Air-Berlin-Piloten drohen bei Eurowings Gehaltseinbußen von mehr als 40 Prozent

Letzter Air-Berlin-Flug am Freitag

Piloten der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin drohen bei einem Wechsel zur Lufthansa-Tochter Eurowings Gehaltseinbußen von mehr als 40 Prozent. Diese Zahl bestätigte am Freitag Markus Wahl von der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, der zugleich kritisierte, dass sich die Piloten zuvor erst auf ihren eigenen Job bewerben müssten. Zuvor hatte die Zeitung "Die Welt" über die niedrigeren Gehälter bei Eurowings berichtet.

Aus einer internen Studie von Vereinigung Cockpit ergebe sich, dass Eurowings unter den deutschen Ferienfliegern die niedrigsten Piloten-Gehälter zahle, berichtete die Zeitung. Die Gewerkschaft nahm demnach im September einen Gehaltsvergleich vor, in dem die Verdienste der Besatzungen von Air Berlin, Eurowings, Condor und Easyjet miteinander verglichen werden.

Während die Personalkosten bei großen Airlines wie Lufthansa, British Airways und KLM/Air France der Studie zufolge bei über 25 Prozent der Gesamtkosten liegen, betragen sie bei Air Berlin nach den Recherchen von Cockpit knappe 13 Prozent. Die "Welt" berief sich in ihrem Bericht außerdem auf den Entwurf eines Eurowings-Tarifvertrags von Anfang dieser Woche.

Die Gehälter von Air Berlin seien "absolut wettbewerbsfähig", zitierte die Zeitung aus der Studie der Gewerkschaft. Ein Absenken des Gehaltsniveaus, um das Überleben am Markt zu sichern, erscheine "vollkommen unnötig" und sei ein "nicht von Tatsachen gestütztes Unterfangen". Easyjet zahle zum Beispiel gut, bei der Lufthansa-Tochter Eurowings arbeite das Personal hingegen "wohl deutlich unter seinem Wert".

Die Lufthansa hatte sich in der vergangenen Woche mit Air Berlin auf den Kauf großer Unternehmensteile geeinigt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kündigte an, die Air-Berlin-Mitarbeiter sollten bei Eurowings Europe eingestellt werden, "mit deutschen Arbeitsverträgen". Dabei solle die Air-Berlin-Erfahrung angerechnet werden.

Von der Insolvenz von Air Berlin sind mehrere tausend Mitarbeiter betroffen. Es gab bereits eine Reihe von Jobbörsen, die Deutsche Bahn kündigte nun für kommenden Montag eine zweite Messe an. Die Resonanz der ersten Veranstaltung vor rund zwei Wochen sei groß gewesen und es gebe "viel Potenzial und Engagement", erklärte die Bahn. Gesucht werden bei dem Unternehmen vor allem IT-Experten, Ingenieure und Servicekräfte.

Die Lufthansa versucht unterdessen, die angesichts der Insolvenz von Air Berlin gestiegene Nachfrage nach Tickets von und nach Berlin zu kompensieren. Auf den Strecken von Berlin nach Frankfurt, München, Zürich und Wien würden im Oktober vorübergehend einige Großraumflugzeuge statt der Kurzstreckenmaschinen eingesetzt, um mehr Passagiere transportieren zu können, erklärte die Lufthansa.