WEC Fuji 2017: Porsche erwartet "schwieriges Rennen"

Das Trio in der Startnummer 2 will erneut auf Platz Nummer eins


Porsche sieht dem siebten von neun Läufen zur Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) mit Hochspannung entgegen: Auf dem Fuji International Speedway am Fuße des höchsten Bergs Japans könnte am 15. Oktober eine vorzeitige Titelentscheidung fallen. Mit einer 1,5 Kilometer langen Geraden verdient die Rennstrecke den Nachnamen "Speedway": Abhängig von ihrer aerodynamischen Konfiguration werden die Le-Mans-Prototypen von Toyota und Porsche dort teilweise über 300 km/h schnell sein.

Der kurvige weitere Streckenverlauf bildet einen harten Kontrast und verlangt komplizierte Abstimmungskompromisse. Das Wetter rings um den perfekt geformten Vulkankegel des 3.776 Meter hohen Fuji-san kann noch spätsommerlich warm oder auch schon herbstlich unbeständig sein.

Sollte es den Tabellenführern Earl Bamber, Timo Bernhard und Brendon Hartley gelingen, mit ihrem Porsche 919 Hybrid vor den bestplatzierten Toyota-Fahrern ins Ziel zu kommen, wären sie die neuen Fahrer-Weltmeister. Sie liegen mit 159 Punkten an der Tabellenspitze vor Kazuki Nakajima und Sebastien Buemi mit 108 Zählern.

Die Fahrer des zweiten Porsche 919 Hybrid, der amtierende Weltmeister Neel Jani, Andre Lotterer und Nick Tandy, sind mit 83 Punkten Tabellenvierte. Gelänge Porsche in Japan gar der vierte Doppelsieg dieser Saison, wären die Zuffenhausener auch Hersteller-Weltmeister - im dritten Jahr in Folge. Doch Toyota gilt als Favorit beim Heimrennen. Nach sechs von neun Läufen hat Porsche 242 Punkte gesammelt, Toyota 168,5.

Porsche-Stimmen vor dem Rennen

Fritz Enzinger (Leiter LMP1): "Arithmetik hilft nicht weiter bei einem 6-Stunden-Rennen. Die lange Gerade in Fuji wird unseren Motoren alles abverlangen, und der Überrundungsverkehr in den kurvenreichen Passagen birgt permanent hohe Risiken. Wir sind auf Kurs, unsere beiden WM-Titel 2017 erneut zu verteidigen und sollten besonnen bleiben. Wir haben in der bisherigen Karriere des Porsche 919 Hybrid immerhin 59 von 64 möglichen Zielankünften erreicht. Die Distanz zu bewältigen, ist immer die Basis."

Andreas Seidl (Teamchef): "Hinsichtlich der Aerodynamik-Konfiguration stellt der Fuji Speedway widersprüchliche Anforderungen an einen Rennwagen. 1,5 der 4,5 Kilometer langen Runde geht es schnurgeradeaus, da ist minimaler Luftwiderstand gefragt. In den 16 Kurven wird dagegen Anpressdruck verlangt. Das Reglement lässt zwei Aeropakete pro Saison zu: Es gibt ein Le-Mans-Paket für geringen Luftwiderstand und eines für hohen Anpressdruck. Nach ausgiebiger Datenanalyse und Simulation werden wir uns auf unser High-Downforce-Paket konzentrieren und dieses innerhalb der vorgegebenen Möglichkeiten auf mittleren Abtrieb trimmen."

Neel Jani: "Unser erstes Asien-Rennen 2017 wird extrem schwierig. Toyota hat in Austin ganz klar wieder Stärke gezeigt, und beim Heimrennen in Japan trumpfen sie traditionell noch einmal richtig auf. Ich vermute, dass sie uns auf der Geraden überlegen sein werden. 2016 war es sowohl im Qualifying als auch im Rennen extrem knapp in Fuji. Nach sechs Stunden kamen die Prototypen von drei Herstellern innerhalb von 17 Sekunden ins Ziel. Worauf ich mich auch freue: Der Blick von der Strecke auf den Mount Fuji ist wunderschön."

Andre Lotterer: "In Fuji hatte ich 2003 ein einschneidendes Erlebnis: Damals bin ich nach einem Formel-Nippon-Test gleich für drei Jahre geblieben und habe in Gotemba gewohnt. Ich fahre ja auch heute noch in der japanischen Super Formula und wohne mittlerweile in Tokio. Ich mag Japan sehr und habe mich entsprechend gefreut, als Fuji 2012 in den WEC-Kalender kam. Die Fans sind großartig und wissen extrem gut Bescheid. Der Fuji Speedway ist eine tolle Rennstrecke in einer wunderbaren Landschaft. Die beiden schnellen Kurven zwei und drei mag ich besonders. Ich habe in Fuji leider noch nie mit einem LMP1 gewonnen. Es wird jetzt dringend Zeit, das nachzuholen."

Nick Tandy: "Die Rennstrecke in Fuji ist für mich eine Ikone, und Japan hat eine große Motorsporttradition - dieser WM-Lauf hat einen sehr hohen Stellenwert in der Weltmeisterschaft. Ich freue mich auf die vielen und enthusiastischen Fans. Wir haben einen Lokalmatador im Auto, und ich hoffe, Neel und ich können von Andres Beliebtheit etwas profitieren."

Earl Bamber: "Ich habe gemischte Erinnerungen an Fuji: 2014 habe ich dort beide Rennen zum Carrera Cup Asia gewonnen; 2015 im WEC-Rennen hat mich ein Audi rausgekegelt. Aber so oder so genieße ich es sehr, in Japan zu fahren und bin ein großer Fan der japanischen Kultur. Uns erwartet bestimmt ein hartes Wochenende mit starker Konkurrenz von Toyota. Viel wird davon abhängen, wie gut der Spagat zwischen viel und wenig Abtrieb gelingt. Meine Lieblingsstelle auf dem Fuji Speedway ist die lange Rechtskurve 100 R im Mittelsektor."

Timo Bernhard: "Die Rennsportkultur in Japan und die Sachkundigkeit der Fans sind klasse. Wir bekommen sogar immer kleine Geschenke. Sportlich wird es hart gegen Toyota und spannend, welches Fahrzeugkonzept sich durchsetzt und wer den besten Kompromiss für die verschiedenen Streckenanforderungen findet. Die Sektoren eins und zwei sind sehr schnell. Die Start-und-Ziel-Gerade ist die längste der Saison, und die Bergab-Passage nach Kurve sechs geht auch mit Vollgas. In Sektor drei hingegen sind reihenweise enge Kurven miteinander verknüpft. Dieser Abschnitt ist auch entscheidend für den Reifenverschleiß."

Brendon Hartley: "Wir freuen uns alle auf Japan. Toyota hat das Rennen im vergangenen Jahr gewonnen, und ich habe das Gefühl, dass sie auch diesmal mit mächtig Power zum Heimrennen antreten werden. Wir werden absolut unser Bestes geben müssen, wenn wir unseren fünften Saisonsieg holen wollen."

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