WDH/ROUNDUP: Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf Höchstwert seit Januar 2016

dpa-AFX

(Kurs aktualisiert)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Zunehmende Hinweise auf eine geldpolitische Wende im Euroraum machen sich im Handel mit deutschen Staatspapieren deutlich bemerkbar. Die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ist am Donnerstag über 0,5 Prozent auf den höchsten Stand seit Januar 2016 bei 0,54 Prozent geklettert. Bereits seit gut einer Woche legt die Verzinsung im Handel fast kontinuierlich zu. Grund dafür sind jüngste Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), die an den Finanzmärkten die Erwartung einer baldigen Reduzierung der EZB-Wertpapierkäufe bestärkt haben.

Mario Draghi hatte sich äußerst zuversichtlich zur Wirtschaft im Euroraum geäußert und den jüngsten Rückgang bei der Inflation als vorübergehend bezeichnet. Beides spricht tendenziell für eine Normalisierung der Geldpolitik, die sich mit Nullzinsen und milliardenschweren Wertpapierkäufen auch zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise im Krisenmodus befindet, wodurch die Inflation und die Konjunktur gestützt werden sollen. Mehrfach sickerten in den vergangenen Tagen Aussagen aus dem Umfeld der EZB an Medien durch, wonach man die Marktreaktionen auf die Draghi-Rede für übertrieben halte. An der Einschätzung der Anleger hat dies jedoch nichts geändert.

FRANZÖSISCHER NOTENBANKCHEF VERSTÄRKT EZB-SPEKULATIONEN

Am Donnerstag verstärkten Bemerkungen des Chefs der französischen Notenbank, Francois Villeroy de Galhau, die Spekulationen auf eine geldpolitische Straffung weiter. Die außergewöhnlich lockere Geldpolitik der EZB sei nicht für die Ewigkeit, heißt es in einem Schreiben des Währungshüters an den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. "Die Nominalzinsen, die derzeit weiterhin besonders niedrig sind, haben seit Herbst 2016 zu steigen begonnen und dürften weiter steigen, im Einklang mit dem Tempo der Konjunkturerholung und dem Inflationswachstum", heißt es weiter in dem Schreiben.

In allen Euro-Ländern mit Ausnahme Griechenlands legten am Donnerstag die Renditen zu. Besonders stark war der Anstieg in Irland und Italien. Die Aussicht auf geringere Nachfrage am Rentenmarkt durch eine mögliche Reduzierung der EZB-Wertpapierkäufe lässt die Renditen steigen. Die Staaten müssen sich damit auf tendenziell höhere Zinsen bei der Schuldenaufnahme einstellen.

HINWEISE AUF KNAPPHEITEN AM ANLEIHEMARKT

Dass die EZB trotz des jüngsten Inflationsrückgangs im Euroraum schon bald ihre Wertpapierkäufe reduzieren könnte, führen einige Ökonomen auch darauf zurück, dass die Währungshüter aufgrund von Knappheiten am Rentenmarkt zunehmend Probleme bei der Umsetzung der Wertpapierkäufe bekämen.

Experten der niederländischen Bank ABN Amro zufolge bleiben etwa die EZB-Käufe deutscher Staatspapiere seit drei Monaten hinter dem Niveau zurück, das dem sogenannten Kapitalschlüssel zufolge eigentlich vorgesehen ist. Der Kapitalschlüssel gibt vor, wie hoch der Anteil der Papiere eines Euro-Landes am Gesamtvolumen der Käufe sein soll. Er richtet sich nach der Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes. Die jüngsten Daten zeigen laut Abn Amro-Experte Kim Liu, dass die EZB faktisch gezwungen ist, etwa in Deutschland bereits vorzeitig ihre Anleihekäufe zu reduzieren. Offiziell läuft das Kaufprogramm noch mindestens bis Ende 2017. Monatlich sind Käufe im Volumen von insgesamt 60 Milliarden Euro vorgesehen.