Weihnachtsmärkte gegen Ladensterben

Der Online-Handel bedroht den stationären Handel. Ausgerechnet Weihnachtsmärkte locken dieses Jahr mehr Menschen in die Städte - und die kaufen.

Rechtzeitig vor Heiligabend, gibt es gute Nachrichten für den stationären Einzelhandel: Die Menschen strömen in die Innenstädte in der Vorweihnachtszeit und kaufen dort ihre Geschenke ein. Der Onlinehandel wächst zwar weiter, doch dessen Zuwachs fällt deutlich moderater aus als in den Vorjahren. Einer der wichtigsten Gründe: die Weihnachtsmärkte.

Das sind die überraschenden Erkenntnisse des "Holiday Newsletter", den die Unternehmensberatung BearingPoint in Zusammenarbeit mit dem Institut IIHD nun vorgestellt hat. In einer Messung der Passantenfrequenz und einer Befragung unter den Menschen, die sich auf der hannoverschen Georgstraße bis zur Frankfurter Zeil bewegten, zeigte sich, dass die Lust am Shopping in den Innenstädten zurückkommt.

Die Experten von BearingPoint haben für den stationären Einzelhandel sogar noch mehr frohe Kunde: Bis zum Heiligabend werden die Kassen noch schöner klingeln – beziehungsweise piepen – als in den ersten Wochen des Weihnachtsgeschäfts.




Für die einzelnen Einkaufsstraßen ergibt sich ein sehr heterogenes Bild, das vor allem im direkten Vergleich zum Vorjahr kräftige Ausschläge zeigt. So legt die Passantenfrequenz auf der Mannheimer Einkaufsmeile Planken um satte 52,4 Prozent zu. Das ist mit Abstand der Spitzenwert vor Städten wie Nürnberg (+13 Prozent auf der Karolinenstraße) oder Münster (+12 Prozent auf der Ludgeristraße). Dem gegenüber stehen massive Verluste beispielsweise auf der Düsseldorfer Schadowstraße (-31 Prozent).

Diese Zahlen sind jedoch auf Grund des Stichprobencharakters nur bedingt aussagekräftig – wichtiger ist der Blick auf die langfristige Entwicklung. Die eine Hälfte der 20 beobachteten Städte kann sich auf eine Sicht von mehreren Jahren über eine gestiegene Frequenz in den Einkaufsstraßen freuen, die Händler auf der Berliner Tauentzienstraße, des Dortmunder Westhellenwegs oder der Stuttgarter Königsstraße müssen auch im Vergleich zum Jahr 2013 mit einer sinkenden Zahl an Weihnachtsshoppern rechnen.




Und obwohl generell Weihnachtsmärkte an Bedeutung verloren haben: Sie sind noch immer einer der wichtigsten Anziehungspunkte für die zahlreichen Menschen, die auch erst in den letzten beiden Wochen vor Heiligabend ihre Geschenke kaufen. Der Holiday Newsletter von BearingPoint misst ein gestiegenes Budget. Im Durchschnitt geben die Deutschen 2017 demnach 300 Euro für Weihnachtsgeschenke aus, im Vergleich zu 290 Euro im Vorjahr. "Nach Jahren des Rückgangs verzeichnet das Budget für Weihnachtsgeschenke eine positive Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr", sagt Jörg Funder, Geschäftsführender Direktor beim IIHD. "Dies bestärkt uns in unserer Prognose von einem Umsatzplus von 4,2 Prozent, das gegenüber dem Handelsverband Deutschland (HDE) mit einem Plus von 3,0 Prozent optimistischer ausfällt, wobei der HDE jedoch auch Lebensmittel in seiner Schätzung beinhaltet."

Vieles von dem Budget landet im Onlinehandel. Diese Einkäufe sind jedoch meist bereits erledigt. Dafür gibt es mehrere Gründe. "Es lässt sich beobachten, dass Online-Käufe tendenziell vorgezogen werden", sagt Kay Manke, Partner bei BearingPoint und führt gleichzeitig die Gründe für den Trend an: "Einerseits besteht eine gewisse Angst, dass die Konsumenten die bestellte Ware nicht rechtzeitig zum Fest erhalten. Andererseits waren die Online-Shopping-Events um den Black Friday und Cyber Monday dieses Jahr in Deutschland besonders präsent, was die Verbraucher zum früheren Online-Kauf bewegt hat."




Für den stationären Handel heißt das: Spätentschlossene und jene, die sicher gehen wollen, dass sie ihre Präsente in den Händen halten, um keine Bescherung unterm Weihnachtsbaum zu erleben, gehen ins Geschäft. Selbst die fleißigsten Besteller sind noch nicht ganz verloren für den stationären Handel. Immerhin 8,9 Prozent der reinen Online-Shopper erklärten, sie planten häufiger in die Innenstadt zu kommen. C3-Käufer sind jene, die sowohl Online wie stationär einkaufen: Hier liegt die Quote derjenigen, die gleich häufig oder sogar öfter in die Innenstadt gehen, bei satten 73 Prozent. Von denen, die erklärten, auf jeden Fall öfter durch die Einkaufsstraßen zu kommen, liegt noch bei 24 Prozent.

Und für mehr als die Hälfte ist dabei der Besuch des Weihnachtsmarktes wichtiger Bestandteil. Je häufiger Menschen in der Innenstadt shoppen, desto größer ist auch deren Freude am Besuch des Weihnachtsmarkt, dem die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen kaum etwas von seiner Anziehungskraft zu rauben scheint. Weitere Gründe für den Gang ins Geschäft sind Sonderangebote und die klassische Beratung.

