Welcome-Walk: Kölner erkunden mit Flüchtlingen die Stadt – Ehrenamtler gesucht

Hussein Dirani flüchtete aus dem Libanon, heute erkundet er das Uni-Viertel.

Als die Schläger sein Auto einkreisten, wusste Hussein Dirani, dass es ernst werden würde. Die fremden Männer zerrten Dirani aus dem Auto und entführten den heute 32-jährigen Libanesen, der damals für die Menschenrechtsorganisation Oxfam in Zahle, 30 Kilometer östlich von Beirut, arbeitete. Nach einem Tag war er zwar wieder frei. „Es war nur eine Warnung.“

Als Dirani aber weiterhin für den Verein arbeitete, kamen die Schläger wieder und schossen auf ihn. Beim dritten Mal verletzten sie bei einer Attacke seinen Vater.

Flucht vom Libanon nach Köln

Dirani floh aus seiner Heimat. Über ein Visum von Oxfam kam er nach Italien, in die Schweiz und anschließend nach Deutschland, wo eine Schwester im Norddeutschen Flensburg lebt. Eigentlich wollte er nach England, weil der studierte Business Manager, der auch einige Zeit in Katar gearbeitet hatte, die Sprache gut beherrscht.

Die Briten ließen ihn aber nicht, so blieb er in Deutschland hängen, beantragte Asyl, kam von Flensburg und Neumünster nach Hamm, Dortmund und schließlich nach Köln.

19 Monate lebt er nun in Deutschland, seit April 2016 in der Stadt am Rhein. Geholfen sich in Köln besser einzuleben, hat auch Helle Große-Stoltenberg (23), die an der Kölner Universität Psychologie studiert und sich im vergangenen Jahr beim Welcome Walk beteiligt hat. Das Projekt der Kölner Freiwilligen-Agentur bringt seit einem Jahr Flüchtlinge und Alt-Kölner zusammen.

In – bisher 140 Tandem-Teams – erkunden sie die Stadt, begleiten die Neu-Kölner bei Behördengängen und erklären sich die Welt.

Helfer sollen nicht überfordert werden

Vorgesehen sind drei dreistündige Treffen innerhalb von sechs Wochen. Sechs Wochen, damit sich die ehrenamtlichen Helfer trotz Schulung sich nicht überfordert fühlen, sagt Gaby Klein von der Kölner Freiwilligen-Agentur. „Wenn aus den Treffen allerdings Freundschaften entstehen, dann ist das umso besser.“

Mit Helle Große-Stoltenberg hat Hussein Dirani an drei Nachmittagen Köln erkundet. Sie waren im Dom, in der Flora, auf dem Triangle-Turm in Deutz, sind durch das Uni-Viertel gestreift, sie hat ihn zum Ausländeramt begleitet. An die Drei-Stunden-Regel haben sie sich schon am ersten Abend nicht gehalten, sondern sind abends in einer Shisha-Bar gelandet. „Ich wollte mich einfach engagieren“, sagt die junge Frau mit den blauen und gelben Strähne im Haar. Letztes Jahr als sie ihr Auslandssemester in Ungarn absolviert habe, habe sich zuerst ebenso allein gefühlt.

Der Kontakt zwischen Dirani und Große-Stoltenberg ist über die sechs Wochen hinaus bestehen geblieben, auch wenn sie keinen engen Freunde geworden sind.

Flora, Uni und Triangle-Turm

In der neuen Heimat Köln ist Dirani schnell angekommen: „Ich mag die Stadt, weil sie Großstadt und Dorf zugleich ist.“ Von Weiden, wo er in einem Appartement lebt, sei er in 15 Minuten in der Innenstadt. Trotzdem nähmen sich die Menschen im Viertel Zeit für einander. Viel hat er in den wenigen Monaten, die er in Deutschland lebt, gemacht: Dirani hat zwei Kurse an der Kölner Universität besucht, die die Hochschule in englischer Sprache angeboten hatte.

Er hilft anderen Flüchtlingen bei Übersetzungen und macht derzeit ein Praktikum bei einer Entwicklungshilfeorganisation. Sein Traum wäre es, wenn er seine Eltern nach Deutschland – oder an einen anderen Ort – in Sicherheit bringen könnte.

Das nächste Vorbereitungstreffen für den Welcome-Walk findet am 30. August, 18 bis 21 Uhr, in der Kölner Freiwilligen-Agentur, Clemensstraße 7, statt. Anmeldung und Informationen unter Telefon 0221/88 82 78 22 oder per E-Mail.

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