Weißer Ring: Viele Opfer fühlen sich von Ermittlern schlecht behandelt

Beim Wechsel von Telefonanbietern gibt es nach wie vor oft Probleme. Bis Juli des laufenden Jahres gingen 11.000 Kundenbeschwerden bei der Bundesnetzagentur ein, wie aus der Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervorgeht

Polizei und Staatsanwaltschaft behandeln Opfer von Straftaten und deren Angehörige einer Studie zufolge häufig unangemessen. Etwa die Hälfte der Opfer und Angehörigen fühle sich über den Verfahrensstand und über die eigenen Rechte nicht ausreichend informiert, ergab die am Mittwoch vom Weißen Ring gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden veröffentlichte Auswertung von Strafakten, Erhebungsbögen und Interviews.

Demnach dauerten die Vernehmungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft oft länger als zwei Stunden, in vielen Fällen seien Opfer mehrfach vernommen worden. Darüber hinaus sei nach Angaben der Befragten bei weniger als zwei Prozent aller Vernehmungen ein Rechtsanwalt des Opfers dabei gewesen. 41 Prozent der Befragten gaben an, zu wenige Informationen über Hilfsmöglichkeiten von den Ermittlern erhalten zu haben.

Roswitha Müller-Piepenkötter, Vorsitzende des Stiftungskuratoriums beim Weißen Ring, forderte eine Stärkung der Opferschutzbeauftragten bei der Polizei. Darüber hinaus müssten Polizisten und Staatsanwälte intensiver für die Perspektive von Opfern sensibilisiert werden - "am besten schon in der Aus- und dann in der Weiterbildung".

BKA-Präsident Jörg Ziercke erklärte, die Ergebnisse zeigten "deutlich", wie sehr ein Ermittlungsverfahren ein Opfer noch zusätzlich zur eigentlichen Tat belasten könne. Ermittler stünden in der Pflicht, mit aller Behutsamkeit vorzugehen und frühzeitig zu erkennen, wie eine weitere Belastung für ohnehin schon traumatisierte Menschen vermieden werden könne.

Die Forscher analysierten unter anderem 178 Strafakten mit 251 Erhebungsbögen, führten 87 qualitative Interviews mit Opfern und Angehörigen und werteten 320 an Opfer gerichtete Fragebögen aus. Zudem nahmen sie an Gruppengesprächen mit Polizisten, Anwälten, Opferhelfern und Therapeuten teil.