Wechsel in Angolas Präsidentenamt nach fast 40 Jahren

José Eduardo dos Santos (l.) und João Lourenço

Der afrikanische Ölstaat Angola hat nach fast 40 Jahren einen neuen Präsidenten: Der bisherige Verteidigungsminister João Lourenço trat am Dienstag die Nachfolge von José Eduardo dos Santos an, der das Land seit 1979 regiert hatte. Ihre Partei Volksbewegung für die Befreiung Angolas (MPLA) hatte im August die Parlamentswahl mit 61 Prozent der Stimmen gewonnen. Gemäß der Verfassung bestimmt die stärkste Partei im Parlament das neue Staatsoberhaupt.

Der 74-jährige dos Santos, der gesundheitlich angeschlagen sein soll, nahm an der Zeremonie in der Hauptstadt Luanda teil. Nach eigenen Angaben will er bis 2022 weiterhin MPLA-Parteichef bleiben. Er stand seit 1979 an der Staatsspitze der ehemaligen portugiesischen Kolonie, die 1975 unabhängig wurde.

Zwischen 1975 und 2002 herrschte in Angola ein Bürgerkrieg, in dem die Unita-Partei des jetzigen Oppositionsführers Isaias Samakuva unterlag. Der 63-jährige Lourenço kämpfte als junger Mann zunächst gegen die portugiesische Kolonialmacht, später gegen die Unita.

Wie dos Santos hielt er sich zu Zeiten des Kalten Krieges zum Studium in der Sowjetunion auf. Nach seiner Rückkehr wurde er der politische Chef des bewaffneten Arms der linksgerichteten MPLA.

1984 wurde Lourenço Gouverneur der Provinz Moxico, im Jahr 2014 Verteidigungsminister - ein Amt das er noch bis vor kurzem innehatte. Er kündigte an, dass er mehr ausländische Investoren nach Angola holen und dort ein "Wirtschaftswunder" bewirken wolle.

Als großer Erdöl-Lieferant hat das Land im Südwesten Afrikas lange Jahre von hohen Öleinnahmen profitiert. Das Geld kam den etwa 28 Millionen Angolanern aber nur in sehr beschränktem Umfang zugute. Sinkende Ölpreise verursachten in den vergangenen Jahren eine hohe Inflation, zunehmende Arbeitslosigkeit und einen Verfall der Landeswährung.

Bei der Parlamentswahl vor fünf Jahren hatte die MPLA-Partei noch 72 Prozent der Stimmen erhalten. Angola ist derzeit mit einem Pro-Kopf-Jahreseinkommen von knapp 3000 Euro eines der ärmsten Länder der Welt. Das Land leidet noch immer unter den Folgen des Bürgerkriegs, in dem etwa 500.000 Menschen getötet wurden.