Weihnachtswerbung: So buhlen Apple, Amazon, Aldi & Co in diesem Jahr um die Kunden

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
Trügerische Weihnachtsidylle: Penny setzt an Heiligabend auf Versöhnung (Foto: Screenshot © Penny / YouTube).


Alle Jahre wieder weihnachtet es sehr – auch und gerade in der Werbung. Pünktlich zum weltweiten Shopping-Event Black Friday überbieten sich die großen Handelskonzerne und Internetriesen mit Viralwerbung zum Fest der Liebe – ein Überblick von Amazon bis Penny.

Amazon: “Lächeln schenken”

Der Kaufrausch kann beginnen: Am Black Friday stürmt die ganze Welt wieder die Kaufhäuser – offline und online. Der weltgrößte Online-Einzelhändler stimmt deutsche Kunden auf den Shopping-Wahnsinn in seinem Werbeclip „Lächeln schenken“ mit leisen Tönen ein.

Der mit einem Börsenwert von inzwischen 565 Milliarden Dollar zweitwertvollste Internetkonzern der Welt gewährt in seinem 60-Sekünder einen Einblick in die Welt seiner Logistikzentren, die gerade zu Weihnachten auf Hochtouren laufen – und in der Vergangenheit immer wieder für die Arbeitsbedingungen kritisiert wurden.

Im Weihnachtsclip „Lächeln schenken“ lädt Amazon die Arbeitsabläufe in den Logistikzentren zu den Klängen von Supertramps “Give a little bit” emotionell auf, indem der Pfeil des Amazon-Logos auf den Paketen plötzlich zu sprechen beginnt – und die Pakete ein Stück lebendiger werden. Am Ende lächelt so auch die kleine Kundin, die ihr Paket pünktlich zu Weihnachten erhält.

Apple: “Sway”

Auch der Kultkonzern aus Cupertino setzt in diesem Jahr auf eher unaufgeregte Nuancen. Nachdem Apple im vergangenen Jahr Frankenstein und sein Monster zu Helden seines ausgefallenen Weihnachtsclips gemacht hat, geht es diesmal um Menschen wie du und ich – die Apple-Produkte und offenkundig Tanzen mögen.

Die Protagonistin des 90-Sekünders zückt das neue iPhone X, wählt Musik von Sam Smith aus und beginnt, AirPods im Ohr,  durch eine Schneelandschaft zu tanzen. Beschwingt läuft sie dabei einem jungen Mann in die Arme, dem sie daraufhin einen AirPod ins Ohr steckt.

Es beginnt ein wahrer Liebestanz, der sich am Ende jedoch als Illusion erweist – was bleibt, ist die starke Fokussierung auf Apples Drahtlos-Kopfhörer, die im letzten Jahr zu spät in den Weihnachtsverkauf kamen.

Nette Pointe am Rande: Die beiden Protagonisten des Clips, Lauren Yatango-Grant und Christopher Grant, lernten sich im wirklich Leben beim Tanzen kennen – und sind heute miteinander verheiratet. „Move somebody this holiday“, lautet Apples doppeldeutiges Weihnachtsmotto dieses Jahr – am Ende könnte ja die große Liebe dabei herauskommen. (Oder wenigstens neue Kopfhörer.)

Aldi:

Deutschlands Discount-Riese, der zuletzt damit für Schlagzeilen sorgte, dass seine Filialen an Heiligabend geschlossen bleiben, liefert in seinem knappen Weihnachtsclip gute Gründe dafür, den Einkauf für die Feiertage rechtzeitig anzugehen.

Zu sehen sind in dem minimalistischen 30-Sekünder ausnahmslos die Vorzüge eines gut gefüllten Kühlschranks – aus der Perspektive des Kühlschranks. Immer wieder geht die Tür auf und die Laune steigt: mal wegen der vorbereiteten Weihnachtsgans, Schokoladenmuffins, jeder Menge Champagner oder einer Käseplatte.

Warum eine abstruse Geschichte erfinden, wenn die Botschaft zu den Festtagen so klar ist, scheinen sich die Essener gedacht zu haben: Zu Weihnachten zählt ein voller Kühlschrank.

Lidl: “Feiert euer Weihnachten” 

Einen regelrechten Remix hat unterdessen Lidl seiner Weihnachtswerbung verpasst. “Wann ist Weihnachten so künstlich geworden, so überheblich, so perfekt, so unecht, so vollkommen maßlos spaßlos?“ fragen die Neckarsulmer zu Beginn ihres Clips “Feiert euer Weihnachten”, der mit dem Hashtag #beautifullynormal versehen ist.

Statt die perfekte Spießeridylle zu zelebrieren, setzt der Discount-Gigant in diesem Jahr auf die totale Normalität – und damit mutmaßlich mehr auf die Lebenswirklichkeit seiner Kunden. „Echt, chaotisch, laut, krumm und schief, lustig, normal eben. Lasst es uns feiern. Dies ist unser Weihnachten“, lautet das Lidl-Motto der Weihnachtssaison.

Dafür lässt der Aldi-Rivale eine Großfamilie wie in einem R&B-Video zu Weihnachten neben Gabentisch, Tannenbaum und gedeckter Tafel lustige Verrenkungen und schräge Moves vorführen, die in Snapchat-gerechten Schnitten inszeniert werden.

Penny: “Der Weg”

Der vielleicht emotionalste Clip unter den deutschen Einzelhandelskonzernen ist in diesem Jahr Penny gelungen. Rewes Billigtochter bewegt sich im Zweiminüter „Der Weg“  weit vom eigentlichen Markenkern weg und orientiert sich, wie so viele Clips in den vergangenen zwei Jahren, an Edekas Weihnachtsschmonzette #Heimkommen aus dem Jahr 2015.

Wie bei #Heimkommen hat auch bei Penny die ältere Generation mit den Tücken der Festtage zu kämpfen. Während im Edeka-Clip ein vergessener Opa noch einmal die Familie zusammentrommelt, treiben eine Mutter im Penny-Clip vor den Festtagen die unbewältigten Konflikt mit ihrer Tochter um.

Der Weg zur Versöhnung scheint unüberbrückbar, die Mutter fühlt sich buchstäblich, als würde sie auf einem See im Eis einbrechen, sie wird von ihren Selbstvorwürfen aufgefressen wie von einem Wolf und scheint von den Klippen zu stürzen, nur um am Ende doch vor der Haustür ihrer Tochter zu stehen. Der Rest ist ein rührendes Happy-End, ganz nach dem Kampagnen-Motto:  „Weihnachten. Zeit, sich zu versöhnen“.