Welcher Zwilling ist der Bessere?

Aus eins mach zwei: Die Spaltung des Handelskonzerns Metro ist vollzogen. Künftig sind Lebensmittel- und Elektrohandel in zwei selbständigen Aktiengesellschaften organisiert. Was Kunden und Aktionäre jetzt wissen müssen.


Deutschlands einst größter Handelskonzern Metro ist nach mehr als 20 Jahren wieder zerschlagen worden. Das Amtsgericht Düsseldorf trug am Mittwoch die Aufspaltung des Handelsriesen in ein Lebensmittelunternehmen (Metro-Großmärkte, Real) und eine Elektronikkette (Media Markt, Saturn) ins Handelsregister ein. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Aufspaltung.


Wie geht es nach der Eintragung der Aufspaltung weiter?

Ab morgen werden statt einer nun zwei separate Aktien an der Frankfurter Börse notiert sein. Neu in den Handel kommt das abgespaltene Geschäft mit den Großmärkten und der Lebensmittelkette Real, das künftig unter Metro AG firmiert. Die bisherige Metro wird in Ceconomy AG umbenannt, was aus bürokratischen Gründen wohl erst im August vollzogen ist. In ihr verbleibt hauptsächlich das Geschäft mit den Elektronikhändlern Media Markt und Saturn. Jeder bisherige Metro-Aktionär bekommt für jedes seiner Papiere jeweils eine Aktie der beiden neuen Gesellschaften.

Können noch laufende Klagen die Aufspaltung rückgängig machen?

Nein. Da das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden hat, dass die Anfechtungsklagen einer Eintragung nicht im Wege stehen, konnte das Registergericht die Eintragung vornehmen. Geklagt hat unter anderem auch Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals. Er hat bisher weitgehende Vetorechte bei der Media-Markt-Saturn-Holding und sieht seinen Einfluss durch die Aufspaltung sinken. Über Anfechtungs- und Feststellungsklagen von Aktionären muss nun noch im Hauptsacheverfahren entschieden werden. Dies geht den Rechtsweg, die Kläger können aber keine Rückabwicklung der Aufspaltung mehr erreichen. Sollten sie Erfolg haben, wird es wohl auf Schadenersatzzahlungen hinauslaufen.


Wie werden sich die Aktienkurse kurzfristig entwickeln?

In den ersten Tagen wird es wohl eine ziemliche Achterbahnfahrt geben. Experten schätzen, dass am ersten Handelstag nach der Aufspaltung bis zu 25 Prozent der vorhandenen Aktien gehandelt werden. So sind beispielsweise Indexfonds sogar gezwungen, nach ihren Anlagerichtlinien die Papiere zu verkaufen, wenn sie nicht mehr im MDax sind. Aussteigen müssen sie üblicherweise am Tag nach dem ersten Handelstag. Das heißt, dass die Verkäufe wohl in der Schlussauktion des ersten Handelstages ausgeführt werden. Schon in der kommenden Woche dürfte sich aber eine Tendenz abzeichnen, wie sich die Kurse der beiden Aktien entwickeln.

Fliegen beide Papiere aus dem MDax?

Den Aktienindex MDax verlassen muss auf jeden Fall die abgespaltene neue Metro AG, da gibt es bei dem Index für mittelgroße Aktiengesellschaften klare Regeln. Die Ceconomy dagegen wird zumindest vorläufig im MDax bleiben. Der nächste Review-Termin für die Zusammensetzung des Index ist im September. Dann wird anhand von Kriterien wie Free-Float, Marktkapitalisierung und Liquidität bei beiden Aktien erneut geprüft, ob sie sich für den MDax qualifizieren können. Viele Analysten gehen wie das Management davon aus, dass beide Gesellschaften mittelfristig die Kriterien für eine Aufnahme in den MDax erfüllen werden. Etwas anders ist es im Index MSCI Euro, dem die Metro bisher auch angehört. Dort wäre es möglich, dass beide neuen Gesellschaften im Index bleiben. Abhängig ist das von der Marktkapitalisierung. Dabei hat die neue Metro AG wohl die besseren Chancen.



Welche Aktie mehr Potenzial hat


Was verspricht sich Metro von der Aufspaltung?

