Weinsteins Noch-Ehefrau bricht ihr Schweigen

Harvey Weinstein und Noch-Ehefrau Georgina Chapman

"Ich war so naiv": Sieben Monate nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe gegen Ex-Hollywood-Mogul Harvey Weinstein hat seine Noch-Ehefrau ihr Schweigen gebrochen. Sie habe Weinstein "niemals" verdächtigt, sagte Georgina Chapman dem Magazin "Vogue" in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. "Da war ein Teil von mir, der schrecklich naiv war - ganz klar, so naiv", sagte die 42-Jährige.

Sie habe geglaubt, eine "sehr glückliche Ehe" zu führen. "Ich liebte mein Leben", sagte sie. Auf die Frage, ob sie jemals Verdacht geschöpft habe, sagte Chapman: "Absolut nicht, niemals."

Chapman ist die Mitbegründerin des Modelabels Marchesa. Sie heiratete Weinstein 2007, das Paar hat zwei Kinder. Chapman verließ ihren Mann kurz nach Bekanntwerden der schweren Vorwürfe, kehrte New York den Rücken, zog nach Los Angeles und später nach London. Derzeit lässt sie sich scheiden.

"Ich habe fünf Kilo in fünf Tagen verloren", sagte Chapman über die Zeit nach Bekanntwerden des Skandals. Sie sei fünf Monate lang nicht mehr ausgegangen, "beschämt und gebrochen" gewesen. Bis heute habe sie die Ereignisse nicht verarbeitet: "Es ist noch immer sehr, sehr wund."

Chapman sagte in dem Interview, sie sehe sich selbst nicht als Opfer, brach aber in Tränen aus, als sie über ihren Sohn und ihre Tochter sprach. "Wie wird ihr Leben aussehen?", fragte sie. "Sie lieben ihren Vater." Chapman will mit den Kindern nun auf einen Bauernhof im Bundesstaat New York ziehen.

Darüber hinaus gibt es Spekulationen, dass Chapmans Label Marchesa nicht überleben wird. Chapman sagte der "Vogue", sie habe aber noch Unterstützer. Bei der Met Gala in New York - einem gesellschaftlichen Höhepunkt des Jahres - trug Hollywoodstar Scarlett Johansson am Montag demonstrativ ein Marchesa-Kleid.

Mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Stars, werfen Weinstein vor, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Weinsteins Karriere ist am Ende, seine Filmproduktionsfirma Weinstein Company meldete Konkurs an. Der Skandal löste die #MeToo-Debatte um sexuelle Übergriffe aus.

Anfang Mai war bekannt geworden, dass der Investor Lantern Capital die frühere Filmproduktionsfirma von Weinstein übernimmt. Diese hatte im März Konkurs angemeldet.

Der Fall des Ex-Hollywood-Moguls soll verfilmt werden: Die Produktionsfirma von Hollywoodstar Brad Pitt, Plan B, und Annapurna Pictures haben laut US-Medienberichten vom April die Rechte für den Film über die Enthüllungen erworben. Der Film wird demnach nicht nur auf die mutmaßlichen Vergehen Weinsteins eingehen, sondern auch auf die Berichterstattung durch die "New York Times".