Das ist der malaysischen Casino-Milliardär, in dessen MV Werften 1.900 nun Jobs in Gefahr sind

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Der Chef der malaysischen Genting Group, Tan Sri Lim Kok Thay, bei einem Termin in Norddeutschland.
Der Chef der malaysischen Genting Group, Tan Sri Lim Kok Thay, bei einem Termin in Norddeutschland.

In Schwerin wird heute über einen Kredit in Höhe von 78 Millionen Euro verhandelt. Die Streitparteien: Das Land Mecklenburg-Vorpommern auf der einen Seite – die hatte im Sommer vergangenen Jahres den Kredit für eine später erwartete Liquiditätslücke zugesagt. Die Mutter der MV Werften, die Genting Hongkong, will und braucht das Geld aber schon jetzt. Denn die MV Werften haben gestern einen Insolvenzantrag gestellt.

Genting Hongkong ist ein fast 30 Jahre alter Tourismuskonzern, hinter dem der malaysische Unternehmer Tan Sri Lim Kok Thay steckt. In dessen Händen – und den Händen der deutschen Politik – liegt jetzt das Schicksal von rund 1900 Mitarbeitern. Unklar ist nämlich nicht nur, wann sie ihren Lohn bekommen, sondern auch, ob und wie viele von ihnen in Wismar, Rostock und Stralsund weiter arbeiten dürfen. Und noch eine weitere Werft droht im Insolvenz-Strudel von Genting unterzugehen. Am Montag wurde bekannt, dass auch die Bremerhavener Lloyd-Werft Insolenz anmelden musste. Auch sie gehört zum Genting-Konzern. Rund 300 Arbeitsplätze sind hier in Gefahr.

Um den Spuren des Unternehmers zu folgen, müsste man von Wismar, dem Firmensitz der MV Werften, aus eine weite Reise auf sich nehmen. Mehr als 10.000 Kilometer Luftlinie sind es zwischen Deutschland und Malaysia, der Wahlheimat des 70-jährigen Milliardärs Tan Sri Lim Kok Thay. Laut "Forbes" zählt er zu den 15 reichsten Malaysiern und steht auf der Liste der weltweiten Milliardäre auf Platz 1174. "Forbes" schätzt sein Vermögen auf umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro.

Auch die Insel Borneo gehört zu Malaysia.
Auch die Insel Borneo gehört zu Malaysia.

Sein Vater hatte einst eines der erfolgreichsten Spielcasinos der Welt gegründet

Eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt Lims Vater, Lim Goh Tong, der 2007 im Alter von 89 Jahren gestorben ist. Er war zu seiner Zeit der reichste Malaysier und bekannt dafür, in den 1960er-Jahren auf der Bergkuppe "Genting Highlands" unweit von Kuala Lumpur ein gigantisches Resort aus Hotels, Freizeitparks, Gastronomien und Spielcasinos gegründet zu haben. Zeitweise war es eines der erfolgreichsten Casino-Resorts der Welt. In seinem Buch "My Story" beschreibt Lim Goh Tong, wie er durch seine harte Arbeit und Ausdauer zu beruflichem Erfolg gekommen ist.

Unter diesem Eindruck muss Tan Sri Lim Kok Thay, Jahrgang 1951, aufgewachsen sein. An der Universität in London schloss er einen Bachelor der Bau-Ingenieur-Wissenschaften ab, mit 28 Jahren absolvierte er ein Management-Programm an der Harvard Business School in Boston.

Die Firma Genting Hongkong, die er leitet, ist unter anderem in der Tourismus-Branche tätig. Ihr kennt vielleicht eine der Kreuzfahrt-Reedereien der Firma: Star Cruises, das drittgrößte Kreuzfahrt-Unternehmen nach der Carnival Corporation (unter anderem AIDA) und Royal Caribbean Cruises (ist unter anderem hälftig an TUI Cruises beteiligt).

Privat ist wenig von dem Leben des Milliardärs bekannt. Er soll mit seiner Frau Puan Sri Cecilia drei Kinder haben – und Kunst sammeln. Ein Tweet zeigt ihn 2013 beim Singen mit einem Geschäftspartner:

Eigentlich soll dieses Jahr das größte Kreuzfahrtschiff der Welt fertig gebaut werden

2015 kaufte die Genting-Group schließlich die MV Werften mit dem Plan, so Lim Kok Thay, einen "sehr aktiven Schiffbau-Standort" aufzubauen. Tatsächlich ist Luxus im Spiel: Die "Global I", die gerade in der Werft gebaut wird, soll das größte Kreuzfahrtschiff der Welt werden. Seit der Corona-Pandemie ist das Kreuzfahrtgeschäft des Unternehmens jedoch in Schieflage geraten.

Das Ausfallrisiko des Landes Mecklenburg-Vorpommern bei den MV Werften beläuft sich nach Angaben der Landesregierung auf bis zu 379 Millionen Euro – neben dem umstrittenen Kredit über 78 Millionen Euro für den Mutterkonzern gibt es in den MV Werften 301 Millionen Euro Kreditbürgschaften.

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