WDR-Chefredakteurin verhöhnt neuen österreichischen Kanzler

Sonia Mikich hat langjährige Erfahrung als Moderatorin und Journalistin im Politik-Ressort. (Bild: ddp Images)

Mit 31 Jahren ist der Konservative Sebastian Kurz zum jüngsten Regierungschef Europas vereidigt worden. Für Fernsehjournalistin Sonia Mikich Grund für eine hämische Bemerkung.

Zwei Monate nach der Wahl tritt die neue österreichische Regierung ihren Dienst an: Am Montag wurde ÖVP-Chef Sebastian Kurz zum neuen Kanzler vereidigt, sein Vize ist Heinz-Christian Strache von der FPÖ.

Aufgrund des Bündnisses der Konservativen mit den Rechtspopulisten erwarten viele Beobachter nun einen Rechtsruck in der österreichischen Regierung. Doch nicht nur diese Entwicklung sorgt für Aufsehen: Neu-Kanzler Sebastian Kurz ist mit seinen 31 Jahren auch der jüngste Regierungschef Europas.

So kommentiert Jan Rübel die neue österreichische Regierung

Auch Sonia Mikich, die als Chefredakteurin beim WDR arbeitet und zehn Jahre lang die Polit-Sendung „Monitor“ moderierte, äußerte sich zum neuen Regierungsoberhaupt, vergriff sich dabei jedoch nach Ansicht vieler Internetnutzer im Ton.

Über den offiziellen Twitter-Account der „Tagesthemen“ teilte Mikich ein Bild, in dem ein junger Kurz, auf einem Luxusauto sitzend, und ein brisantes Foto, das seinen Vize Strache in Jugendjahren bei einer rechtsextremen Wehrsportübung zeigen soll, nebeneinandergestellt sind. „Kanzler und Vizekanzler stellen sich vor“, heißt es in dem Original-Tweet. Sonia Mikich kommentierte dazu: „Warum sieht der da vorne wie ein Pimpf aus?“

Das Wort „Pimpf“ wird einerseits scherzhaft-abwertend für einen kleinen Jungen verwendet, hat andererseits jedoch auch Bezüge zur NS-Zeit: Umgangssprachlich wurden die jüngsten Mitglieder des „Deutschen Jungvolkes“, einer Jugendorganisation im Dritten Reich, ebenfalls als „Pimpfe“ bezeichnet.

Die Welle der Empörung aufgrund des beleidigenden Vergleichs ließ folglich nicht lange auf sich warten. „Zeit“-Autor Jochen Bittner postete: „Liebe Kinder, falls ihr euch für #Journalismus interessiert: Das ist keiner.“ Ein weiterer Nutzer ärgert sich: „Unterirdisch! Für diesen Tweet sollten Sie unverzüglich entlassen werden. Dafür zahlt man nun #GEZ.“

Viele weitere Nutzer beschwerten sich über die als niveaulos und unseriös empfundene Äußerung Mikichs, die nicht zum Anspruch einer Nachrichtensendung passe. „Warum betrachtet die #Tagesthemen Redaktion dieses Thema nicht seriös, sondern bedient sich solcher Aussagen?“, fragt eine Userin. „Ich verwechsele ja Tagesthemen und heute Show alle Naselang“, schreibt ein anderer mit Anspielung auf die ZDF-Satiresendung.

Sonia Mikich ruderte aufgrund der starken Kritik bald zurück und relativierte ihre Aussage: Sie habe sich mit dem Vergleich lediglich auf die Haare des Neu-Kanzlers bezogen. „Liebe alle! So viel Leidenschaft wegen Frisurkritik. Von Politik oder Erfolg oder Alter war garnicht die Rede. Keep cool, es ist der dritte Advent”, schrieb sie.

Da die Situation sich jedoch weiterhin nicht beruhigte, rang sich die TV-Journalistin zu einer gezwungen wirkenden Entschuldigung durch, in der sie ihre Aussage als „Ironie“ verharmlost: „Oh je, ich merke: Ironie funktioniert gar nicht. Darum tut es mir leid, wenn jemand jetzt beleidigt ist. Kein Nazivergleich gemeint. Gleichzeitig verzeihe ich auch alle Beleidigungen gegen eigene Person, Journalismus, Merkel, Tagesthemen, die ich gelesen habe.”