Welches dieser 5 Medikamente wird sich 2020 am besten verkaufen?

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Die globale Pharmaindustrie ist riesengroß, falls du das noch nicht wusstest. Laut einem Bericht der internationalen Handelsbehörde ITA (International Trade Administration) aus dem Jahr 2016 wird erwartet, dass der weltweite Umsatz mit Pharmazeutika bis zum Jahr 2020 von rund 1 Billion US-Dollar im Jahr 2015 auf 1,3 Billionen US-Dollar ansteigen wird. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 4,9 %. Die ITA führt eine alternde Bevölkerung, steigende Zahlen bei chronischen Krankheiten, zunehmende Verstädterung und höhere verfügbare Einkommen, höhere Staatsausgaben im Gesundheitswesen und die Nachfrage nach effektiveren Behandlungsmethoden als Gründe an. Daher werden die Arzneimittelverkäufe bis zum Jahr 2020 (und wahrscheinlich darüber hinaus) weltweit steigen.

Dieses stetige Wachstum, vor allem auf dem höchst lukrativen amerikanischen Markt lässt die Anleger Dollars sehen. Wenn ein Medikament nämlich zu einem Bestseller wird, dann haben die Investoren auch jede Menge davon. Natürlich ist es schwierig herauszufinden, welche Medikamente das Potential haben, ein bestimmtes Krankheitsbild zu dominieren. Die laufende Entwicklung von Medikamenten bei verschiedenen Unternehmen sorgt dafür, dass selbst vielversprechende Therapien schon fast über Nacht wieder überholt sein können.

Spielen wir mal ein Gedankenspiel und denken uns in die Zukunft. Dabei untersuchen wir fünf Medikamente, von denen vier bereits in den Apotheken stehen und die das Potential haben, im Jahr 2020 zu einem Bestseller zu werden.

1. Humira

Die logischste Wahl ist wahrscheinlich Humira von AbbVie (WKN:A1J84E), ein entzündungshemmendes Medikament, das in zehn von der Food and Drug Administration zugelassenen Indikationen eingesetzt wird. Humira verfügt über eine außergewöhnliche Preissetzungsmacht und hat durch die vielen Erweiterungen seines Anwendungsbereiches für AbbVie jede Menge Geld generiert. Letztes Jahr waren es fast 16,1 Milliarden US-Dollar. In den ersten 6 Monaten des Steuerjahres 2017 konnten die Umsätze noch einmal um 15,3 % gesteigert werden. Sie erreichen jetzt währungsbereinigt 8,8 Milliarden US-Dollar. Es ist also möglich, dass Humira im Jahr 2017 18 Milliarden US-Dollar schaffen könnte. Das wäre ein neuer Rekord für ein verschreibungspflichtiges Medikament in einem einzigen Jahr.

Die Herausforderung für AbbVie jetzt darin bestehen, Konkurrenzprodukte abzuwehren. Biosimilars sind Nachahmer von biologischen Arzneimitteln, die von Pharmaunternehmen mit einem Rabatt auf die Listenpreise von Markenmedikamenten vermarktet werden. So ziemlich jeder Arzneimittelhersteller, der Biosimilars entwickelt, versucht Humira etwas von seinem riesigen Patientenpool abspenstig zu machen. Wir haben schon gesehen, wie geringere globale Umsätze für Remicade, den Blockbuster von Johnson & Johnson, einem Unternehmen zusetzen können. Es ist durchaus möglich, dass Humira bis zum Jahr 2020 dasselbe Schicksal erleiden könnte.

2. Revlimid

Im Biotech-Bereich ist nichts sicher, aber das Medikament Revlimid gegen multiples Myelom von Celgene (WKN:881244) kommt dem in etwa am nächsten. Revlimid soll einen Jahresumsatz im Jahr 2017 von 8 bis 8,3 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Die Absatzzahlen des Medikaments wachsen seit Jahren im zweistelligen Bereich. Die Ursache für dieses Wachstum ist eine längere Nutzungsdauer, starke Preissetzungsmacht und die wachsende Zahl von Patienten, bei denen multiples Myelom diagnostiziert wird. Darüber hinaus ist dass das Ergebnis einer wachsenden Bevölkerungspopulation und besserer diagnostischer Test. Es gibt sogar relativ wenig Konkurrenz für das Medikament, da die neu zugelassenen Therapien in diesem Bereich oft als Kombinationstherapie mit Revlimid verabreicht werden.

Die wahre Goldgrube für Celgene und die Investoren besteht darin, dass das Unternehmen im Dezember 2015 Patentstreitigkeiten mit Generikaherstellern beilegen konnte. Daher wird es jetzt bis zum 31. Januar 2026 dauern, bevor Generika Revlimid das Geschäft wegnehmen können. Die Übereinkunft erlaubt es aber, dass ein kleiner Teil der generischen Kopien ab 2022 auf den Markt kommt. Celgene hat sich mit diesem Vergleich seine Geldmaschine für knapp zehn Jahre gesichert. Revlimid, das seinen Marktanteil in der Erst- und Zweitlinientherapie des multiplen Myeloms hat und weiterhin in weitere Behandlungsbereiche expandieren kann, hat eine echte Chance, 2020 das meistverkaufte Medikament zu sein.

