WEC-Chef: Formel E ist Marketing, kein Sport

Die Formel E ist kein Konkurrent zur WEC, findet Gerard Neveu


Die LMP1-Hybridkategorie der Langstrecken-Weltmeisterschaft hat sich binnen zwei Jahren von einer boomenden Kategorie zu einem großen Sorgenkind gewandelt. Von ehemals vier Herstellern ist nur noch einer übrig geblieben. Neben Fehlern beim ACO, die zweifellos gemacht wurden , hat der Le-Mans-Veranstalter aber auch Pech gehabt: Erst kam der Dieselskandal bei Volkswagen, dann ein urplötzlicher politischer Schwenk in Richtung Elektromobilität.

Des einen Leid ist des anderen Freud: Die Formel E kann sich über einen riesigen Zulauf von Herstellern freuen. Jeder Autokonzern kann so plötzlich relativ kostengünstig zeigen, etwas für Elektromobilität zu tun - ganz gleich, ob ein Systemwechsel in der Automobilwelt ansteht oder nicht. Audi und Porsche haben sogar die Fronten gewechselt: Formel E statt WEC. Elektro ist "in" - zumindest für die Marketingexperten der Automobilbranche. Motorsport, in dem noch ein Verbrennungsmotor zu hören ist, wird dort hingegen zunehmend als Dinosaurier wahrgenommen - selbst mit Hybridtechnik.

WEC-Chef Gerard Neveu sieht die Formel E trotzdem nicht als direkten Konkurrenten an. Zwar gibt er sich versöhnlich mit der Rennserie von Alejandro Agag, zeigt aber auch gleichzeitig, was er von der ihr hält. "Das ist unmöglich miteinander zu vergleichen", sagt er gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Sie veranstalten Marketing-Events in Städten und keinen wirklichen Motorsport. Den machen wir. Schlussendlich ergänzen sich unsere Aktivitäten, ohne in Konflikt miteinander zu stehen."

Neveu und ACO-Chef Pierre Fillon suchen derzeit verzweifelt nach Wegen, wieder Hersteller in die LMP1-Kategorie zu locken. Schwierig, wenn die alle in der Formel E sind. Auch Peugeot hat man gerade an die Elektromobilität verloren: Obschon der ACO einen ganzen Reglements-Entwurf auf die Löwen zuschusterte, machen sie lieber Elektromobilität in der Rallycross-Weltmeisterschaft ab 2020.

"Das (die Herstellersuche; Anm. d. Red.) ist eine permanente Aufgabe", sagt der 52-Jährige. "Wir hatten zahlreiche Meetings mit der Technischen Kommission und Hersteller-Vertretern. Wir konzentrieren uns mit den neuen Regeln für 2020 darauf." Einer Regeldiktatur sagt er ab - das funktioniere im Motorsport nicht mehr. "Wir werden die Entscheidung auf der Basis von Diskussionen und Prioritäten fällen." Derzeit zeichnet sich ein Schritt in Richtung GTP ab - Prototypen mit einem Wiedererkennungswert für Hersteller nach DPi-Vorbild.

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