Weiterhin kein Verdächtiger nach Vergiftungen an TU Darmstadt

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Blaulicht (AFP/Ina FASSBENDER)

Gut anderthalb Wochen nach der Vergiftung mehrerer Menschen an der Technischen Universität (TU) Darmstadt haben die Ermittler weiterhin keinen Verdächtigen. "Ein dringender Tatverdacht gegen eine bestimmte Person hat sich im Rahmen dieser Ermittlungen bisher nicht ergeben", teilte die Staatsanwaltschaft Darmstadt am Freitag mit. Auch ein Motiv sei weiter unklar.

Es gebe keine Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat. Im Nachhinein seien auch keine Bekennerschreiben oder Ähnliches bekannt geworden. Unter der eigens geschalteten Hinweistelefonnummer seien keine Hinweise auf eine "heiße Spur" eingegangen. Die bisher 40-köpfige Mordkommission wurde auf 50 Beamte aufgestockt. Die Gruppe werte Spuren aus, deren Zahl mittlerweile im vierstelligen Bereich liege.

Bisher seien die sieben Verletzten, bei denen Vergiftungserscheinungen aufgetreten waren, vernommen worden. Darüber hinaus vernahmen die Beamten Menschen aus dem näheren Umfeld der Universität, darunter dem Sicherheitsdienst und der Gebäudereinigung. Die Zahl der bisher vernommenen Zeugen liege im mittleren zweistelligen Bereich. Aussagen weiterer Zeugen stünden noch aus.

Bei den sieben Verletzten handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um Angehörige der TU. Bei zweien von ihnen verfärbte sich die Haut blau. Die anderen Opfer klagten lediglich über Unwohlsein. Blut- und Urinproben aller Geschädigten ergaben bei sechs von ihnen Schadstoffe, die wahrscheinlich auf die Einnahme der vergifteten Lebensmittel zurückzuführen seien. Ein abschließendes Ergebnis steht noch aus.

Die Staatsanwaltschaft machte aus ermittlungstaktischen Gründen weiterhin keine Angaben zu den Stoffen, die in den untersuchten Lebensmitteln gefunden wurden. Dabei handle es sich um potentielles Täterwissen. Eine Veröffentlichung könne die Ermittlung behindern. Laut den Beamten zeichne sich bei den Ermittlungen durch die vielen Spuren und möglichen Ermittlungsansätze ein "Marathonlauf" statt eines "Sprints" ab. Zeitnah sei nicht mit weiteren Ermittlungsergebnissen zu rechnen.

Am 23. August war die Polizei in Darmstadt wegen des Vorfalls zu einem stundenlangen Großeinsatz ausgerückt. Bei sieben Menschen traten "schwere gesundheitliche Probleme bis hin zu Vergiftungserscheinungen" auf, nachdem sie in dem Gebäude L2.01 des Fachbereichs Material- und Geowissenschaften der Hochschule am Campus Lichtwiese etwas getrunken hatten.

Zwei Menschen wurden in ein Krankenhaus nach Frankfurt am Main gebracht. Ein 30-Jähriger schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Seine Haut hatte sich durch die Vergiftung blau gefärbt. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt leitete vor rund anderthalb Wochen Ermittlungen wegen versuchten Mordes ein.

Den Ermittlungen zufolge waren am Wochenende vor dem Auftreten der Vergiftungserscheinungen unter anderem mehrere Milchpackungen und Wasserbehälter mit einem gesundheitsschädlichen Stoff versetzt worden. Besonders auffällig soll ein beißender Geruch der betroffenen Flüssigkeiten gewesen sein. Bereits am Tattag sprach die TU von einem mutmaßlichen Giftanschlag.

ald/cfm

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