3. Opdivo

Im Moment gibt es keine interessantere Krebsimmuntherapie als Opdivo von Bristol Myers Squibb (WKN:850501). Das Medikament versucht, die immunsuppressiven Eigenschaften von Krebszellen umzukehren, indem diese dem Immunsystem ausgesetzt werden, damit dieses die Krebszellen angreifen kann. Hierbei konzentriert man sich darauf, das Immunsystem des Patienten zu stärken. Dabei konnten deutliche Verbesserungen bei den Ansprechraten für fortgeschrittene Krebspatienten bei Melanom, Nierenzellkarzinom und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) erzielt werden. Bereits im ersten Halbjahr 2017 stieg der Umsatz von Opdivo gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 50 % auf 2,3 Milliarden US-Dollar. Es könnte bis 2020 den Umsatz von 10 Milliarden US-Dollar übersteigen, wenn alles gut geht.

Es könnte aber sein, dass nicht alles gut läuft. Tatsächlich ging im vergangenen Jahr eine Studie bei den NSCLC-Patienten ziemlich daneben, da Opdivo das primäre Ziel nicht erreichen konnte und dabei in der Chemotherapie nicht so eingesetzt werden kann, wie vorgesehen. Testreihen mit Krebspatienten haben üblicherweise eine niedrigere Erfolgsrate und die Investoren müssen verstehen, dass selbst eine grundlegende Therapie wie Opdivo nicht immer funktionieren kann. Unglücklicherweise wird dieses Versäumnis 2 Milliarden US-Dollar oder vielleicht sogar noch mehr an jährlichen Spitzenumsätzen kosten. Die Fähigkeit von Opdivo, seinen Behandlungsbereich zu erweitern, wird der Schlüssel dafür sein, ob es eine Chance hat, bis 2020 das weltweit meistverkaufte Medikament zu werden.

4. Keytruda

Von den Therapien, die bereits von der FDA zugelassen sind, ist die Krebsimmuntherapie Keytruda von Merck (WKN:659990) vielleicht das am schwersten vorhersehbare. Keytruda  ist ein direkter Konkurrent von Opdivo, und nach Markteinführung beider Medikamente schien es, als wäre Opdivo Keytruda eine Nasenlänge voraus. In den letzten Quartalen hat sich das Blatt allerdings zugunsten von Keytruda gewendet. Während Opdivo in der Erstlinienstudie für fortgeschrittene NSCLC-Studien Schiffbruch erlitt, konnte Keytruda ohne Probleme gute Ergebnisse bei Patienten erreichen, deren Tumore mindestens 50 % PD-L1-Expression aufwiesen. Nachdem Keytruda diesen Marktanteil für die Erstlinienbehandlung von NSCLC sich gesichert hatte, belief sich der Umsatz des Medikaments im ersten Halbjahr 2017 auf fast 1,5 Milliarden US-Dollar und lag damit über den Gesamtumsatz von 2016.

Und da könnte noch mehr kommen. Keytruda bekam auch eine Sonderbehandlung von der FDA. Das Unternehmen wurde für eine besondere genetische Mutation in soliden Tumoren Anfang des Jahres unabhängig von der Krebsart zugelassen. Das war das erste Mal, dass die FDA ein Krebsmedikament für den weltweiten Einsatz und nicht speziell für eine bestimmte Anwendung zuließ. Andererseits ist eine objektive Ansprechrate von 77 % bei Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsen- , Prostata- , Gebärmutter- und Knochenkrebs wirklich atemberaubend. Wenn Keytruda seinen Anwendungsbereich weiter ausbauen und Opdivo weiterhin übertreffen kann, dann könnte es bis 2020 das meistverkaufte Medikament werden.

5. Aducanumab

Therapien, die nicht bereits von der FDA zugelassen sind, stehen vor einer großen Herausforderung. Aber wenn es ein Medikament im klinischen Stadium gibt, das gegen die bereits zugelassenen ankommen könnte, dann ist es Aducanumab von Biogen (WKN:789617). Dieses Medikament ist für die frühzeitige Behandlung von Alzheimer. Man muss aber wissen, dass es bei Alzheimer besonders schwierig wird. Es gibt nur eine Handvoll zugelassene Behandlungen für Alzheimer-Patienten und nur sehr wenig neue Behandlungen, die in den letzten Jahren herausgekommen sind. Das könnte sich mit Aducanumab ändern.

Ende letzten Jahres berichtete Biogen von Phase-1b-Daten, bei denen vier Dosen von Aducanumab über 54 Wochen hinweg verabreicht worden waren. Das führte zu einer Verschlechterung des CDR-Wertes (Clinical Dementia Rating) von 1,89 Punkten und zu einer Verschlechterung von 2,45 Punkten beim MMSE-Wert (Mini-Mental State Examination). Die höchste Dosis von Aducanumab (10 mg/kg) zeigte eine Verschlechterung von nur 0,63 Punkten bei CDR und 0,55 Punkte Verschlechterung bei MMSE nach 54 Wochen. Das ist kein Heilmittel für Alzheimer, aber es stellte die erste bemerkbare Reduzierung des kognitiven Verfalls dar.

Die Studien werden Ende 2019 erwartet. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass Aducanumab, sollte es zugelassen werden, sofort Top-Umsätze generieren wird. Vieles wird auch davon abhängen, wie erfolgreich das Medikament in den Phase-3-Studien sein wird.

Und der Gewinner ist …

Welches Medikament wird also 2020 am meisten Umsatz machen? Hier ist noch alles offen, meine persönliche Vermutung ist aber, dass Humira trotz der Konkurrenz von Biosimilar-Produkten seinen Status aufrechterhalten kann. Revlimid sollte knapp dahinter den zweiten Platz festigen. Wir sollten aber bedenken, dass Revlimid vielleicht 2021 oder 2022 den ersten Platz beanspruchen könnte, wenn der auslaufende Patentschutz und die Konkurrenz von Biosimilar-Produkten Humira stark zusetzen könnte.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Biogen, Celgene und Johnson & Johnson.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 16.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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