Weil E-Learning boomt: Studysmarter bekommt nach kurzer Zeit wieder Millionen

Georg Räth
·Lesedauer: 3 Min.
Sie bauen mit Studysmarter eines der erfolgreichsten Edtechs in Deutschland: die Gründer Christian Felgenhauer, Maurice Khudhir, Till Söhlemann und Simon Hohentanner (v.l.)
Sie bauen mit Studysmarter eines der erfolgreichsten Edtechs in Deutschland: die Gründer Christian Felgenhauer, Maurice Khudhir, Till Söhlemann und Simon Hohentanner (v.l.)

Die Corona-Pandemie hat die Schwächen des deutschen Schulsystems im Digitalen entblößt. Es fehlt an ausgereiften Lösungen, viele Eltern sind mit der Doppelbelastung überfordert. Das kommt Startups zugute, die Alternativen im Bereich digitales Lernen bieten und zuletzt ein starkes Wachstum hinlegten. Darunter auch die Macher der Lern-App Studysmarter, die heute den Abschluss einer Zwölf-Millionen-Euro-Runde (15 Millionen US-Dollar) bekannt geben.

In der Series A sind zwei US-Investoren federführend: der Valley-Investor Owl Ventures und Left Lane Capital aus New York. Owl ist auf Edtech spezialisiert, im Portfolio finden sich über 40 Startups, die digitales Lernen anbieten, darunter Masterclass, das etwa Business-Tipps vom Disney-Chef verkauft. Weiterhin an der Studysmarter-Runde beteiligt sind der Balderton-Capital-Partner Lars Fjeldsoe-Nielsen und Altinvestoren wie Dieter von Holtzbrinck Ventures. Die gaben zuletzt in der Seed-Finanzierung im Sommer vergangenen Jahres einen Millionenbetrag.

Studysmarter erreicht eine Million neue Nutzer

Studysmarter stellt den Nutzern Lernmaterialien etwa für Klausurvorbereitungen über eine App zur Verfügung. Besonders während der Corona-Pandemie ist das Münchner Startup eigenen Angaben zufolge rasant gewachsen. Innerhalb eines Jahres habe die Firma eine Million Nutzer gewonnen, neben Schülern nutzen die Lern-Plattform auch Studenten. Auf Nachfrage von Gründerszene verweisen die Münchner auf nunmehr über zwei Millionen Nutzer. Seit dem Start im Jahr 2018 sollen sie über 25 Millionen Lernmaterialen erstellt haben und 94 Prozent der Lernenden hätten durch Studysmarter bessere Noten erreicht, so das Unternehmen.

Die App ist für sie kostenlos. Das Startup um die Gründer Christian Felgenhauer, Maurice Khudhir, Simon Hohentanner und Till Söhlemann finanziert sich unter anderem über Werbung und die Einbettung von Unternehmen, die sich etwa als Arbeitgeber präsentieren.

Mit den neuen Mitteln sollen in einem Jahr zwölf neue Märkte hinzukommen, darunter die USA, Großbritannien, Indien, Brasilien und Indonesien. Zudem soll die Mitarbeiterzahl von derzeit 60 auf 150 aufgestockt werden.

Die Edtech-Branche wächst – und sucht den Dialog mit der Politik

Auch die Konkurrenz nutzte das Corona-Wachstum und machte zuletzt mit Millionen von sich Reden: Im März stieg der Spotify-Investor bei der Lernplattform Gostudent in einer 70-Millionen-Euro-Runde ein. Im April nahm die Online-Schule Lingoda 57 Millionen Euro auf. Sofatutor – eines der ersten Edtechs in Deutschland – wechselte kürzlich den Besitzer und gehört jetzt einer Gruppe von Privatinvestoren.

Die Branche eint ein weiteres Thema: Der Ärger um das Corona-Nachhilfeprogramm der Bundesregierung. Die möchte mit einem Zwei-Milliarden-Paket die digitale Bildung in Deutschland stärken.

Doch die Branche sieht sich dabei zu wenig eingebunden. "Bei dem Corona-Aufholpaket sollten digitale Lernformen als eine wichtige Säule der Unterstützung eingeplant sein. Bislang fehlen konkrete Hinweise darauf, wie das Förderprogramm genau aussehen soll", sagte Sofatutor-Gründer Stephan Bayer im Handelsblatt. Er gehört zu einer Gruppe von Edtech-Gründern, die sich gemeinsam mit dem Bundesverband Digitale Bildung in einem Brief an Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) gewandt haben. Sie fordern unter anderem einen runden Tisch mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der möglichst im Mai stattfinden soll.