Das Unternehmen sieht so gut wie keine Synergien zwischen den beiden Geschäftsbereichen. Nach der Trennung könnte sich das Management stärker auf das jeweilige Geschäftsmodell fokussieren und hätte eine höhere Flexibilität. Das bedeutet auch, dass man für beide Unternehmen eine klarere Investmentthese formulieren kann, was möglicherweise zu einer besseren Entwicklung der Aktienkurse führen könnte. Störend hat sich auf das Image der Metro-Aktie jedoch auch immer wieder der Streit mit dem Investor Erich Kellerhals ausgewirkt. Er hält knapp 22 Prozent der Anteile an Media-Markt-Saturn und hat dort weitgehende Vetorechte. Künftig hat er keinen Einfluss mehr auf die neue Metro AG. Auch bei Ceconomy könnte sein Einfluss schwinden, wenn neue Geschäftsbereiche außerhalb von Media-Markt-Saturn unter dem Dach der AG angesiedelt werden.


Welche Aktie bekommt die bessere Mitgift?

Die Equinet Bank schreibt in einer Studie, dass die neue Metro AG nach ihrer Einschätzung nach der Aufspaltung rund 75 Prozent des Wertes auf sich vereinigt und eine höhere Bewertung erzielt. Dafür spricht auch, dass die neue Metro AG das komplette Immobilienvermögen bekommt. Zum Ausgleich jedoch erhält die Ceconomy zehn Prozent der Aktien der neuen Metro zur Stärkung ihrer Kapitalbasis. Einen zumindest kurzfristigen Vorteil hat Ceconomy dadurch, dass sie erst mal im MDax bleibt. Beide Unternehmen haben ein Investmentgrade-Rating der Ratingagentur Standard & Poor's erhalten.

Welches Zukunftspotenzial haben die beiden Unternehmen?

Ceconomy hat mit dem Geschäftsfeld Elektronikhandel die deutlich härtere Konkurrenz. Insbesondere der wachsende Onlinehandel mit dem Branchenprimus Amazon bedeutet eine große Herausforderung. Andererseits steht dieser Markt vor einer Konsolidierung, was Fantasie in den Aktienkurs bringen könnte. Denn Analysten spekulieren, dass entweder Ceconomy selber Übernahmekandidat sein könnte oder aber einen Wettbewerber übernimmt. Gehandelt wird dabei immer wieder der britische Händler Dixons. Der designierte Chef des Elektronikunternehmens, Pieter Haas, kündigte bereits an, künftig „eine aktive Rolle in der europäischen Marktkonsolidierung“ spielen zu wollen.


Die neue Metro AG hat mit ihrem Großhandelsgeschäft ein etwas stärkeres Alleinstellungsmerkmal. Ausgebaut wird dort der Lieferservice, dem großes Potenzial zugeschrieben wird. Damit will Metro sich noch stärker von Einzelhändlern wie Aldi und Lidl abgrenzen, die ihr Unternehmenskunden abspenstig machen. Problematisch dagegen ist die Supermarktkette Real, deren Zukunft unklar ist.

KONTEXT

Warum die Metro sich aufspaltet

Warum will sich die Metro überhaupt aufteilen?

Die Geschäfte beim Düsseldorfer Handelsriesen liefen zuletzt nicht gerade berauschend. Die Konkurrenz ist groß und das Unternehmen schrumpft seit Jahren. Immer wieder wurden große Konzernteile verkauft - wie etwa die Warenhäuser Galeria Kaufhof oder das Auslandsgeschäft der Supermarktkette Real. Die Folge: Der Konzern verlor nicht nur den inoffiziellen Titel des größten deutschen Handelskonzerns, er musste auch seinen Platz in der höchsten Börsenliga, dem Dax-30, räumen. Die Aufspaltung soll nun zu neuem Schwung verhelfen.

Was verspricht sich Metro-Chef Olaf Koch von der Aufspaltung?

