Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats

Personalwechsel bei der Lufthansa: Karl-Ludwig Kley wird neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats der Lufthansa. Wolfgang Mayrhuber legt sein Amt nieder. Was hinter dem Wechsel steckt.



Bei der Lufthansa hat der Aufsichtsratschef gewechselt. Der frühere Lufthansa-Finanzvorstand und Ex-Merck-Chef Karl-Ludwig Kley folgt auf Wolfgang Mayrhuber, der sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat. Das gab Deutschlands größte Fluglinie am Montag bekannt.

Der 66-jährige Kley ist promovierter Jurist und seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Lufthansa AG. Er war von 1998 bis 2006 Finanzvorstand der Lufthansa, bevor er von 2006 bis 2016 Mitglied der Geschäftsleitung und ab 2007 als deren Vorsitzender die Führung der Merck KGaA übernahm. Mit dem Wechsel ein halbes Jahr vor Ende seiner Amtszeit wolle er eine kontinuierliche Entwicklung stützen, sagte Mayrhuber einer Mitteilung vom Montag zufolge.

Der Abschied von Mayrhuber ist keine Überraschung. Die WirtschaftsWoche berichtet bereits im Juni von dem bevorstehenden Wechsel. Der gebürtige Österreicher hat seit längerem gesundheitliche Probleme. Trotzdem hielt er durch. Mayrhuber wollte den wesentlichen Teil des Konzernumbaus zu begleiten. Hierzu zählte vor allem der Ausbau der Billigtochter Eurowings, den er nach langem Widerstand doch mit Überzeugung umsetzte. 




Auch neue Tarifverträge, die allen Beschäftigten und vor allem den Piloten Opfer abverlangen, brachte Mayrhuber nach zähem Ringen noch zum Abschluss. „Da wollte er nicht mittendrin gehen und  eine Art Vakuum an der Spitze hinterlassen“, heißt es im Konzern.

Dazu erweis sich der Wechsel zu Kley schwieriger als gedacht. Mayrhubers früherer Finanzchef galt zwar länger als Favorit. Doch nachdem er sich vor etwa zwei Jahren in einem Pressegespräch ungewöhnlich klar für den Posten des obersten Lufthanseaten in Stellung gebracht hatte, stieß er im auf Zurückhaltung bedachten Konzern auf Widerstand. „Weite Teile der Aktionäre wollten plötzlich lieber den weniger auffälligen ehemaligen SAP-Vorstand Werner Brandt haben“, so ein Insider. Nachdem Brandt passte und Kley sich zurückhielt, wurde er wieder zum Favoriten.

Kleys Berufung dürfte auch das zuletzt etwas angespannte Verhältnis von Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr zu seinen Aufsehern wieder entspannen. „Mayrhuber und Spohr wurden nie recht warm“, so ein Insider. Das lag nicht nur daran, dass Spohr als Zögling von Mayrhubers Vorgänger Jürgen Weber galt, mit dem Mayrhuber zuletzt über Kreuz lag. Spohr forderte auch mehr Spielraum sowie grundlegendere Änderungen wie den Verzicht auf viele gewohnte Privilegien für Manager und Mitarbeiter als Mayrhuber zulassen wollte.

Die Spannungen verstärkten sich in der Zeit vor dem Wechsel Spohrs auf dem Posten des Konzernchefs zum 1. Mai 2014. Spohrs Ernennung galt damals eigentlich als gesetzt. Sein Vorgänger, Christoph Franz, hatte im Herbst 2013 nach einem Kampf mit dem Aufsichtsrat über einen neuen Arbeitsvertrag überraschend gekündigt. Doch statt Spohr schnell zu berufen, zögerte Mayrhuber laut Insidern die Ernennung länger heraus als nötig. Stattdessen suchte Mayrhuber auch zur Überraschung anderer Aufsichtsräte der Kapitalseite intensiv mit Hilfe von Personalberatungen nach Alternativen. „Der scheinbare Zweifel der Eigentümer an Spohrs Eignung hat dessen Standing gerade in den beginnen Arbeitskämpfen mit den Piloten nicht gerade befördert“, so ein Insider.