Weinstein Company wegen Komplizenschaft bei sexueller Belästigung verklagt

Gegen Weinstein wird ermittelt

Die Vorwürfe gegen die Weinstein Company im Zusammenhang mit den Belästigungs- und Vergewaltigungsvorwürfen gegen den früheren Ko-Chef und US-Filmproduzenten Harvey Weinstein nehmen an Schärfe zu. Die Schauspielerin Dominique Huett warf dem Unternehmen in einer am Dienstag in den USA eingereichten Klage Komplizenschaft vor. Die Firma habe das Verhalten eines ihrer Chefs ermöglicht.

Huett schildert in ihrer bei Gericht in Los Angeles eingereichten Klage ein ähnliches Szenario wie schon zahlreiche Kolleginnen zuvor: Weinstein habe sie, die 2015 in der TV-Serie "Blue Blood" mitwirkte, in ein Hotelzimmer gelockt und dort von ihr eine Massage verlangt. Anfangs habe sie sich geweigert, doch der Filmproduzent habe kein "Nein" akzeptiert, heißt es in der Klageschrift.

Anschließend habe Weinstein an Huett Oralsex vollzogen und sich vor ihr selbst befriedigt, lauten die Vorwürfe weiter. Der Vorfall ereignete sich bereits im Jahr 2010. Laut Huetts Anwalt greift Verjährung jedoch dann nicht, wenn die Mandantin vom fortgesetzten Fehlverhalten Weinsteins nichts wusste, bis der Skandal in diesem Monat öffentlich wurde.

In der Klage wird der Weinstein Company vorgeworfen, Weinsteins wiederholte sexuelle Belästigung von Frauen seien unternehmensintern bekannt gewesen. Insbesondere sei bekannt gewesen, dass Weinstein seine "Macht" eingesetzt habe, um junge Schauspielerinnen sexuell gefügig zu machen. Die Firma habe wissen müssen, dass der Filmproduzent ein "besonderes Risiko für andere" gewesen sei. Zumal in mehreren früheren Fällen Opfer seiner sexuellen Belästigungen stillschweigend mit Geld entschädigt worden seien.

Zudem habe die Weinstein Company Weinsteins Verhalten sogar ermöglicht. So seien weibliche Mitarbeiter als "Honigfalle" eingesetzt worden, um die potenziellen Opfer in Sicherheit zu wiegen. Anfangs seien diese Mitarbeiterinnen bei Treffen von Schauspielerinnen mit Weinstein zugegen gewesen. Dann habe er sie weggeschickt, um mit den Opfern allein sein zu können, heißt es in der Klageschrift. Vertreter der Weinstein Company bestreiten bislang, von den Machenschaften Harvey Weinsteins gewusst zu haben.

New Yorks Generalstaatsanwalt hat nach Medienberichten vom Montag inzwischen Ermittlungen gegen die Weinstein Company aufgenommen. Wie die "New York Times" berichtete, beantragte das Bürgerrechtsbüro der Generalstaatsanwaltschaft am Montag eine lange Liste an Dokumenten, darunter Personalangaben und Beschwerdeakten, von der Filmproduktionsgesellschaft.

"Wenn sexuelle Belästigung oder Diskriminierung in einem Unternehmen allgegenwärtig ist, wollen wir das wissen", zitierte das Blatt New Yorks Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman. Auch andere US-Medien berichteten über das Ermittlungsverfahren.

Die von den Brüdern Bob und Harvey Weinstein gegründete Produktionsgesellschaft hatte den 65-Jährigen am 8. Oktober kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe als Ko-Chef entlassen. Harvey Weinstein war vergangene Woche auch aus dem Verwaltungsrat der Produktionsgesellschaft zurückgetreten.

Der lange einflussreiche Hollywood-Produzent Weinstein soll über drei Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigt haben. Rund 40 Frauen haben sich mit entsprechenden Vorwürfen gemeldet, unter anderen die Top-Schauspielerinnen Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Zuletzt trat eine Produktionsassistentin am Dienstag in New York mit Vorwürfen vor die Presse. Mindestens sechs Frauen werfen Weinstein vor, er habe sie vergewaltigt. In New York und Großbritannien wurden bereits Ermittlungen wegen der Vorwürfe eingeleitet.