Ein weiterer chinesischer Solarriese wird privatisiert

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Die chinesische Solarindustrie hat seit langem Schwierigkeiten, enormes Wachstum in Gewinne oder hohe Bewertungen an den US-Börsen umzuwandeln. Das ist ein Grund für den aktuellen Trend, die wenigen verbleibenden chinesischen Solarproduzenten zu privatisieren und von den Marktbeobachtern fernzuhalten.

JA Solar (WKN:A1J87E) erhielt jüngst ein Privatisierungsangebot. Dieses Angebot bewertet das Unternehmen mit 362,1 Millionen US-Dollar bzw. 7,55 US-Dollar pro Aktie. Das scheint für ein Unternehmen mit einem Umsatz von 2,6 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr verrückt zu sein, doch so ist es gerade um die Solarindustrie bestellt. Es folgt ein Blick auf dieses Angebot und was es für die Solarindustrie im weiteren Sinne bedeuten könnte.

Der Buyout

Der Kauf von JA Solar wird vom Executive Chairman und CEO Baofan Jin sowie von den „Rollover-Aktionären“ geleitet. Jin ist auch eine prominente Regierungsperson in China, was dazu beitragen könnte, die Sache voranzutreiben und eine Richtung für die Zukunft von JA Solar vorzugeben. Die Barverzinsung für die derzeitigen Aktionäre wird bei 1,51 US-Dollar pro Aktie liegen, womit wir auf die oben genannten 7,55 US-Dollar pro Aktie für jede ADS (American Depositary Share = in den USA ausgegebene Aktienzertifikate bzw. Hinterlegungsscheine) kommen.

Das Management hat öffentlich darüber geredet, JA Solar für mehr als zwei Jahre zu privatisieren, wobei zunächst ein Buyout-Preis von 9,69 US-Dollar pro ADS in Betracht gezogen wird. Das Angebot scheint legitim zu sein und würde einem Trend in der chinesischen Solarindustrie folgen.

Warum die chinesische Solarindustrie privatisiert wird

Trina Solar machte mit seiner Privatisierung zu Beginn des Jahres den Anfang. JA Solar wäre der zweite große chinesische Solarproduzent, der privatisiert wird. Damit bleiben Hanwha Q-Cells, Canadian Solar und JinkoSolar die drei großen chinesischen Solarproduzenten, die öffentlich gehandelt werden.

Die Wahrheit ist, dass die chinesischen Solarproduzenten seit jeher Verbindungen zu China und eine Verpflichtung gegenüber dem Land haben. Das bedeutete schon früh, dass die Betriebe wachsen und Arbeitskräfte eingestellt werden mussten, auch wenn die Betriebe nicht rentabel waren. Chinas staatliche Banken stellten Kredite in Milliardenhöhe zur Verfügung, um dieses Wachstum zu ermöglichen.

Die chinesischen Solarhersteller haben in letzter Zeit die meisten ihrer Module an Projekte in China veräußert, obwohl die Wirtschaft anderswo bessere Verkaufspreise bieten könnte. Da China den Ausbau von Solaranlagen für Privathaushalte unterstützt, wird erwartet, dass die einheimischen Hersteller die Nachfrage decken. Sie verzichten damit aber auf die hohen Preise für Solarmodule in den USA, die eine starke Nachfrage Anfang 2018 verzeichnen könnten. Das hat dazu geführt, dass die Hersteller trotz starker kurzfristiger Branchentrends nur sehr geringe Gewinne erzielen konnten.

Was bedeutet das für die Solarenergie?

Wir wissen nicht, ob man den chinesischen Herstellern, die privatisiert werden, einen Anreiz geben wird, den Nachschub zu begrenzen und nachhaltige Gewinne durch Verkäufe an die chinesischen Entwickler zu erzeugen. Wenn die Unternehmen weniger Wachstumsanreize haben und sich auf den Gewinn fokussieren, könnte es helfen, die Preise der Solarpaneele zu stabilisieren.

Es ist auch möglich, dass die Unternehmen in privater Hand Herstellung und Beschäftigung in anderen Bereichen wie Installation ausbauen wollen. Das sind nämlich Bereiche, in denen die Regierung weltweit führend werden möchte. Das könnte zu mehr staatlicher Förderung führen, um die Industrie mit Produkten zu überschwemmen, was zu einem höheren Angebot an Solarmodulen führen und die Preise weiter nach unten drücken könnte.

Die Regierungspolitik könnte sich auf Anbieter wie SunPower (WKN:A1JNM7) und First Solar (WKN:A0LEKM) auswirken, die nicht über die gleichen staatlichen Subventionen verfügen. Im Moment ist nicht klar, welchen Weg Trina oder JA Solar einschlagen werden, doch sie werden ihre Pläne unter Ausschluss der Öffentlichkeit schmieden. Diese fehlende Transparenz wird es den Investoren schwerer machen, vorherzusagen, wie sich Chinas Solarunternehmen im Vergleich zum US-Wettbewerb schlagen.

Mehr Lesen

The Motley Fool empfiehlt First Solar.

Dieser Artikel wurde von Travis Hoium auf Englisch verfasst und am 21.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2017