätze auf ein kompetitives Niveau. Höhere Löhne entsprächen einer „guten Inflation“.


+++ Trump in Davos eingetroffen +++
US-Präsident Donald Trump ist am Donnerstag im Schweizer Winterkurort Davos eingetroffen. „Amerika zuerst heißt nicht Amerika allein“, sagte Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn, der den Präsidenten nach Davos begleitet. Wenn die amerikanische Wirtschaft wachse, wachse auch die Weltwirtschaft, und umgekehrt. „Wir sind ein Teil dessen, wir sind Teil der Weltwirtschaft. Und das ist auch die Haltung des Präsidenten“, sagte Cohn. Trump, der am Donnerstagabend ein Essen für europäische Manager ausrichtet, werde in Davos zu Investitionen in den USA aufrufen und mit den jüngst verabschiedeten Steuererleichterungen für Unternehmen und seiner Deregulierungspolitik werben.

+++ Mnuchin will nach Peking fliegen +++
US-Finanzminister Steven Mnuchin hat in Davos mitgeteilt, er wolle nach China fliegen, um Sanktionen für Nordkorea und das Handelsdefizit zwischen den USA und China zu besprechen. Am Mittwoch hatte Mnuchin den Top-Wirtschaftsberater des chinesischen Präsidenten, Liu He, in Davos getroffen. Kurz vor der Ankunft von Präsident Donald Trump in Davos versucht Mnuchin nun, den Ton im Handelsstreit zu entschärfen. „Wir wollen nicht in Handelskriege geraten“, sagte er vor Journalisten. „Andererseits sind wir gewillt, Amerikas Interessen zu verteidigen.“

Trumps Regierung hatte zuvor die Einfuhrzölle auf Waschmaschinen und Solarpaneele erhöht. Mnuchin sagte nun: „Wir sind das am wenigsten protektionistische Land.“ Beide Seiten seien daran interessiert, den gewaltigen chinesischen Überschuss in der Handelsbilanz zu reduzieren, sagte Mnuchin. „Wir haben einige sehr konkrete Ideen besprochen, die wir beide dazu haben“, sagte er in Bezug auf das Treffen mit Liu He, ohne Details zu nennen.


+++ Lagarde: Absage an US-Strafzölle gegen China +++
Christine Lagarde, die Chefin des internationalen Währungsfonds, betont, die weltweite Wirtschaft sei in einer guten Position. Das liege auch an der Zunahme des weltweiten Handels. US-Strafzöllen, etwa gegen China, erteilte sie eine Absage. „Die Regeln des Spiels müssen klar sein, fair, und sie müssen durchgesetzt werden“, sagt Lagarde. Hier liege sie voll auf einer Linie mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

+++ Mnuchin: Dollar-Wechselkurs soll von freien Marktkräften beeinflusst werden +++
Er habe seine Haltung zum Dollar nicht verändert, betont US-Finanzminister Steven Mnuchin während einer Diskussion mit IWF-Chefin Christine Lagarde in Davos. Wo der Dollar kurzfristig liege, beschäftige ihn nicht weiter. Langfristig sei der Dollar eine starke Währung, aber im Unterschied zu anderen US-Finanzministern wolle er ihn nicht durch entsprechende Äußerungen stärken. Kurzfristig profitierten die USA offensichtlich von einem schwächeren Dollar in Bezug auf den Handel, wiederholte Mnuchin seine Aussagen vom Mittwoch. Jedoch sei die Beeinflussung des aktuellen Dollar-Kurses kein Thema im US-Finanzministerium. Der Dollar-Wechselkurs solle vielmehr von den freien Marktkräften bestimmt werden, sagt Mnuchin.



Trump im Anflug auf Davos


+++ Präsidentenhubschrauber fliegt nach Davos +++

Bereits wenige Minuten nach der Landung am Flughafen Zürich ist Donald Trump in den Präsidentenhubschrauber „Marine One“ umgestiegen. Für den Abflug der amerikanischen Helikopterflotte wurde der Airport in Kloten erneut gesperrt. Zwischen Ankunft und Weiterflug verging gerademal eine halbe Stunde. Der US-Präsident wird in Kürze in Davos erwartet.

+++ US-Präsident Trump in Zürich gelandet +++
US-Präsident Donald Trump ist in Zürich angekommen. Die Air Force One landete am Donnerstag um 10.20 Uhr, wie Kameras live vom Flughafen zeigten. Trump sollte mit dem Hubschrauber weiter in das 100 Kilometer Luftlinie entfernte Davos geflogen werden. Dort wollte Trump sich beim Weltwirtschaftsforum mit Unternehmern und Politikern treffen und am Freitag eine Rede halten. Unter anderem waren Vier-Augen-Gespräche mit der britischen Regierungschefin Theresa May und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu geplant. Für den Besuch waren höchste Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. „Es wird für Medienschaffende aufgrund der Vorgaben der US-Delegation am 25. Januar 2018 nicht möglich sein, der Ankunft des US-Präsidenten am Flughafen Zürich vor Ort beizuwohnen“, hatte die Polizei vorab mitgeteilt.

Hunderte Zuschauer verfolgten die Landung der Präsidentenmaschine, müssen jetzt aber erst einmal warten – denn der Jumbo ist in einen Hangar gerollt, wo Trump in einen von mehreren Helikoptern umsteigt. Unterdessen geht der Flughafen wieder zur Tagesordnung über: Nur wenige Minuten nach der Landung wurde der Airport wieder für den normalen Luftverkehr freigegeben.


+++ Ukraines Präsident wirbt mit null Prozent Steuern um Investoren +++
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat auf dem Weltwirtschaftsforum mit Nachdruck um ausländisches Kapital geworben. Dazu kündigte Poroschenko in Davos Steuerreformen an. Die Einkommenssteuer solle ersetzt werden. „Das heißt, wer in unser Land investiert, wird mit null Prozent besteuert.“ Erst bei Kapitalabzug würden Steuern fällig, sagte der Staatschef am Donnerstag auf einer Veranstaltung der Viktor Pintschuk Stiftung in Davos. Er habe am Rande des Weltwirtschaftsforums zahlreiche Gespräche mit Top-Investoren aus aller Welt geführt. Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in die Ukraine war 2017 leicht auf etwas mehr als zwei Milliarden US-Dollar gesunken. Die Reformen der vergangenen Jahre – etwa bei Rente, Gesundheitswesen, Bildung oder Justiz - seien zwar schmerzhaft, aber absolut notwendig gewesen. „Niemand hat erwartet, dass wir so erfolgreich und effektiv sein werden“, sagte Poroschenko.

+++ Zürich plant Trumps Landung +++
In der Schweiz ist alles für die Ankunft des US-Präsidenten Donald Trump vorbereitet: Die „Air Force One“ hat den Ärmelkanal überquert und wird um kurz nach zehn Uhr in Zürich erwartet. Dort haben Fernsehkameras bereits die „Black Hawk“-Helikopter für den US-Präsidenten gesichtet, die ihn nach Davos bringen sollen. Die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen wurden verstärkt, die Besucherplattform geschlossen. Gegen 12 Uhr soll Trump in Davos eintreffen.


+++ Mnuchin: Kurzfristige Dollar-Bewegungen kein Grund zur Sorge +++
Kurzfristige Kursveränderungen des Dollars sind nach Worten von US-Finanzminister Steven Mnuchin kein Grund zur Sorge. Der Dollar ist derzeit unter Druck und fiel zum Euro auf den tiefsten Stand seit Dezember 2014. „Offensichtlich ist ein schwächerer Dollar gut für uns in Bezug auf Handel und Chancen“, hatte Mnuchin am Mittwoch in Davos erklärt. „Aber ich denke, längerfristig ist die Stärke des Dollar ein Spiegelbild der Stärke der US-Wirtschaft und der Tatsache, dass er die Haupt-Reservewährung ist und weiterhin bleiben wird.“

+++ Donald Trump mit Spannung erwartet +++
Mit Spannung wird am Donnerstag die Ankunft von Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erwartet. Der US-Präsident soll gegen Mittag eintreffen, danach stehen bilaterale Treffen mit der britischen Regierungschefin Theresa May und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in seinem Terminkalender. In beiden Gesprächen soll es um internationale Krisen, etwa in Nordkorea und im Iran, sowie um den Kampf gegen den internationalen Terrorismus gehen. Ein öffentlicher Auftritt Trumps war zunächst nicht geplant. Am Freitag soll der US-Präsident dann die Schlussrede halten. Ansprachen sind für Donnerstag von der britischen Premierministerin Theresa May (14.00 Uhr) und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu (16.00 Uhr) angekündigt. Auch andere Spitzenpolitiker wollen in Davos das Wort ergreifen, so soll etwa der argentinische Präsident und derzeitige G20-Vorsitzende Mauricio Macri eine Rede halten (11.30 Uhr) .


+++ Zukunftsthemen auf der Agenda +++
Am Donnerstag erwartet die rund 3.000 Teilnehmer des Gipfels ein Potpourri an Zukunftsthemen: Vom Brexit über den Klimawandel bis hin zum Datenschutz und dem Bitcoin-Hype. Ein politisches Highlight wird am frühen Nachmittag der Auftritt der britischen Premierministerin Theresa May. Sie wird ihre Zuhörer davon zu überzeugen suchen, dass sie Großbritannien trotz der aufreibenden Verhandlungen und Debatten über den Ausstieg aus der Europäischen Union nicht abschreiben sollten.


Daneben wird der Klimawandel Thema: Am Donnerstag diskutieren unter anderem der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore und der Chef des Versicherungskonzerns Axa, Thomas Buberl, wie dieser noch verhindert werden kann. Auch werden sich die versammelten Entscheider mit dem rasanten technologischen Fortschritt beschäftigen: Welche gesellschaftlichen Folgen wird die digitale Revolution in den nächsten zwei Dekaden haben?

Auch an der Finanzbranche gehen die globalen Umbrüche nicht vorbei – ganz im Gegenteil. Daher wird auf dem Podium diskutiert, wie die globale Finanzarchitektur der Zukunft aussehen könnte: Wird der Dollar seine dominante Stellung verlieren? Wie radikal wird die Digitalisierung die Finanzbranche verändern? Und was bedeutet der Boom der Kryptowährungen?

+++ Ruhe an der Demo-Front +++
Am Mittwochabend ist es unter den Gegnern des Weltwirtschaftsforums (WEF) ruhig geblieben. So war keine Demo mehr geplant. Am Dienstag hatten noch etwas mehr als 1000 Menschen in Zürich gegen das WEF und vor allem die Teilnahme von US-Präsident Donald Trump protestiert. Eine Demonstration in Davos war von der Graubündner Gemeinde abgelehnt worden mit dem Verweis auf den starken Schneefall der vergangenen Tage. Am Donnerstag könnte es jedoch angesichts der Anreise von US-Präsident Trump erneut zu Protesten kommen.