Weiterer südkoreanischer Ex-Präsident wegen Korruption beschuldigt

Erneut wird ein früherer südkoreanischer Präsident der Korruption beschuldigt: Die Staatsanwaltschaft in Seoul bestellte Ex-Staatschef Lee Myung Bak für Mittwoch ein, um ihn im Zuge von Korruptionsermittlungen als Tatverdächtigen zu befragen

Erneut wird ein früherer südkoreanischer Präsident der Korruption beschuldigt: Die Staatsanwaltschaft in Seoul bestellte Ex-Staatschef Lee Myung Bak für Mittwoch kommender Woche vor Gericht ein, um ihn im Zuge von Korruptionsermittlungen als Tatverdächtigen zu befragen. Damit sind nun alle noch lebenden südkoreanischen Ex-Präsidenten entweder verurteilt, angeklagt oder anderweitig in strafrechtliche Ermittlungen verwickelt.

"Wir müssen gegen den früheren Präsidenten Lee ermitteln, um auf transparente und effektive Weise die Wahrheit (in dem Skandal) herauszufinden", zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap einen Staatsanwalt in Seoul. Lees Büro erklärte, der 76-Jährige werde der Vorladung nachkommen, wolle aber den Termin ändern.

Vorwürfe gegen Verwandte und enge Mitarbeiter Lees, die sich während seiner Präsidentschaft von 2008 bis 2013 bereichert haben sollen, waren in den vergangenen Wochen aufgekommen. Die Staatsanwaltschaft untersucht Zahlungen von Bestechungsgeldern im Umfang von Millionen von Dollar. Zwei frühere Mitarbeiter Lees wurden festgenommen, zudem wurden die Häuser und Büros seiner Brüder durchsucht. Der Ex-Staatschef selbst gerät immer mehr unter Druck.

Bei den Ermittlungen geht es unter anderem um den Vorwurf, die südkoreanische Samsung-Gruppe habe sich 2009 eine Begnadigung für Konzernchef Lee Kun Hee erkauft, der wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war.

Südkoreanische Präsidenten haben nach dem Ende ihrer Amtszeit häufig mit der Justiz zu tun. Lees Nachfolgerin Park Geun Hye war im vergangenen Jahr wegen eines Korruptionsskandals des Amtes enthoben worden. In dem Prozess soll im April das Urteil gefällt werden, die Anklage fordert 30 Jahre Haft. Lees Vorgänger Roh Moo Hyun hatte sich nach einer Befragung zu Korruptionsvorwürfen 2009 das Leben genommen.

Zwei weitere ehemalige konservative Präsidenten, Chun Doo Hwan und Roh Tae Woo, waren wegen Korruption und Subversion ins Gefängnis gekommen. Der linksgerichtete amtierende Präsident Moon Jae In hat versprochen, die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten.