Wellinger holt erstes Skisprung-Einzelgold seit Jens Weißflog 1994

Wellinger holt erstes Skisprung-Einzelgold seit Jens Weißflog 1994

Vizeweltmeister Andreas Wellinger hat bei den Winterspielen in Pyeongchang das erste Einzelgold eines deutschen Skispringers seit Jens Weißflog 1994 gewonnen. Der Ruhpoldinger verbesserte sich im zweiten Durchgang mit dem eingestellten Schanzenrekord von 113,5 Metern von Platz fünf auf Platz eins und triumphierte vor den beiden Norwegern Johann Andre Forfang und Robert Johansson. "Wahnsinn, Wahnsinn", sagte der 22-Jährige immer wieder, als der Traum von Gold tatsächlich wahr geworden war.
Vierschanzentournee-Sieger Kamil Stoch (Polen) fiel im zweiten Durchgang vom zweiten auf den vierten Rang zurück, auch die drei anderen Deutschen rutschten noch ein wenig zurück - sorgten aber nach dem beinahe dreistündigen Wettkampf für ein bemerkenswertes Mannschaftsergebnis mit den Rängen acht, neun und zehn durch Markus Eisenbichler (Siegsdorf), Richard Freitag (Aue) und Karl Geiger (Oberstdorf).
Freitag hatte nach einem zähen ersten Durchgang mit 106 m und 125,5 Punkten als Vierter nur 0,4 Punkte hinter den punktgleich auf Platz zwei liegenden Stoch (106,5 m) und Forfang (106 m) gelegen. Umgerechnet 20 Zentimeter fehlten zu Bronze. 30 Zentimeter mehr waren es bei Wellinger: Er war beeinträchtigt durch Seitenwind bei 104,5 m gelandet.
Der drehende und beißende Wind machte den Springern schwer zu schaffen, einige hatten großes Pech. Medaillenanwärter Peter Prevc aus Slowenien etwa musste im ersten Durchgang knappe zehn Minuten in Eiseskälte am Turm warten, ehe er losgeschickt wurde - kein Wunder, dass er schon bei 98,5 Meter landete. Immer wieder wurde unterbrochen, die wartenden Springer zitterten, eingehüllt in Decken, ihrem Anlauf entgegen. 
Zu einer Farce geriet der zweite Versuch des zweimaligen Doppel-Olympiasiegers Simon Ammann: Fünfmal schob sich der Schweizer auf den Absprungbalkem, fünfmal musste er wieder runter, erst der sechste Versuch klappte - auf immerhin 104,5 m. Danach ging es flotter, die Top Ten fuhren nahezu problemlos über den Bakken, Robert Johansson (Norwegen) sprang dabei mit 113,5 m Schanzenrekord. 
Ganz böse erwischte es einen weiteren Mitfavoriten. Dawid Kubacki, in der polnischen Mannschaft normalerweise die Nummer zwei hinter Stoch, stürzte bei ungünstigen Bedingungen bereits bei 88 Metern ab und schied damit schon im ersten Durchgang aus. Ebenfalls nicht ins Finale schaffte es Altmeister Janne Ahonen (40) aus Finnland. Der fünfmalige Weltmeister und zweimaliger Silbermedaillengewinner bei Olympia belegte nur Rang 40.