WDR-Journalist soll Praktikantin Porno gezeigt haben

Beim WDR kommen aktuell mehrere Fälle sexueller Belästigung ans Tageslicht. (Bild: WDR/Herby Sachs)

Der WDR muss sich zurzeit mit mehreren Fällen sexueller Nötigung auseinandersetzen. Unter anderem soll ein Auslandskorrespondent mehrere Kolleginnen bedrängt haben. Auch ein weiterer Reporter des Senders steht im Verdacht.

Obwohl er mehrere Frauen sexuell bedrängt haben soll, soll ein Korrespondent noch immer für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) arbeiten. Wie das Wochenmagazin „Der Stern“ und das Recherchezentrum „Correctiv“ berichten, gibt es Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Mann, dessen Identität bisher unbekannt ist.

Eine ehemalige Praktikantin sowie eine Kollegin des WDR-Journalisten, der als Auslandskorrespondent bei dem Sender arbeitet, haben die Übergriffe betriebsintern gemeldet. Doch Konsequenzen hatte das scheinbar nicht. Zwar soll sich WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich mit dem Fall auseinandergesetzt haben – mehr als einen Aktenvermerk gab es für den Beschuldigten aber nicht. Die Vorfälle liegen bereits mehrere Jahre zurück.

Auch WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich soll Bescheid gewusst haben. (Bild: Wenn)

Im Jahr 2012 soll besagter Korrespondent während einer Dienstreise eine Praktikantin auf sein Hotelzimmer eingeladen, ihr dort Champagner angeboten und einen Pornofilm auf seinem Laptop gezeigt haben. Der anderen Kollegin soll der Mann mehrere unzweideutige E-Mails geschrieben haben. In einer Nachricht soll er sich als „Alpha-Tier“ bezeichnet haben.

Laut einer WDR-Sprecherin habe der Sender in den vergangenen zehn Jahren insgesamt sieben Fälle sexueller Belästigung registriert. Der Sender habe diese „mit dem Maximum an rechtlichen und disziplinarischen Möglichkeiten“ verfolgt. Wie „Der Stern“ und „Correctiv“ zudem berichten, soll noch ein weiterer WDR-Mitarbeiter, der regelmäßig in der Tagesschau und den Tagesthemen zu sehen ist, aktenkundig geworden sein.

Mit Anne Will hat sich bereits eine prominente deutsche Moderatorin auf Twitter zu dem Vorfall geäußert. Mit einem Link zu dem Bericht schrieb die Talkmasterin: „Wie bitte?“


Öffentlich-rechtliche Sender gerieten bereits im vergangenen Jahr im Zuge der #MeToo-Debatte ins Visier der Öffentlichkeit. Dem Regisseur Dieter Wedel wurden mehrere Fälle sexueller Belästigung vorgeworfen, die zum Teil Jahrzehnte zurückliegen. Die Schauspielerin Jany Tempel behauptete unter anderem, Wedel habe sie 1996 in einem Hotel bei einem Vorsprechen vergewaltigt.

Mehrere Fernsehsender, die mit Wedel zusammengearbeitet haben, erklärten sich bereit, für Aufklärung zu sorgen – darunter der Saarländische Rundfunk (SR) sowie der Norddeutsche Rundfunk (NDR).

Wie es in mehreren gleichlautenden Medienberichten heißt, hätten die Sender bereits in den 1980er-Jahren von diversen Übergriffen erfahren, sich aber dazu entschlossen, Wedel weiterarbeiten zu lassen.