Welche Erfahrungen die DTM-Fahrer bei den 24h von Le Mans machten

Julia Spacek

Drei Wochen ist es her, dass fünf DTM-Fahrer "fremd gingen": Paul di Resta, Loic Duval, Mike Rockenfeller, Philipp Eng und Augusto Farfus starteten bei den 24 Stunden von Le Mans 2018. Während Duval und Rockenfeller bereits "Le-Mans-Sieger" in ihren Lebenslauf schreiben dürfen, ging di Resta Mitte Juni zum ersten Mal beim französischen Langstreckenklassiker an den Start.

Für den Mercedes-Fahrer ging mit dem Le-Mans-Start ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. "Ich hatte schon immer heimlich von Le Mans geträumt, aber während meiner Zeit mit Mercedes war das in der Vergangenheit nicht möglich gewesen", sagt der Schotte.

"Dann hatte ich aber das Glück, in diesem Jahr schon ein paar Mal mit United Autosport unterwegs gewesen zu sein. Das Rennen war der Hammer, ein großartiges Event. Ich habe das sehr genossen. Natürlich ist es auch eine lange Woche, die an die Substanz geht. Und das Endresultat mit meinem Crash habe ich mir natürlich auch nicht so vorgestellt."

Le-Mans-Debüt endet für di Resta mit Crash

Di Resta war am Sonntagmorgen in Le Mans heftig abgeflogen und blieb dabei wie durch ein Wunder unverletzt. Bei seinem ersten 24h-Rennen an der Sarthe wäre er gerne ins Ziel gekommen, doch sein LMP2-Auto war nach dem Crash komplett zerstört. "Es war eine tolle Woche. Umso enttäuschender war es. Ich glaube, so schwer habe ich einen Crash noch nie verkraften können. Ich habe nicht einmal gepusht, aber trotzdem die Kontrolle verloren. Und das hat uns vielleicht das Podium gekostet."

Er ergänzt: "Die Enttäuschung kommt aber vielleicht auch wegen der Verantwortung, die man für das Auto hat - man nimmt die anderen Fahrer ja gleich mit aus dem Kampf. In der DTM kann man da egoistischer sein: Wenn man crasht, muss man damit allein klarkommen. Aber das ist nun einmal Racing und geht auch wieder vorbei. Wir haben in der DTM ja noch einen Kampf auszutragen."

Mike Rockenfeller hat die 24 Stunden von Le Mans 2010 im LMP1-Audi gewonnen und musste nur in Jahr später einen schweren Unfall verkraften. "Ich hatte in Le Mans schon große Erfolge - habe sowohl die Klasse als auch die Gesamtwertung gewonnen. Ich habe aber auch schon schlechte Erfahrungen gesammelt. Ich hatte 2011 sogar schon einen schweren Unfall in der Nacht. Ich kenne alle Facetten dieses Rennen und war trotzdem sehr froh, dass ich in diesem Jahr wieder da sein konnte", sagt "Rocky".

Farfus und Rockenfeller bekämpfen sich in GTE-Klasse

Der Audi-Mann ist immer noch vom Mythos Le Mans angetan: "Le Mans ist einfach so einzigartig, weil du eben nur einmal im Jahr die Chance hast. Da hofft man jedes Jahr, dass man in einem siegfähigen Auto sitzt." In diesem Jahr war Rockenfeller mit Corvette in der GTE-Klasse unterwegs.

Dort traf er auf einen Bekannten aus der DTM: Augusto Farfus. Mit dem BMW-Fahrer lieferte sich "Rocky" einen heißen Kampf, ähnlich wie in der deutschen Tourenwagenserie. "Wir waren beim Neustart aus einer Slowzone heraus und sind schön Tür-an-Tür die Gerade runtergefahren. Ich halb im Dreck, er auf der Strecke", erinnert er sich. "Es ist eigentlich wie in der DTM: Man kämpft um jeden Millimeter. In der GT-Klasse ist es ein Sprintrennen vom Start bis ins Ziel. Genau das Gleiche machen wir hier auch. Es ist geil, in Le Mans zu fahren. Es ist aber auch geil, auf dem Norisring zu fahren."

"Le Mans ist das Highlight der WEC-Saison - der Norisring das Highlights für uns in der DTM", sagt BMW-Pilot Farfus. "Le Mans hat die längste Strecke im WEC-Kalender, der Norisring ist die kürzeste Strecke in der DTM. Beide Rennen sind toll, mit vielen Zuschauern und engem Racing. Für mich war Le Mans auch etwas Besonderes, weil ich da zum letztem Mal 2011 mit BMW teilgenommen habe. In diesem Jahr sind wir mit einem neuen Projekt angetreten. BMW hat da tolle Arbeit geleistet und ich bin stolz darauf, was wir erreicht haben. Das Auto war sehr schnell, wir hatten nur Pech im Rennen."