Ein weiblicher Faust

Elisa Eberle
·Lesedauer: 2 Min.

Die israelische Neo-Noir-Serie "Losing Alice" erzählt von einer Frau Ende 40 und ihrem Hadern mit ihrem Alter und dem männerdominierten Filmgeschäft.

In ihren besten Jahren war Alice (Ayelet Zurer) eine gefeierte Regisseurin. Doch mit der Geburt ihrer Kinder hat sich die Israelin zunehmend dem Familienleben verschrieben: Während ihr Ehemann David (Gal Toren) als Schauspieler nach wie vor gefragt ist, verschwindet sie zunehmend in dessen Schatten und hinter unbedeutsamen Kleinprojekten. Umso geschmeichelter zeigt sich die unscheinbare Frau, als sie im Zug von einem jungen Fan (Lihi Kornowski) angesprochen wird. Was dann passiert, erzählt die amerikanisch-israelische Autorin und Regisseurin Sigal Avin in ihrer Thrillerserie "Losing Alice", deren erste drei Folgen ab Freitag, 22. Januar, auf Apple TV+ verfügbar sind. Fünf weitere Episoden sollen fortan immer freitags folgen.

Sophie heißt die junge Frau, die Alice so überraschend anspricht. Sie ist 24 Jahre alt, Drehbuchautorin und hat, nach eigenen Angaben, lange auf ein Treffen mit ihrem Idol gewartet. Dass Alice doppelt so alt ist wie sie, scheint Sophie nicht zu stören, ganz im Gegenteil zu ihrer Gesprächspartnerin, die sie fortan mit Fragen löchert: "Ich will nicht neugierig sein, aber ich würde zu gern wissen, ob das wirklich passiert ist oder ob es alles erfunden ist?", fragt Sophie. "Warum ist das wichtig?", erwidert Alice. "Im Grunde beginnt alles mit einem Fünkchen Wahrheit", fügt sie hinzu. Ob diese Aussage auch auf Sophies Drehbuch zutrifft, sollen sowohl Alice als auch die Zuschauer erst im Verlauf der Miniserie erfahren. Denn dank eines mysteriösen Vorfalls soll ausgerechnet Alice Sophies Erstlingswerk verfilmen - mit David in einer der Hauptrollen ...

Düster und anspruchsvoll

Mit ihrer Protagonistin Alice porträtiert Regisseurin und Drehbuchautorin Sigal Avin eine höchst verunsicherte, unzufriedene und zunehmend eifersüchtige Frau. Mit ihrer Angst vor dem eigenen Altern erinnert sie hier und da an den berühmten literarischen Antihelden Faust aus der gleichnamigen Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe. Doch während dieser sich durch einen Pakt mit Teufel kurzerhand jünger macht, verbeißt Alice sich zunehmend auf ihre einzige gefährliche Kontrahentin: die junge, schöne und mysteriöse Sophie. Besessen von ihr und ihrer Geschichte treibt sich Alice selbst in immer wahnwitzigere Aktionen und einen Strudel aus Angst, Schuldgefühlen und Eifersucht.

"Losing Alice" ist eine düstere Serie, die von matten Farben und spannungsgeladener Musikuntermalung lebt. Die vereinzelten Vor- und Rückblenden sowie die Ausflüge in das Unterbewusstsein der Protagonistin sind zwar nicht immer aufschlussreich, erhöhen aber dennoch den Nervenkitzel, den der Zuschauer beim Konsum der einzelnen, rund 50-minütigen Episoden erfährt.