Welche Länder russische Diplomaten ausweisen – und welche nicht

Frankreich hat vier russische Diplomaten des Landes verwiesen. (Bild: Reuters)

Nach dem Giftanschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten in Großbritannien machen mehrere EU-Staaten sowie andere Länder Ernst und weisen Moskauer Diplomaten aus. Manche Regierungen zögern allerdings noch mit ihrer Entscheidung oder verfolgen andere Pläne.

In einer bisher nie dagewesenen Solidaritätsaktion haben nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal inzwischen 24 Staaten weltweit mindestens einen russischen Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter des Landes verwiesen. Laut der britischen Premierministerin Theresa May handle es sich um einen gemeinsamen Schritt, „um diesen Drohungen die Stirn zu bieten“.

Der Westen vereint gegen Wladimir Putin? Nicht ganz. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass einige Länder noch zögern, russische Botschaftsmitarbeiter und andere Diplomaten auszuweisen. Wer bietet Russland aktuell die Stirn und wer nicht? Und wie lauten die Begründungen?

Diese EU-Staaten haben russische Diplomaten ausgewiesen

Großbritannien: 23 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Giftanschlag gegen den Ex-Agenten Sergej Skripal

Deutschland: 4 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien und Reaktion auf einen russischen Hackerangriff auf das IT-System der Bundesregierung

Frankreich: 4 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Polen: 4 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: „Heute weist Polen im Zusammenhang mit dem ,Fall Skripal’ vier russische Diplomaten aus“, erklärte Polens Außenminister Jacek Czaputowicz.

Litauen: 3 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Außenminister Linas Antanas Linkevičius habe aus Solidarität mit London beschlossen, drei russische „Geheimdienstler, die unter diplomatischem Deckmantel“ arbeiteten, des Landes zu verweisen.

Tschechien: 3 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Dänemark: 2 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien. Dänemark habe laut Außenminister Anders Samuelsen davor noch nie ausländische Diplomaten als Reaktion auf ein Geschehnis ausgewiesen, das sich in einem dritten Land zugetragen habe.

Italien: 2 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Niederlande: 2 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Spanien: 2 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Estland: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Finnland: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Lettland: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Kroatien: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Schweden: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Rumänien: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Ungarn: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Solidarität mit Großbritannien

Diese Nicht-EU-Staaten haben russische Diplomaten ausgewiesen

Donald Trump reagiert mit aller Härte und verweist 60 russische Diplomaten des Landes. (Bild: AP Photo)

USA: 60 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, sagte in einem Briefing, es handle sich um eine Reaktion auf den „Einsatz einer militärischen Chemiewaffe auf dem Gebiet Großbritanniens durch Russland“.

Ukraine: 13 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: „Als Reaktion auf den zynischen Nervengas-Angriff in Salisbury hat die Ukraine im Geist der Solidarität mit ihren britischen Partnern und transatlantischen Verbündeten und in Koordination mit den EU-Staaten beschlossen, 13 von den wenig übriggebliebenen russischen Diplomaten aus der Ukraine auszuweisen“, erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko.

Kanada: 4 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: Außenministerin Chrystia Freeland erklärte, Russen hätten ihren Diplomatenstatus genutzt, um „die kanadische Sicherheitslage zu untergraben oder in unsere Demokratie einzugreifen“.

Albanien: 2 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: wegen des Giftanschlags auf Sergej Skripal

Australien: 2 Diplomaten ausgewiesen
Begründung: „Zusammen mit dem Vereinigten Königreich und anderen Verbündeten und Partnern reagiert Australien auf den jüngsten Angriff mit Nervengift in Salisbury“, erklärte Australiens Ministerpräsident Malcolm Turnbull.

Norwegen: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Laut Außenministerin Ine Eriksen Søreide wolle Norwegen Solidarität mit Großbritannien demonstrieren.

Mazedonien: 1 Diplomat ausgewiesen
Begründung: Solidaritätserklärung mit Großbritannien, der EU, der NATO und verbündeten Staaten

Diese EU-Staaten haben bisher keine russischen Diplomaten ausgewiesen

Die österreichische Außenministerin Karin Kneissl und Bundeskanzler Sebastian Kurz. (Bild: Reuters)

Österreich: Die Alpenrepublik wolle als Brückenbauer zwischen Ost und West fungieren, erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz: „Wir haben uns entschieden, das nicht zu tun, weil wir der Meinung sind, dass es wichtig ist, Dialogkanäle aufrechtzuerhalten.“

Slowakei: Wartet noch ab.

Slowenien: Wird keine Diplomaten ausweisen.

Portugal: Wartet noch ab.

Zypern: Wird keine Diplomaten ausweisen. Viele Russen sind auf Zypern ansässig.

Malta: Ergreift keine eigenen Maßnahmen, unterstützt aber die Reaktion anderer Länder, russische Diplomaten auszuweisen.

Griechenland: Wartet noch ab. Will mehr Beweise im Fall Skripal.

Irland: Wartet noch ab. Könnte laut „Irish Times“ demnächst einen russischen Diplomaten des Landes verweisen.

Belgien: Hat sich noch nicht geäußert.

Bulgarien: Wird keine Diplomaten ausweisen.

Luxemburg: Premierminister Xavier Bettel möchte eine Unterredung mit Theresa May, bevor eine Entscheidung getroffen wird.