Mehr Wachstum und mehr Börsenwert. Mehr Wachstum, weil die getrennten Unternehmen sich besser auf ihre jeweilige Kundengruppe konzentrieren und dynamischer agieren können. Mittelfristig soll der bereinigte Umsatz bei beiden Gesellschaften um mindestens drei Prozent pro Jahr steigen. Im zurückliegenden Jahr schaffte die Metro als Ganzes weniger als ein Prozent. Mehr Börsenwert, weil Mischkonzerne wie die Metro an der Börse schlechter bewertet werden als klar fokussierte Unternehmen. Tatsächlich hat die Metro-Aktie seit Bekanntgabe der Aufspaltungspläne rund 25 Prozent an Wert gewonnen.

Sehen das auch Branchenexperten so?

Viele Analysten halten die Teilung für sinnvoll. Laurence Hofmann vom Investmenthaus Oddo sieht mehr Spielraum für Zukäufe und Partnerschaften. Dies hat aus seiner Sicht vor allem Media-Saturn nötig, will die Tochter ihre Stellung als größter Elektronikhändler Europas gegen mächtige Internetriesen wie Amazon auf Dauer verteidigen. Der Lebensmittelteil wiederum dürfte sein Geschäft mit der Belieferung sowie Kooperationen mit Start-Up-Unternehmen für das Hotel- und Restaurantgewerbe ausbauen, erwartet Christian Bruns von der Investmentbank Equinet. Der Experte verspricht sich zudem schnellere Entscheidungen auf Managementebene und insgesamt mehr Transparenz.

Wie funktioniert die Aufspaltung?

Heute vereint die Metro unter ihrem Dach zwei Geschäftsbereiche, die eigentlich wenig gemeinsam haben: die Lebensmittelsparte mit den Metro-Großmärkten und den Real-Supermärkten auf der einen Seite, sowie die Elektroniksparte mit den Ketten Media Markt und Saturn auf der anderen. Nach der Trennung Mitte 2017 sollen diese Sparten als eigenständige Unternehmen getrennte Wege gehen. Dabei behält die Lebensmittelsparte den Traditionsnamen Metro. Die Elektroniksparte erhält den neuen Kunstnamen Ceconomy. Die Elektronikketten selbst werden aber weiter unter den altbewährten Namen Media Markt und Saturn firmieren. Beide Unternehmen werden weiterhin an der Börse notiert sein.

Und was ändert sich für die Verbraucher?

Erst einmal wenig. Denn der Verkauf wird in den Großmärkten ebenso wie bei Real, Media Markt oder Saturn unverändert weitergehen. Auf Dauer würden aber auch die Verbraucher profitieren, meint Koch, weil sich die spezialisierten Gesellschaften besser auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse einstellen könnten.

Was spricht gegen eine Aufspaltung?

Wenig, außer vielleicht den hohen Kosten. Denn Gemeinsamkeiten zwischen den Geschäftsbereichen gibt es kaum. Konzernchef-Koch meint sogar, der Zusammenschluss der Metro-Großmärkte, der Real-Supermärkte und der Elektronikketten Media Markt und Saturn unter einem Dach habe zuletzt die Geschäfte eher behindert als gefördert. Die Aufspaltung ist allerdings nicht billig. Der Konzern beziffert die Kosten auf rund 100 Millionen Euro.

Steht schon fest, wer die neuen Unternehmen leiten wird?

Ja. Die Leitung des Lebensmittelgeschäfts übernimmt Koch selbst, Aufsichtsratsvorsitzender soll der bisherige Metro-Chefkontrolleur Jürgen Steinemann werden. An der Spitze der Elektronikkette wird der Media-Saturn-Chef Pieter Haas stehen. Für den Aufsichtsratsvorsitz ist der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vorgesehen.

Ist die Idee einer Aufspaltung ungewöhnlich?

Im Gegenteil. Zurzeit ist das Aufspalten oder Abspalten bei deutschen Konzernen geradezu in Mode. Die Energieriesen Eon und RWE spalteten sich kürzlich jeweils in zwei Teile auf, um das wenig zukunftsfähige Geschäft mit konventionellen Kraftwerken vom lukrativeren Zukunftsgeschäft um Ökostrom, Vertrieb und Netzbetrieb zu trennen. Und der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer brachte 2015 seine Kunststoffsparte als Covestro an die Börse, um sich stärker auf das lukrativere Geschäft mit der Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze zu konzentrieren.

Quelle: dpa