KONTEXT

Wie viel die Deutschen in den einzelnen Bundesländern für Produkte ausgeben

Zur Untersuchung

Ein Blick in die Warenkörbe des Onlinehändlers Otto verrät, wo wie viel für welche Produkte ausgegeben.

Lesebeispiel: Berliner Otto-Kunden, die in den vergangenen zwölf Monaten Strandkörbe bei dem Online-Händler bestellten, gaben dafür im Schnitt 514,58 Euro aus

(Durchschnittswerte pro Bestellung im Zeitraum Dezember 2016 - November 2017 // Quelle: Otto.de)

Drohnen & Gadgets

Baden-Wuerttemberg

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Bayern

638,83 €

Berlin

610,03 €

Brandenburg

686,32 €

Bremen

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Mecklenburg-Vorpommern

617,82 €

Niedersachsen

586,77 €

Nordrhein-Westfalen

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Rheinland-Pfalz

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Saarland

512,62 €

Sachsen

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Sachsen-Anhalt

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E-Bikes & Pedelecs

Baden-Wuerttemberg

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Brandenburg

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Mecklenburg-Vorpommern

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Niedersachsen

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Nordrhein-Westfalen

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Rheinland-Pfalz

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Sachsen

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Fernseher

Baden-Wuerttemberg

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Bayern

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Rheinland-Pfalz

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Sachsen

548,71 €

Sachsen-Anhalt

572,90 €

Schleswig-Holstein

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Thueringen

529,67 €

Kaffee-Vollautomat

Baden-Wuerttemberg

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Bayern

526,52 €

Berlin

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Brandenburg

524,31 €

Bremen

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Hamburg

564,57 €

Hessen

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Mecklenburg-Vorpommern

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Niedersachsen

572,05 €

Nordrhein-Westfalen

564,32 €

Rheinland-Pfalz

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Saarland

537,26 €

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512,79 €

Sachsen-Anhalt

529,16 €

Schleswig-Holstein

552,70 €

Thueringen

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Mountainbike

Baden-Wuerttemberg

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Bayern

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Berlin

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Brandenburg

428,16 €

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Hamburg

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Hessen

504,73 €

Mecklenburg-Vorpommern

413,37 €

Niedersachsen

467,19 €

Nordrhein-Westfalen

452,30 €

Rheinland-Pfalz

469,59 €

Saarland

506,58 €

Sachsen

497,77 €

Sachsen-Anhalt

454,72 €

Schleswig-Holstein

502,23 €

Thueringen

549,14 €

Notebooks

Baden-Wuerttemberg

677,68 €

Bayern

670,36 €

Berlin

691,48 €

Brandenburg

610,28 €

Bremen

650,19 €

Hamburg

701,99 €

Hessen

656,33 €

Mecklenburg-Vorpommern

596,32 €

Niedersachsen

656,48 €

Nordrhein-Westfalen

672,90 €

Rheinland-Pfalz

628,77 €

Saarland

594,74 €

Sachsen

618,55 €

Sachsen-Anhalt

575,96 €

Schleswig-Holstein

639,14 €

Thueringen

602,73 €

Rasentraktoren

Baden-Wuerttemberg

1.621,43 €

Bayern

1.753,64 €

Berlin

1.641,66 €

Brandenburg

1.770,58 €

Bremen

1.389,99 €

Hamburg

1.858,32 €

Hessen

1.619,31 €

Mecklenburg-Vorpommern

1.745,35 €

Niedersachsen

1.619,72 €

Nordrhein-Westfalen

1.607,44 €

Rheinland-Pfalz

1.732,86 €

Saarland

1.639,09 €

Sachsen

1.691,76 €

Sachsen-Anhalt

1.683,32 €

Schleswig-Holstein

1.627,44 €

Thueringen

1.572,29 €

Smartphones

Baden-Wuerttemberg

554,29 €

Bayern

560,12 €

Berlin

555,77 €

Brandenburg

489,28 €

Bremen

579,91 €

Hamburg

559,96 €

Hessen

557,94 €

Mecklenburg-Vorpommern

461,30 €

Niedersachsen

524,72 €

Nordrhein-Westfalen

559,20 €

Rheinland-Pfalz

543,55 €

Saarland

502,19 €

Sachsen

485,23 €

Sachsen-Anhalt

485,76 €

Schleswig-Holstein

529,40 €

Thueringen

466,24 €

Smartwatch

Baden-Wuerttemberg

441,63 €

Bayern

449,04 €

Berlin

431,46 €

Brandenburg

417,83 €

Bremen

421,24 €

Hamburg

444,17 €

Hessen

433,30 €

Mecklenburg-Vorpommern

428,26 €

Niedersachsen

429,32 €

Nordrhein-Westfalen

434,60 €

Rheinland-Pfalz

421,10 €

Saarland

452,75 €

Sachsen

420,69 €

Sachsen-Anhalt

414,57 €

Schleswig-Holstein

431,51 €

Thueringen

408,01 €

Strandkörbe

Baden-Wuerttemberg

587,17 €

Bayern

392,27 €

Berlin

514,58 €

Brandenburg

607,19 €

Bremen

549,99 €

Hamburg

555,08 €

Hessen

649,77 €

Mecklenburg-Vorpommern

589,99 €

Niedersachsen

565,34 €

Nordrhein-Westfalen

493,39 €

Rheinland-Pfalz

507,80 €

Saarland

441,19 €

Sachsen

569,95 €

Sachsen-Anhalt

608,07 €

Schleswig-Holstein

618,08 €

Thueringen

560,39 €